Drosten, der Gottlieb Wendehals der Virologie: Neue Teststrategie und Selbstisolation vor Weihnachten

Prof. Christian Drosten, Retter oder Untergangsapostel der Menschheit (Foto: Imago)

Bei Christian Drosten stellt sich mittlerweile dieselbe Frage, die auch bei Karl Lauterbach seit Monaten im Raum steht: Wie kommt diese Person zu einer solchen unbegreiflichen Medienpräsenz? Was bei Lauterbach die Panikmache, ist bei Drosten die Unverbindlichkeit und Widersprüchlichkeit seiner Verlautbarungen – für einen Experten eigentlich ein absolutes No-Go. Praktisch alles, was dieser Virologen-Papst heute sagt, stellt er morgen in Frage.

Als neuesten Beleg seines Wankelmuts mutiert Drosten nun mal eben so zum Kritiker der wahllosen Massentests, durch die in Deutschland – ganz im Regierungssinne – die angebliche „pandemische Tragweite“ künstlich hochgehalten wird, indem Positivgetestete pauschal zu „Corona-Neuinfizierten“ und diese im allgemeinen Sprachgebrauch wiederum zu Ansteckenden oder gar Kranken erklärt werden. Drosten selbst bemühte das Bild der „steigenden Fallzahlen“, der „Anstiege“ und der „kritischen Grenzwerte“ – obwohl die zugrundeliegenden gemeldeten Fallzahlen weder repräsentativ noch verlässlich sind.

Jetzt dreht sich Drosten im „Zeit„-Interview und plädiert plötzlich – man höre und staune – für eine ganz andere Teststrategie für die Wintermonate: „Mein Mantra ist, dass wir die Menschen testen sollten, die Corona-Symptome haben.“ Denn klar sei: „Wir können nicht alle testen.“ Nicht auszuschließen sei sogar, zitiert ihn „Focus„, dass die Testkapazität über die Wintermonate sinke, weil Materialien fehlten – „nicht nur die Reagenzien, sondern auch Verbrauchsmaterialien, Plastikteile„.

Mantras und Wahrscheinlichkeiten

RKI-Kritiker und Skeptiker der Maßnahmen forderten genau dies seit Monaten. Die Folge einer solchen, auf sogenannte „Vortestwahrscheinlichkeiten“ ausgerichteten Testweise ist allerdings, dass dann zwangsläufig die Fallzahlen sinken – und so die Statistiken kaputt gemacht werden. Wo alle Ampeln nur auf eine bestimmte absolute Zahl von „Neuinfizierten“ pro 100.000 Einwohnern justiert sind – und zwar ganz egal, wie diese Zahl zustandekommt, ob durch Testung von nur 100 oder 50.000 Personen -, da ist Masse Trumpf.

Wie weltfremd Drosten inzwischen daherredet – und was wiederum Bände über seine Qualifikation als Regierungsberater der ersten Stunde in dieser Krise spricht -, zeigt sich in weiteren bizarren Einfällen, die zumindest in der Fläche ebenso undurchführbar wie unzumutbar sind: Der Charité-Virologe rät zum Prinzip der „Vorquarantäne“: Um etwa Familienbesuche oder Weihnachtsfeiern möglich zu machen, sollten sich die Menschen „einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa“ selbst isolieren und „soziale Kontakte so gut es geht vermeiden.“

Die Wiederentdeckung des „Lebensrisiken“

Die Menschen müssen „Risiken in einer Pandemie ein Stück weit selbst“ abwägen. Es gibt keine „totale Sicherheit„, sondern es blieben „immer Restrisiken.“ Völlig richtig, Herr Drosten: Und deshalb braucht sich niemand auch nur einen Tag länger wegen dieser Pandemie verrückt zu machen, die unter all den potentiellen Lebensrisiken, die uns jeden Tag drohen, zu den unwahrscheinlicheren und vernachlässigbareren Imponderabilien gehört. Und weil wir uns auch in früheren Jahren, selbst bei schweren Grippewellen, nie „isoliert“, mit Maske herumgelaufen oder gegenseitig gemieden haben, deshalb brauchen wir das auch jetzt nicht zu tun.

Interessant jedoch, dass sich Drosten als der Oberguru dieser Pandemie plötzlich auf Alltags- und Lebensrisiken besinnt, die es schon immer gab, die aber in der Coronazeit – auch durch sein Zutun – durch eine irrationale Dauerangst in den Hintergrund gedrängt wurden; ganz so, als sei dieses Virus die einzige Gesundheitsbedrohung, an der Menschen sterben können. Man kann es sich schlicht nicht ausdenken, was uns hier zugemutet wird. (DM)