Maffay, Liefers, Haußmann – Immer mehr Prominente wachen auf: So nicht, Freunde, so nicht!

Jan Josef Liefers von Radio Doria live bei einem Autokonzert an der Messe (Foto: Imago)

Die deutsche Künstlerszene erhebt langsam ihre Stimme. Regisseur Leander Haußmann fühlt sich angesichts schwarz gekleideter Polizisten, die bedrohlich durch die Straßen Hamburgs patrouillieren – immer auf der Suche nach „rebellischen Biertrinkern, Nachtschwärmern und Maskenverweigerern“ – wie in einem dystopischen Roman von Ray Bradbury oder Orwell. Und auch Schauspieler Jan Josef Liefers wagt sich aus der Deckung und kritisiert offen die gegenwärtige Corona-Politik. 

In seinem Freundeskreis werde niemand radikal, weil er nicht weiß, wie er die Miete zahlen soll, so Liefers in einem Interview mit der Bild-Zeitung. Der Aufwand, den eine Regierung betreibe, um Leuten zu erklären, warum nach Monaten und Monaten, wo das Ziel „Flatten the curve“ erreicht sei und immer noch so ein Alarm gemacht werde, alleine auf die Prognose hin, es könnte wieder los gehen, obwohl es gar keine Hinweis darauf gibt, daß es wieder losgeht, beunruhigt den 56-jährigen gebürtigen Dresdner. Er wünscht sich offenbar auch eine Erklärung dafür, warum immer dieselben Experten zu Wort kommen, obwohl es doch auch andere gibt, die durchaus eine gegenteilige Meinung haben. Am Ende sei es eine Frage, wie wir alle leben wollen, was Grundgesetz und Freiheit in einer Gesellschaft zu bedeuten hätten, so Liefers: „Wie sehr wir die unterordnen wollen z.B. einem Infektionsschutz. Das ist eine Diskussion. Das kann man nicht einfach bestimmen“, findet der Regisseur und Musiker Jan Joseph Liefers. „Irgendwann müssen wir den Menschen die Verantwortung zurückgeben“, so sein Fazit.

Seine Worte kamen auch bei seinem Kollegen Peter Maffay gut an. Viele Deutsche stünden wegen der Corona-Maßnahmen „am Rande ihrer Existenz“. Diese Nervosität sei ein „phantastischer Nährboden“, um sie in die politischen Extreme zu treiben. Umso wichtiger sei es nun, dass die staatlichen Hilfen bei denen ankämen, die keine Perspektive mehr sehen, warnt Peter Maffay.

Es wird „muffig und bieder“ in Deutschland, so Leander Haußmann zum Thema Corona-Verbote in einem Gastbeitrag in der Welt. „Langsam stellt sich bei mir so etwas wie Bockigkeit ein. Der Geist des Widerstands, nicht gleich die Fahne der Revolte in der Faust, aber doch vor der Brust gekreuzte Arme: „So nicht, Freunde, so nicht.“ Denn ich ängstige mich, dass aus dem Notstand Normalität wird. Das muss erlaubt sein“, meint der Film- und Theaterregisseur.

„Plumpeste Propaganda“ ist für Haußmann die Begründung des Berliner Innensenators Geisel für seine Demo-Verbot: „Wir haben uns für das Leben entschieden, ließ Herr Geisel pathetisch verlauten. Aha, anders als die anderen? Die sich offensichtlich für den Tod entschieden haben?“.

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Haußmann möchte sich nicht unterordnen, nicht tagtäglich anschreien lassen, belästigen lassen mit neuen Bestimmungen, die offensichtlich keiner Erklärung mehr bedürfen. „Ich sehe einen Geist, der immer dann zutage tritt, wenn die Stunde des Kontrolleurs schlägt. Neue Maßnahmen braucht das Land, und sie werden Tag für Tag verkündet. Ohne jegliche Empathiebekundung, ohne tröstende Begleitworte“, klagt er.

„Dass unsere so schöne, so zutiefst deutsche Kulturlandschaft verödet, im Wald der Verordnungen und Warnungen, scheint niemand als Gefahr zu begreifen. Und das Öffnen der Stadien im September sehen wir auch nicht, es wäre ja das falsche Zeichen. Kein Wort des Bedauerns, kein in die Zukunft gerichteter Hoffnungston. Der Nachtwächter läuft durch die Gassen und löscht die Lichter. Stille in den Straßen. Das Schnarchen der Bürgerinnen und Bürger, als Zeichen von Gehorsam und Einsicht“, beschreibt der 61-Jährige das gegenwärtige Deutschland.

„Die Theater drohen auszubluten. Die Stadien sind leer. Keine Konzerte. Wo ist die Sprache fernab der Gesetzestexte, wo sind Hölderlin, Schiller und Goethe, Botho Strauss und Heiner Müller? Die Lichter der Kinos und Opernhäuser drohen zu verlöschen – und mit ihnen alles, was die entsetzlichen Lücken in unserem Leben füllt, was es lebenswert macht“, gibt Hausmann zu Bedenken.

Leander Haußmann ist ebenso wie Jan Josef Liefers ein echtes „Ostkind“. Er stammt aus dem schönen Quedlinburg (Sachsen-Anhalt). Da sind sie wieder – die feinen Antennen und das Unbehagen der „Ossis“, angesichts von Freiheits- und Meinungsbeschränkungen. (MS)