Er wird nicht aufhören: Erdogan macht die nächste Kirche zur Moschee

Chora Kirche (Bild: shutterstock.com/Von Gelia)
Wer tatsächlich geglaubt hat, dass der islamische Despot am Bosporus nach der Hagia Sophia aufhören würde, seine Islampläne weiter voranzutreiben, war schlicht und ergreifend naiv. Nach der wichtigsten Kirche der Christenheit wurde nun auch die Chora-Kirche in Istanbul für die Jünger Allahs zur Moschee gemacht.
Mehrere Wochen nach der Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee ist nun auch die Chora-Kirche in Istanbul gefallen. Das 1945 zum Museum erklärte Gebäude werde für das islamische Gebet geöffnet, hieß es in einem am Freitag veröffentlichten Dekret des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Im November 2019 hatte Erdogans Oberstes Gericht der Türkei den Weg für die Umwandlung und die weitere Islamisierung des Landes frei gemacht, berichtet hierzu der Tagesspiegel.
 „Es ist noch eine Provokation der internationalen Gemeinschaft, die die Monumente der Kultur der Menschheit respektiert“, erklärte das griechische Außenministerium am Freitag.
Die Geschichte des Klosterbaus reicht offiziellen Angaben zufolge bis ins 6. Jahrhundert zurück. Die Mosaiken und Fresken im Stil der palaiologischen Renaissance zählen zu den bedeutendsten und aufwendigsten Sakralzyklen weltweit und gilt als eines der wichtigsten byzantinischen Baudenkmäler. Etwa ein halbes Jahrhundert nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 wurde die Chora-Kirche, die bis dahin dem christlichen Ritus gedient hatte, von Atık Ali Paşa, dem Großwesir Bāyezīds II., in eine Moschee umgewandelt und in Kariye Camii umbenannt. Die Mosaiken kamen wegen des Bilderverbots im Islam unter Putz, wurden übertüncht oder heruntergeschlagen.
1945 wurde das Gebäude von der damaligen kemalistischen Regierung unter Präsident Ismet Inönü wie schon zuvor die Hagia Sophia in ein Museum umgewidmet. Zahlreiche westliche Institute haben in den folgenden Jahrzehnten viel Geld und Mühe aufgewandt, um die historisch besonders wertvollen Mosaiken zu restaurieren. In den 1980er Jahren kaufte eine private Stiftung die verfallenen Häuser rund um das Chora-Museum auf, restaurierte sie und machte so das gesamte Gelände zu einer touristischen Attraktion.
Die Rückumwandlung der Chora-Kirche durch den Obermoslem Erdogan von einem Museum in eine Moschee bedeutet, dass die berühmten Mosaiken und Fresken des Gotteshauses nun wieder bedeckt werden müssen.
Die griechische Regierung kritisierte die Entscheidung scharf und stellt fest: „Präsident Erdoğan hat andere Prioritäten als den kunsthistorischen Wert der alten Stadt Istanbul herauszustreichen. Er will seine Rolle als muslimischer Führer unter Beweis stellen und ist nun systematisch dabei, alle ehemals byzantinischen Kirchen in Moscheen umzuwandeln“. Es sei eine weitere Provokation der internationalen Gemeinschaft, die die Monumente der Kultur der Menschheit respektiert, erklärte das griechische Außenministerium am Freitag zur Umwidmung der Chora-Kirche.
Im Juli hatte bereits die Umwandlung des Hagia Sophia von einem Museum in eine Moschee international für viel Kritik gesorgt. Erst vor Kurzem feierten Zehntausende Muslime die Rückumwandlung der ehemals wichtigsten Kirche der Christenheit mit einem ersten Freitagsgebet. Allen voran Erdogan, der selbst eifrig Koranverse zitierte. (SB)