Ob dafür auch Corona die Schuld trägt? Süddeutsche Zeitung muß am Personal sparen

Sehen wir hier einen typischen SZ-Redakteur? (Symbolfoto: Von Aonprom Photo/Shutterstock

Das total uneigennützige 220 Millionen EUR-Hilfsprogramm der Bundesregierung für notleidende systemrelevante Medien scheint nicht zu reichen. Denn der Mutterkonzern „Südwestdeutsche Medienholding (SWMH)“ möchte bei der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) eine Verschlankung bis Mitte Dezember um 50 Redakteure erreichen.

Von Nils Kröger

Dabei setzt der Konzern – vorläufig – auf Freiwilligenmeldungen der Journalisten. Je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit soll der Abschied mit bis zu 134.000 EUR „vergoldet“ werden. Diejenigen, die sich innerhalb der nächsten sechs Wochen entscheiden, daß sinkende Schiff zu verlassen, können noch eine „Schnellentscheiderprämie“ von 30.000 EUR verbuchen. Das Angebot bestehe aber lediglich für Redakteure, die mindestens drei Jahre festangestellt sind. Betriebsbedingte Kündigungen seien aber nicht geplant.

Nun versucht der FOCUS-Artikel Gründe für das Desaster der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) zu finden. Im Fokus steht dabei der Mutterkonzern SWMH, den die Gewerkschaft Verdi als „Süddeutsche Medienkrake“ titulierte und das Dortmunder Formatt-Institut bezeichnete die Konzernstruktur als „hochkomplex und hochschwierig“. Die SWMH legte zum Beispiel die Redaktionen der „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ zusammen und kaufte in der Vergangenheit im Stuttgarter Raum immer mehr kleinere Verlage auf. Laut FOCUS wurde dies als Gefahr für die Medienvielfalt angesehen.

Birk Meinhardt – Wie ich meine Zeitung verlor – Kopp Verlag – 15,00 Euro

Ob dies auch für die „Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH“ gilt, die an x-Verlagen beteiligt ist und zu 100 Prozent der SPD gehört? Aber prinzipiell darf im Kapitalismus der Eigentümer über seinen Besitz frei entscheiden. Natürlich gab es zur Begründung ein paar wohlfeile Worte, daß dies „zur Konsolidierung der SZ beitrage“, „die Wirtschaftlichkeit sichere“, eine stärke Fokussierung auf den digitalen Bereich und „die journalistische Qualität der ,Süddeutschen Zeitung‘ unverändert hoch bleibt“.

Der Focus-Artikel beweist wieder, woran der deutsche Qualitätsjournalismus krankt. Der Elefant steht im Raum, doch niemand spricht das eigentliche Problem an. Anstatt sich an die eigene Nase zu fassen und Fehler einzugestehen, sind irgendwie immer die anderen schuld. Weshalb werden denn Redaktionen zusammengelegt? Wieso sinkt seit Jahren die Auflage? Warum tituliert der Volksmund die SZ als „Alpenprawda“? Die Kommentare unter dem Artikel sprechen Bände.