Erfundene Party-Exzesse: Die Mär vom Mallorca-Corona-Hotspot

Micky Krause im geschlossenen "Megapark" auf Mallorca (Foto:Imago/Janßen)

Fake-News über das 17. Bundesland: Was sich deutsche Medien in den letzten Tagen über die angeblich so prekäre Corona-Situation auf Mallorca, ausgelassene Strandparties und deutsches Fehlverhalten am Ballermann aus den Fingern sogen, hat nicht nur mit der Wirklichkeit nicht das allergeringste gemein. Es ist handelt sich dabei um eine konzertierte Kampagne, Menschen – zumal noch normaldeutsche Bürger – in ihrem verständlichen Wunsch nach Freiheit und Urlaub zu kriminalisieren und zu kollektiv unzivilisierten Barbaren zu erklären.

Hier brechen dann wirklich alle Vorurteile und scheinbaren Klischees über teutonische Balearenurlauber auf. Der „Spiegel“ schrieb etwa dramatisch von „illegalen Partys“: „Hunderte Deutsche feierten auf Mallorca, ohne sich an die in Spanien geltenden Corona-Regeln zu halten! Nun zieht die Regierung Konsequenzen – und macht beliebte Lokale dicht.“ Und „n-tv“ wusste zu berichten: „Besondere Sorgen bereiten aktuell Bilder von Partys auf Mallorca. Rückkehrern könnten Zwangstests und Quarantäne bevorstehen.“ Und was sie von pauschalurlaubenden deutschen Landsleuten halten, brachten rundum sympathische Twitter-Debattenteilnehmer teilweise ganz unverhohlen zum Ausdruck:

(Screenshot:Twitter)

Kein Wunder, dass die Lockdown-Fetischisten und Corona-Hardliner es gar nicht abwarten konnten, Mallorca zum Hochrisikogebiet zu erklären, Zwangstests für Ferienrückkehrer zu verhängen – und dass sie vor allem die Maßnahmen der Inselregierung beklatschten, die eine Maskenpflicht sogar im Freien wiedereinführte.

In Wirklichkeit sind die Darstellungen zügellos feiernder Corona-Ignoranten offenbar nicht nur überzogen, sondern frei erfunden: Inzwischen echauffieren sich darüber bereits prominente Inselbewohner. Ballermann-Star Mickie Krause etwa ist nach der Schließung diverser Malle-Kultlokale wegen Corona stinksauer- und versteht die Schließungen nicht, die die spanische Regierung am Mittwoch nach den angeblichen Partyexzessen am Wochenende erlassen hatte: „Der Vorfall am Freitag in der Bierstraße war gar nicht so schlimm, wie es dargestellt wurde! Da haben hundert Menschen gefeiert, vielleicht ein bisschen übertrieben und vielleicht haben sie auch nicht immer den Sicherheitsabstand eingehalten. Aber dieses Filmchen, das überall gezeigt wurde, war nur eine Momentaufnahme.“

Auch Micky Krause schwer genervt

Und wohl mit Blick auf die Spiegel-Berichterstattung meint Krause: „Es handelte sich definitiv nicht um einen Partyexzess. Hier gibt es keine illegalen Partys. Hier gibt es keine Sauftouristen, die hier Vollgas geben.“ Tatsächlich sei es auf Mallorca „aktuell ruhiger als an jedem Nord- und Ostseestrand“. Stinksauer ist auch Michael Bohrmann, der Wirt des Lokals „Deutsches Eck“, der gegenüber dem Kölner „Express“ vom Leder zog. Sein gerade erst am 10. Mai nach zwei Monaten Lockdown wiedereröffnetes Lokal muss nun für weitere zwei Monate dichtmachen – für viele arbeitenden Menschen sei das „eine Vollkatastrophe“.

Im Netz wird bereits über eine mögliche gezielte Aktion spekuliert: „Plötzlich waren aus aller Herren Länder Journalisten angereist, um das Chaos am Ballermann zu dokumentieren. Der Öffentlichkeit wies man dann fünf Jahre alte Bilder vor“, schrieb ein Touristikexperte. Tatsächlich waren einige Fotos, die etwa im „Weser-Kurier“ zur Illustration des angeblich unverantwortlichen Treibens abgebildet waren, Archivaufnahmen von 2018, also von lange vor Corona. Tatsächlich scheint die Insel seit dem Ende der harten Ausgehbeschränkungen in Spanien und dem zaghaften Wiederanfahren des Tourismusbetriebs geradezu ausgestorben (wie auch Bilder von Livecams aus Palma zeigen) – so dass die Presseanfeindungen erst recht wie eine geplante Manipulation anmuten. (DM)