Zuchtmeister Söder jubelt: Bald noch mehr Einschränkungen und Verbote

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident (Foto: Imago)

Der Saubermann wird zum Schmutzfink: Markus Söder versucht, zu seiner scheinbaren Paraderolle als Corona-Hardliner vom Frühjahr zurückzufinden. Keiner redet die zweite Welle, die maximale Krise unreflektierter und kompromissloser herbei als er. Verbote, mehr Einschränkungen, Maskenzwang – der CSU-Chef und Bayern-Ministerpräsident kann es gar nicht abwarten und freut sich geradezu, die Menschen in ihrer teilweise wiedergewonnen Freiheit beschneiden und drangsalieren zu können.

Ausgerechnet Söder. Als oberster Bedenkenträger der Nation spielt er sich als Sheriff der Maßnahmen auf – obwohl sein Lack empfindliche Kratzer abbekommen hat. Sein Freistaat steuert satte 30 Prozent aller sogenannten Neuinfektionen zur Statistik bei und ist damit der Hotspot Nummer 1 im Bundesgebiet – obwohl Bayern nur 15 Prozent von Deutschlands Einwohnern stellt. Dass ausgerechnet so einer sich berufen fühlt, anderen Länder Ratschläge in puncto konsequentem Durchgreifen zu erteilen, ist erstaunlich.

Wie wenig Söder selbst die alarmistischen Vorgaben seiner Aktionismus-Politik in der Praxis gewuppt bekommt, bewies er vorgegangene Woche mit der Affäre um rund 1.000 verschwundene und nichterfasste Positiv-Getestete. Wie erwartet behielten auch hier Söders natürliche Feinde, die „Corona-Kritiker“ und „Verharmloser“ im Land, wieder einmal recht – weil natürlich rein gar nichts passierte, so wenig wie bei allen anderen „Ausbrüchen“ der letzten Zeit: Kein Anstieg von Hospitalisierenden oder gar Todesfällen, kein „Super-Cluster“, nichts. Durch die Schlamperei bei der Umsetzung seines eigenen Test-Wahns bewies Söder selbst, dass seine gesamte Politik der Übervorsichtigkeit und Panikmache jeder Verhältnismäßigkeit entbehrt.

Merkel und Söder – Duo Infernale

Leider wird dies journalistisch weder gewürdigt noch aufgearbeitet. Wenn sich Angela Merkel mit dem Gedanken des nächsten Lockdowns anfreundet oder als Ergebnis ihrer morgigen Beratungen mit den Länderchefs nach „bewährter“ Manier von März und April die nächsten „Beschlüsse“ verkündet, dann kann man Gift darauf nehmen, dass sich wieder einmal Söder durchgesetzt haben dürfte. Bereits am Montag rief Söder seine Ministerpräsidentenkollegen zu härteren Maßnahmen auf und forderte: „Wir müssen die Zügel wieder anziehen!“. Konkrete Auswirkung: Mehr Kontrollen und höhere Bußgeldern für „Maskenverweigerer“. Und Merkel – perverser geht es eigentlich nicht mehr – zeigte sich kurz darauf „sehr dankbar„, wenn endlich mehr Bußgelder verhängt werden.

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Nicht nur das sture Festhalten an Maskenzwang, deren Nutzen inzwischen mehr als widerlegt ist, Kontaktverboten und Datenerfassungspflichten gehören zum Grundmantra der Kanzlerin und Söders. Vor allem dem Ober-Bayern reicht all dies noch nicht; inzwischen denkt er laut über Masken im Freien, am Arbeitsplatz oder über Einschränkungen bei Feiern und privaten Versammlungen nach. Regelrecht euphorisiert muss er vernommen haben, dass in vorauseilendem Gehorsam inzwischen schon die Kommunen seines Landes einen Vorgeschmack auf das nächste Corona-Regiment bieten: So ist in München neuerdings Alkohol im Freien verboten, wenn sich fortan durchschnittlich pro Woche mehr als 35 Menschen „neu infizieren“. Derartig sinnfreien, willkürliche Zweckzusammenhänge sind inzwischen typisch für die Corona-Politik in einem Land faktisch ohne Corona.

Immerhin: Der Widerstand wächst

Doch der Widerstand wächst, und er wächst zunehmend in der Mitte der Gesellschaft – jenseits der als Schwachsinnige, Verantwortungslose oder Extremisten ausgegrenzten (oder kriminalisierten) Gruppierungen. Denn dass sich mit Söder und Merkel die mächtigsten Politiker Deutschlands in den Dienst eines ritualisierten Wahns stellen, der überhaupt keine wissenschaftlich-evidenzbasierte Realgrundlage mehr aufweist, und darin von unkritischen Durchhaltejournalisten servil-eilfertig unterstützt werden, stößt inzwischen immer mehr fachkundigen Kreisen bitter auf. Gestern meldete sich das renommierte „Deutsche Ärzteblatt“ mit einem beißend-kritischen Bericht über die katastrophale „Aufarbeitung und Darstellung von Informationen über Covid-19 in den Medien“ zu Wort.

„Selbst in den Leitmedien wurden zur Beschreibung des Infektionsrisikos über Monate le­diglich Fallzahlen ohne Bezugsgrößen und unter Verwendung unpräziser Bezeich­nungen benutzt“, wird darin das renommierte Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM) zitiert. Oftmals werde inzwischen gar nicht mehr zwischen Testergeb­nissen, Diag­no­sen, Infektionen und Erkrankungen differenziert. Die „gemeldeten Fälle“ seien kaum inter­pre­tierbar, wenn nicht bekannt ist, wie viele Tests bei welchen Personen durchge­führt wurden. „Je mehr getestet wird, umso häufiger finden sich auch richtig oder falsch positiv getestete Personen“, so das Netzwerk. Zudem gelte: Je häufiger gesunde und beschwerdefreie Menschen untersucht würden, umso eher gebe es auch positive Ergebnisse von fraglicher Bedeutung.

Und ein weiterer Kritikpunkt kommt zu Wort – dass es seit Monaten noch immer keine repräsentativen Stichproben oder validierte statistische Einordnungen gibt. In den Medien werden nach wie vor irgendwelche „Ranglisten von Fällen“ ohne jeden Bezug zur Bevölkerungsgröße gezeigt – im In- und Ausland. Die Angaben müssten sich allerdings, so die Forscher, auf eine konstante vergleichbare Größe beziehen, „üblicherweise auf 100.000 Einwohner“. Dies geschieht nicht. DAS sind die unseriösen Methoden, auf die Söder & Co. ihre Panikmache und weitere Freiheitseinschränkungen stützen. Man darf gespannt sein, wie lange sie damit noch durchkommen. (DM)