Gastronomen-Verband: Betteln um Staatshilfen statt Kampf gegen ruinöse Auflagen

Stirbt "an und mit" Corona: Gastronomie (Foto:Imago/Contini)

Berlin – Wirte, die sich von ihrer Branchenvertretung, dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), vehementen Einsatz und politische Artikulation ihres Unmuts über die völlig unverhältnismäßigen Corona-Beschränkungen erhoffen, blicken derzeit in die Röhre: Statt auf Konfrontation zu gehen, drücken die Verbandsfunktionäre gegenüber der für die Maßnahmen verantwortlichen Politik lieber auf die Tränendrüse und flehen um mehr Staatshilfen.

Lebensverlängernde Palliativmaßnahmen statt Heilung und Notoperation zur Beseitigung der Krankheitsursache: So könnte man sinnbildlich die Konsequenzen auf den Punkt bringen, die  Dehoga-Präsident Guido Zöllick aus seiner gestern in Berlin vorgestellten Umfrage unter den Gastgewerbetreibenden der Bundesrepublik ziehen will: Anstatt die völlig überzogenen Maßnahmen zu kritisieren und deren sofortige Rücknahme zu fordern – vor allem die anhaltende Schließung von Tanzlokalen, Clubs, Discos und Veranstaltungsgastronomien -, fordert er weiteres Überbrückungsgeld.

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Dieses allerdings wird die Branche nicht retten; die besagte Umfrage brachte düstere Prognosen ans Licht. So sehen mehr als 60 Prozent der deutschen Gastronomen ihre Existenz aufgrund der Coronakrise weiterhin gefährdet – und das nach zehn Wachstumsjahren in Folge, mit zuletzt vor der Krise sogar geradezu optimistischen Erwartungen für 2020. Stattdessen gibt es nun „Umsatzverluste historischen Ausmaßes“, so Zöllick. Viele Betriebe der Branche profitieren derzeit von der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, sind also gewissermaßen „Zombiefirmen“, die unter normalen Umständen gar nicht mehr existenzfähig wären, wollten sich ihre Inhaber oder Gesellschaft nicht der Insolvenzverschleppung schuldig machen.

Zombiefirmen in rauhen Mengen

Auch wenn sich die Einbußen in den letzten Wochen etwas abschwächten, sei die Branche aufgrund von Abstandsgeboten und Kapazitätsbegrenzungen von Normalumsätzen noch „meilenweit“ entfernt, so Zöllick laut „dts Nachrichtenagentur“: „Unsere Betriebe waren die ersten, die unter den Folgen der Coronavirus-Ausbreitung gelitten haben und werden in all ihren Betriebsformen die letzten sein, die wieder öffnen dürfen“.

Doch er scheut die überfällige Frontalattacke auf die Politik – und fordert stattdessen weitere politische Unterstützung, da die derzeitigen staatlichen Hilfen „angesichts der verheerenden Auswirkungen“ nicht ausreichten. Die „gewaltige Pleitewelle“ müsse verhindert, Arbeitsplätze müssten gerettet werden. Genauso deswegen aber müsste der Dehoga eigentlich keine Leidensverlängerung durch Almosen, sondern die dringende Beseitigung der Umsatzhindernisse fordern. (DM)