Zynisch: Focus sieht Aussterben deutscher Innenstädte wegen Corona-Krise als „Chance“

Marode Innenstädte in Deutschland - Folge des "neuen Konsumverhaltens"?(Foto:Imago/Rinke)

Zynischer geht’s nicht: Selbst Hiobsbotschaften wie die absehbare gigantische Pleitewelle, die auf Deutschlands Innenstädte als Folge der Corona-Krise zurollt, werden von Propaganda- und Durchhaltemedien genutzt, um daraus noch etwas vermeintlich Positives zu ziehen. So sieht „Focus“ in massenhaften Geschäftsschließungen, Leerstand und Verödung ganzer Einkaufsstraßen und aussterbenden Fußgängerzonen als Folgen einer hausgemachten, nie dagewesenen Wirtschaftskrise „auch Chancen“.

Immerhin wird eingeräumt, dass es sich bei der scheinbaren Teilerholung des innerstädtischen Lebens nach den Öffnungen nur um einen trügerischen Frieden handelt – da vielen deutschen Innenstädten vom Herbst an eine Pleitewelle droht. Die reihenweisen Filialschließungen von Karstadt/Galeria-Kaufhof waren nur ein erster lauer Vorbote der Lawine, die noch kommt, denn der Handelsverband Deutschland (HDE) prognostiziert das Aus für rund 50.000 Geschäfte in Deutschland als Folge von Corona.

Diese Katastrophe kommt zusätzlich zum ohnehin seit Jahren ablaufenden Strukturwandel im Einzelhandel: anhaltende Filialisierung, Verschwinden inhabergeführter und qualifizierter Fachgeschäfte, Leerstand und Mietpreisrückgang, der zur Ansiedlung von Ramschläden, zunehmenden Döner- und arabischen Schnellimbissen, Tattoo-Studios, Wettbüros der Digitalisierung und sonstiger Prekariats-Anlaufstellen führt. Corona ist da nur der ultimative Sargnagel.

Doch „Focus“ schwärmt von „Herausforderungen“ und „Chancen“: Experten wie der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Boris Hedde, werden zitiert, die weissagen, dass „Handwerk, Dienstleistungen, Möbel- oder Baumärkte und Lebensmitteldiscounter wieder in die Innenstädte zurückkehren“ werden. Künftig werde in den Cities „vor allem der Modehandel weniger stark dominieren“, so Hedde. Von „mehr Wohnen und Arbeiten“ in den Innenstädten phantasieren wie auch der Präsident des Deutschen Städtetages, Leipzigs SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung schwärmt. In Rüsselsheim entstanden am Ex-Karstadt-Standort „Wohnungen und ein Bürgerbüro“, und im schleswig-holsteinischen Rendsburg wird das ehemalige Hertie-Haus aktuell zu einem Seniorenheim mit 110 Betten umgebaut.

Drittweltszenen und soziale Verwahrlosung

Neben solchen vereinzelten von Gemeinschaftsträgern und vor allem der öffentlichen Hand finanzierten „Wohn“- und „Arbeit“-Projekten, die ähnlich wie Wohnungen für Flüchtlinge keinerlei volkswirtschaftlichen Nutzen haben und keinen produktiven Handel ersetzen, dürfte in den meisten Innenstädten bald ganz andere Bilder dominieren: Drogendealer, afrikanische und orientalische Jugendbanden, sozial Abgehängte. Dazu Verfall und Degeneration. Szenen, die man bislang aus Schwellen- oder gar Drittweltländern kennt. Die weniger werdenden Reichen, Besserverdiener, darunter auch hochbezahlte Beamte und Politiker, werden sich in die Peripherie zurückziehen – vermutlich zunehmend in Gated Communities, wo sie unbehelligt von der hässlichen Wirklichkeit ihren Traum vom bunten Multikultideuschland weiterträumen können.

Was eine unsinnige, schönfärberische Argumentation: Den durch heillos überzogene Corona-Maßnahmen herbeigeführten Zusammenbruch als Keim glorreicher Veränderungen zu preisen. Mit derselben Logik könnte man sich bei den Alliierten bedanken, dass sie mit der Bombardierung und Einebnung der deutschen Innenstädte Platz und „Chancen“ für „etwas völlig Neues“ geschaffen haben. Oder das Dritte Reich rückblickend als „Herausforderung“ preisen, ohne die die Bundesrepublik ja nie möglich gewesen wäre. Oder behaupten, je mehr Menschen arbeitslos sind, umso mehr haben die Chance, irgendwann wieder in Arbeit zu kommen. Die bittere Wahrheit ist eher diese: Wenn die Innenstädte einmal kaputtgemacht sind, wird sie nichts mehr zum alten Glanz zurückführen. (DM)