Cem Özdemirs Pöbel-Anfall in der Stuttgarter Innenstadt: Einfach mal die Fresse halten

Auf Krawall gebürstet: Cem Özdemir (Foto:Spicker)

Gibt es in der Stuttgarter Innenstadt zufällig irgendeine Strahlung oder Magnetfeld-Anomalie, die speziell Menschen mit Migrationshintergrund aggressiv macht? Vielleicht wäre ja auch das eine exkulpierende Erklärung für die Mob-Ausschreitungen vom Wochenende. „Kontrollverlust“ auf seine Weise erlitt nämlich gestern ein weiterer „Deutscher mit Migrationshintergrund“, der zwar aus Stuttgart stammt, inzwischen aber eher in die Berliner „Partyszene“ gewechselt ist: Grünen-MdB Cem Özdemir.

Als sich Özdemir am Tag nach den Krawallen in Stuttgart ein persönliches Lagebild verschaffen wollte und gerade mit einem Fernsehteam der „Welt“ sprich, unterbrach ihn in gebrochenem Deutsch ein grauhaariger Passant aus dem Hintergrund und rief wirr: „Die Polizeidiktatur ist Schuld“. Eigentlich ist Özdemir Zwischenrufe aus dem Bundestag ja gewohnt, er verteilt sie selbst gerne – doch selbst wenn man eine situationsbedingte Gereiztheit in Rechnung stellt, war seine anschließende Reaktion unterirdisch und eines Bundestagsabgeordneten gänzlich unwürdig: „Halten Sie bitte die Fresse, danke, ich rede gerade“, kläffte Özdemir. Der Mann erwiderte: „Ja! Fresse! Die Polizeidiktatur bestraft einfache Menschen – Straßenmusiker, 200 Euro!“ Woraufhin Özdemir nachsetzte: „Ich rede gerade, bitte Maul halten.“

Bestimmt hätte manch einer in derselben Lage vielleicht sogar gute Lust gehabt, den ungebetenen Einwand aus dem Off mit einer gesalzenen Schellen zu parieren. Doch in der Politik ist die Kunst der Selbstbeherrschung das A und O. Gerade grüne Menschenfreunde dürften hier nicht aus der Rolle fallen. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie Özdemir es gefunden hätte, wäre einem AfD-Politiker diese Entgleisung passiert. Immerhin: An Özdemir Interview war dieser Ausbruch wohl das einzig Denkwürdige – für den Rest interessierte sich sowieso niemand; die 08/15-Phrasen zu Sonntagnacht mitsamt den üblichen täterschonenden Allgemeinplätzen konnten die meisten ohnehin wohl schon auswendig.

Özdemir hat sich zwar nach seinem Live-„Fauxpas“ später per Twitter entschuldigt („immerhin habe ich bitte gesagt“) – doch wie schnell der smarte Cem hier ins Gossendeutsch verfiel und „Fresse halten“ aus ihm herausschoss, das lässt tief blicken: Über das gänzliche Fehlen von Format und Klasse in diesem Staat – aber auch darüber, was offenkundig die üblichen Umgangsformen der Grünen untereinander sind – selbst auf Bundesebene. Der Sitten- und Niveauverfall der politischen Rede in diesem Land, die seit den Fünfziger Jahren von akademischem Kanzleideutsch zum RTLII-Level degeneriert ist, ist nicht das einzige Problem; nicht minder schlimm wirkt sich aus, dass heute vor allem erst geredet, dann gedacht wird und dies als „schlagfertig“ gilt, selbst wenn nur Zoten und billige Pointen dabei herauskommen.

(DM)