Ballermann am Bahnhof: „Waffenverbotszone“ für ein Wochenende

Gehört zum deutschen Stadtbild: Vielfalt mit Messer (Symbolbild: Shutterstock)

Eine Gaga-Bekanntmachung über ungewöhnliche Polizeimaßnahmen in der nunmehr schon dritten nordrhein-westfälischen Großstadt sorgte letztes Wochenende für Kopfschütteln: Nach den Hauptbahnhöfen in Dortmund und Köln hatte die Bundespolizei am Wochenenden (21. bis 23. September) auch den Düsseldorfer Hauptbahnhof zur „Waffenverbotszone“ erklärt. Über den Erfolg dieser Maßnahme war nichts zu vernehmen – doch sicher ist, dass die Behörden weitere solcher befristeten „Verbotszonen“ planen.

Hier staunt allerdings der Laie, und der Fachmann wundert sich: „Waffenverbotszonen“ für ein Wochenende, und dann auch noch mit vorheriger Ankündigung? Spätestens seit vorab medial groß angekündigten „Blitzer-Tagen“ oder Kontrollen von Drogenumschlagplätzen mit vorheriger Ansage ist in Deutschland der Verzicht auf Überraschungseffekte und ermittlungstaktische Effizienz Normalität geworden. Medienwirksame Selbstinszenierung ist wichtiger als Fahndungserfolge.

Dass nun aber sogar eine völlige Trivialität wie das Verbot von Waffen im öffentlichen Raum (besonders an belebten Orten wie Bahnhöfen) durch spezielle „Aktionswochenenden“ beworben werden muss und so der Eindruck erweckt wird, an allen anderen Tagen und üblicherweise herrsche dort kein Waffenverbot, ist nur noch grotesk zu nennen. Doch in einem Staat, von dessen Kanzlerin der Satz stammt „Strafdelikte sind bei uns nicht erlaubt“, ist alles möglich.

Natürlich sind hier mit „Waffen“ keine ohnehin genehmigungs- oder waffenscheinpflichtigen Utensilien gemeint, sondern als Waffen verwendbare Gegenstände – von Taschenmessern über Rasierklingen bis zu Dachlatten. Die Bundespolizei begründete ihr Konzept damit, dass der Hauptbahnhof besonders an Wochenenden einen Schwerpunkt für Gewalt- und Straftaten darstellt“.

Wanderer und Handwerker ausgenommen

Deshalb wurde – wohlgemerkt aber nur am vergangenen Wochenende – ein „nächtliches Waffenverbot“ erlassen, das von Freitagabend 18 Uhr bis Samstagmorgen 9 Uhr, und von Samstagabend 18 Uhr bis Sonntagmorgen 9 Uhr galt. In dieser Zeit bestand ein   Mitführverbot für Messer aller Art, Hieb-, Stoß- und Stichwaffen, Baseballschläger, Beile und sonstige Gewalt- und Drohmittel, die „zweckentfremdet werden und zu erheblichen Verletzungen führen können“.

Wanderer mit einem Messer im Rucksack, Handwerker mit Werkzeug oder Radfahrer mussten, wie die „Westfälischen Nachrichten“ meldeten, allerdings nicht befürchten,kontrolliert zu werden, da sich die Ermittlungen auf „vor allem alkoholisierte, augenscheinlich unter Drogen stehende und polizeibekannte Männer bis 40 Jahre“ fokussierten. Die vorgewarnte Problemklientel konnte es sicher verschmerzen – seit Montag kann sie ihr Messer- und Totschlaginstrumentarium ja wieder unbehelligt mit sich führen. (DM)