Chaos, Willkür, Bürokratie-Exzesse: Test-Nonsens um die Reiserückkehrer

Anstehen für Tests, mit denen später Schindluder getrieben wird? (Foto:Imago/Peters)

Das Hickhack um Tests für Reiserückkehrer aus „Risikogebieten“ wurde gestern durch eine lose Absprache zwischen Bundeskabinett und Ländern dahingehend vereinheitlich, dass ab sofort „strengere Regeln“ gelten sollen – vor allem was die verhängten Quarantänen betrifft. Die grundgesetzlich garantierte Unverletzlichkeit der Wohnung ist das nächste Grundrecht, das hier fällt – Gesundheitsämter sollen das Recht haben, verfügte Isolation von Positiven, Infizierten oder auch Verdachtspersonen bis zum Erhalt des Testergebnisses „intensiv“, und zwar in deren Wohnung, zu kontrollieren.

Erst ab dem 1. Oktober soll gelten, dass die bisherige Pflicht zur 14-tägigen Quarantäne für „Rückkehrer aus Risikogebieten“ durch einen Test vorzeitig (ab dem 5. Tag) entfallen kann. Der Unsinn all dieser Maßnahmen ist zwar schon dadurch bewiesen, dass es überhaupt keinen relativen Anstieg der Neuinfektionen gibt, auch nicht unter den „Risikogruppen“ – selbst nachdem ausgerechnet in Bayern dank Riesenpanne vor drei Wochen 1000 ahnungslos positiv Getestete einfach vom in den Alltag entlassen und dort zu Superspreadern werden konnten, passierte: genau NICHTS. Wie eben bei allen „Ausbrüchen“ und „Clustern“ der letzten Monate: Nirgends führen sie zu exponentiellen Infektionsketten, nirgends nahm die Zahl der stationär aufgenommenen Covid-Patienten zu.

Doch trotzdem wird eine Hysterie um die Urlaubsrückkehrer geschürt, als schleppten diese Flöhe, Pestilenz und Pocken ein. Und das, wohlgemerkt, bei Rückreisenden aus Ländern, die nach völlig willkürlichen Kriterien zu sogenannten „Risikogebieten“ erklärt werden –  „par ordre de Mufti“ sozusagen und ohne stichhaltige Analyse der Gründe für die ermittelten „Anstiege der Neuinfektionen in den jeweiligen Staaten. Die Kriterien für ein „Risikogebiet“ sind ebenso idiotisch wie die in Deutschland geltenden „Schwellenwerte“ von Neuinfektionen.

Und sie wirken ähnlich fatal: Nicht nur wird damit die Tourismusbranche abermals an den Abgrund gebracht; auch die Urlauber werden als egoistisch-rücksichtslose Ignoranten sozial geächtet – und sollen voraussichtlich künftig nicht einmal mehr eine Entschädigung für ihren eigenen Einkommensausfall durch Quarantäne mehr erhalten, wie der „Bayerische Rundfunk“ berichtet. Und wäre es nach Jens Spahn gegangen, sollten sie gar ohne Test erstmal allesamt in Quarantäne gesteckt werden; so wollte er die Corona-Testressourcen schonen und stärker für Pflegekräfte und „Menschen mit Coronasymptomen“ vorhalten.

Wegsperren statt testen

Die Planer dieses Durcheinanders von Tests und Quarantänen in Berlin haben, so scheint es, nicht nur den Bezug zur marginalen Realität des Virusgeschehens komplett verloren. Sie kriegen auch nicht ansatzweise mit, welches Chaos an der Basis mittlerweile herrscht. Hier wird ein unglaubliches Bullshit-Bingo gespielt, ein fast schon nihilistisches Theaterspiel ohne Höhepunkt und Pointe. Es geht um bürokratische Rituale ohne Sinn und Maß – genauso wie der Maskenzwang. Urlauber stehen stundenlang im Stau auf dem Rückweg aus Kroatien, als kämen sie aus einem nuklear verseuchten Sperrgebiet – der Eiserne Vorhang ist, 30 Jahre nach dem Mauerfall, wieder zurück in Europa. An Flughäfen drängen sich genervte Urlaubsrückkehrer an den Teststationen – in dichten Schlangen, OHNE Abstand. Wenn sich hier jemand infiziert, dann wegen der Tests – beim Anstehen.

Bis heute hat sich die Politik nicht zu der brisanten Tatsache geäußert, dass es sich bei den „Positivtests“ der sogenannten „Reiserückkehrer“ dabei in den meisten Fällen überhaupt nicht um indigene Deutsche (und auch gar nicht um Touristen) handelt – sondern zum überwiegenden Teil um Migranten, die auf Heimatbesuch waren – und dort mit Großfamilien zusammenkamen. Die mit weitem Abstand meisten positiv Getesteten waren denn auch Kosovaren, Türken, Rumänen und Bulgaren, aber auch Kroaten und sonstige Balkanabkömmlinge. Auch wird der Widerspruch nicht aufgeklärt, wieso die Zahlen neuerdings in den massiv aufgestockten bundesweiten Laboren wieder rückläufig sind, obwohl sie doch ständig mehr Tests bearbeiten müssen und über Überlastung klagten?

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Täglich erreichen jouwatch Berichte über Zustände, die die vollkommene, kafkaeske Unsinnigkeit dieser gesamten Politik anekdotisch-eindrucksvoll unterstreichen. Da werden zwei Schwestern jeweils mit ihren Freunden nach ihrer Rückkehr am Flughafen getestet, beide gleichzeitig und beide füllen ihre Kontaktdatenformulare aus. Gleichzeitig müssen sie bis zum Testergebnis in häusliche Quarantäne. Beide leben in derselben Stadt, in der Zuständigkeit des identischen Gesundheitsamtes. Die eine erhält nach vier Tagen ihren Negativtest, die andere hat ihn nach sieben Tagen noch nicht. Als sich beim Gesundheitsamt erkundigt, wird ihr mitgeteilt, von ihr liege überhaupt kein Kontaktformular und Testvorgang vor, sie müsse den Test wiederholen. Die Quarantäne verlängert sich auf insgesamt 11 Tage – die sie symptomfrei (und schlussendlich natürlich negativ) bei brütender Hitze zuhause hocken durfte.

Pannen, Behördenversagen und Schikanen

Ein aus Bulgarien zurückkehrender 20-jähriger Urlauber wird ebenfalls nach Test in Quarantäne gesteckt. Nach acht Tagen erhält er per QR-Code online sein Testergebnis: es ist positiv. Am selben Tag bekommt er per Post schriftlich ein weiteres Testergebnis – diesmal ist es negativ. Auf Rückfrage beim Gesundheitsamt wird er stundenlang in die Warteschleife gehängt, bis man ihm lapidar mitteilt, im Zweifelsfall gelte dann das positive Ergebnis, sicher ist sicher – also: weitere Quarantäne.

In Wiesbaden kam es aktuell zu einem besonders aufschlussreichen Fall: Eine türkischstämmige Schülerin kehrte mit ihren Eltern aus der Türkei zurück und wurde – da ja auch Risikogebiet – getestet. Den Beginn des Schuljahres verbrachte sie in Quarantäne – ihr Resultat war noch nicht da. Dann kam der ersehnte Anruf: negativ. Das Mädchen ging in die Schule. Drei Stunden später dann ein Anruf des Gesundheitsamtes beim Direktorat: Man bedauere das Versehen, aber das Testergebnis sei vertauscht worden. Die Schülerin sei doch positiv. Prompt wurde die gesamte Schulklasse inklusive aller mit ihr in Kontakt gekommenen Lehrer in 14-tägige Quarantäne geschickt. Damit nicht genug: Das Mädchen erhielt von dem Gesundheitsamt einen gebieterischen Brief, in dem ihr bzw. ihren Eltern mit drakonischen Bußgeldern gedroht wurde, wenn sie ab sofort nicht zuhause in strenger Isolation bliebe, ohne Kontakt zum Rest der Familie – und die Behörde werde dies durch strenge Kontrollen überwachen.

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Überall in Deutschland werden sogar ganze Schulen direkt wieder in den nächsten Shutdown gebracht, weil einzelne Schüler positiv getestet wurden. In mindestens einem Fall in Rheinland-Pfalz, wo über 900 Schüler und 120 Lehrkräfte und Angestellte nach Hause geschickt wurden, erwies sich die Aktion als völlig unsinnig – das positive Testergebnis war falsch, ein bei einem anderen Arzt auf eigene Kosten durchgeführter Test ergab ein negatives Ergebnis.

Solche Fälle lassen sich beliebig weiter aufführen, und sie zeigen: all der neurotische Aktionismus und die hektische Panikmache bringt rein gar nichts – und zwar gerade weil Corona eben KEINE reale gesundheitliche Gefahr mehr darstellt. (DM)