Die Stunde der Minderheit

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Nicht selten, sogar meist in der Geschichte der Menschheit, waren es Minderheiten, die bedeutsame gesellschaftliche oder politische Veränderungen bewirkten. Denn Mehrheiten sind in der Regel zu träge, ängstlich, risikoscheu oder heterogen, um sich gemeinsam gegen unerträglich werdende oder schon gewordene Zustände aufzulehnen. Die friedliche Revolution in der DDR der Jahre 1988/89 ist dafür ein noch immer sehr präsentes und Mut machendes Beispiel.

Von Wolfgang Hübner

Der jeden Tag deutlicher werdende politische Missbrauch der Virusangst im deutschen Volk hat dessen Spaltung herbeigeführt: Die überwiegende Mehrheit ist immer noch bereit, sich den Zumutungen und Grundrechteverlusten einer skrupellos instrumentalisierten Pandemie, die keine mehr ist, zu unterwerfen. Eine Minderheit, wenngleich wachsend, ist hingegen zu dieser Unterwerfung immer weniger bereit. Das ist die Lage.

Der politisch-mediale Machtkomplex weist zu seiner Legitimierung der Corona-Willkür triumphierend auf die wie auch immer motivierte Mehrheitsmeinung hin. Schließlich ist das Mehrheitsprinzip die tragende Säule jeder Demokratie. Doch werden Mehrheiten in parlamentarischen Systemen nicht bei Umfragen, sondern ausschließlich bei Wahlen festgestellt.

Die letzte Bundestagswahl 2017 hatte und konnte nicht die Viruskrise zum Thema haben. Dagegen wird die nächste Bundestagswahl im Herbst 2021 ganz sicher auch von dieser geprägt sein. Und es ist noch völlig offen, ob die derzeitigen politischen Profiteure dieser Krise dann auch weiterhin so gut dastehen wie derzeit.

Bis zu dieser Wahl im kommenden Jahr hat deshalb die Minderheit die Möglichkeit, das Heft des Handelns und des Veränderns an sich zu reißen. Es ist nun die Stunde dieser Minderheit gekommen, sie muss sie allerdings zu nutzen wissen. Das kann sie nur, wenn sie sich in keiner Weise von den Hinweisen und Drohungen mit dem tatsächlichen oder behaupteten Mehrheitswillen einschüchtern lässt.

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Wer noch nicht einmal davor zurückschreckt, selbst Schulkinder mit Maskenpflicht zu traumatisieren, verdient nur eines: Widerstand. Für diesen Widerstand gibt es inzwischen unzählige gute Argumente, darunter nicht zuletzt die medizinischen Studien und Statistiken. Daran wird der Kampf der Minderheit nicht scheitern.

Bedroht ist er vielmehr von den Spaltungsversuchen des Machtkomplexes. Wenn dieser damit erfolgreich ist, wird er die Oberhand behalten. Deswegen müssen alle Spaltungsversuche konsequent zurückgewiesen und verhindert werden. Selbstverständlich gibt es in einer schnell wachsenden Bewegung wie derjenigen der Gegner einer Corona-Demokratur auch Trittbrettfahrer, Konjunkturritter, Geschäftemacher, Spinner und politisch fragwürdige Mitläufer.

Doch die Berliner Großdemonstration am 1. August hat gezeigt: Diese Leute haben die eindrucksvolle Manifestation des Widerstands weder geprägt noch gar bestimmt. Es ist auch den abgefeimten Manipulatoren in den Medien nicht glaubwürdig gelungen, ein anderes Bild des Ereignisses durchzusetzen. Deswegen sollte sich die Bewegung nur von offensichtlichen Provokateuren distanzieren. Mit denen allerdings wird verstärkt zu rechnen sein, um die Bewegung in Misskredit zu bringen und zu isolieren. Es sollte auch keine Parteienwerbung auf den Demonstrationen und Kundgebungen stattfinden. Doch darf keine und keiner ausgeschlossen werden, weil er dieser oder jener Partei oder Organisation angehört.

Wenn das einigermaßen gelingt, werden die nächsten Monate die Zeiten des außerparlamentarischen Widerstands, der aufgeklärten Opposition werden. Dann, und nur dann, kann aus der Minderheit eine andere Mehrheit werden. Denn eine sichere Mehrheit hat die Gegenseite mit all ihren Zumutungen auf die Dauer gewiss nicht.

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