Nach Panikmache zu „Triage“: Intensivmediziner-Präsident hat von Drosten die Nase voll

Medienstar Drosten (Foto:Imago/xim.gs)

Charité-Virologe und „Posterboy of Pandemia“ Christian Drosten hat den Bogen, so scheint es, endgültig überspannt: Nun platzt sogar renommierten Medizinern anderer Fachrichtungen der Kragen über seine unüberlegte, abstruse Panikmache. Uwe Janssens, Präsident der Vereinigung der Intensiv- und Notfallmediziner und gewichtige Koryphäe seines Fachs, greift Drosten scharf an, weil dieser von möglicherweise bevorstehenden „Triage“-Entscheidungen gefaselt hatte.

So läuft es in Deutschland bekanntlich seit Beginn der Corona-Krise: Regierung und Öffentlichkeit hören nur oder vorwiegend auf eine handverlesene Expertenauswahl – und vernachlässigen in ihrer Fixierung auf den „Gesundheitsschutz“ alle anderen Disziplinen von Wirtschaft über Bildung bis Sozialwesen. Doch selbst innerhalb der Gesundheitspolitik beschränkt sich alles nur noch auf die verengte Wahrnehmung von Virologen – mit der Folge, dass diese unseriöse Einschätzungen zu anderen medizinischen Fachgebieten abgeben, von denen sie nichts verstehen.

Doch weil sie nun einmal eine so massive Breitenwirkung haben und ihnen jeder zuhört, hängt die angstkonditionierte Nation natürlich bang an den Lippen eines Drosten, wenn der Horrorszenarien wie die ins kollektive Gedächtnis eingebrannten „Bilder von Bergamo“ für die kommenden Monate auch für Deutschland heraufbeschwört. Im Frühjahr hielt man diese Entwicklung für durchaus realistisch, ehe sie dann fulminant von der Wirklichkeit widerlegt wurde. Zu keinem Zeitpunkt drohte auch nur annähernd ein Kollaps des Klinikbetriebs geschweige denn eine Situation, in der deutsche Ärzte per Triage über Leben und Tod (durch Behandlung und Aussicht auf Rettung, oder Nichtbehandlung und Sterbenlassen) hätten entscheiden müssen.

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Und nichts deutet darauf hin, dass es diesmal, trotz Winter- und damit Grippesaison, anders sein wird, dass sich deutsche Kliniken in italienischen Verhältnisse wiederfinden werden. Drosten aber hatte – ganz im Sinne der Regierung, der er den Hype um sein Person verdankt, genau mit dem Schreckgespenst der Triagierung die aktuellen Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern begründet, und wieder dieselben einschüchternen Gedankenspiele wie im Frühjahr bemüht: „Auf einer Intensivstation müsse ein älterer Covid-19-Patient beatmet werden, der eine Überlebenschance von 30 bis 50 Prozent habe. Wenn dann ein 35-jähriger Corona-Patient mit einem schweren Verlauf kommt, der kleine Kinder hat, ebenfalls beatmet werden müsste, müssten die Ärzte eine Entscheidung treffen, ob in einem solchen Fall der ältere Patienten von der Beatmungsmaschine abzunehmen sei“, so Drosten laut „Bild„.

Räuberpistolen eines Fachfremden

Janssens – anders als Drosten intimer Kenner der deutschen Intensivmedizin und Chef der zuständigen Ärztevereinigung – muss auf diese Räuberpistolen Drostens hin glatt vom Stuhl gefallen sein. In der „Rheinischen Post“ ließ er seinem Befremden freien Lauf: Er könne die Äußerungen zu einer möglicherweise drohenden Triage in Deutschland „nicht nachvollziehen“ und halte sie für „unverantwortlich“. Indem Drosten auf diese Weise davor warnt, „macht er den Menschen unnötige Angst.“ Denn tatsächlich, so Janssens, sei man „von solchen Zuständen trotz Personalknappheit weit entfernt“.

Der Volksmund würde, auf Mario-Barth- bzw. Pocher-Niveau, in solchen Fällen salopp mit dem Spruch gegenhalten: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!“ Professor Uwe Janssens kann sich so, wohl aus Standesgründen, nicht ausdrücken; deshalb wählt er – obwohl inhaltlich identisch – eine gesetztere und diplomatische Formulierung: „Herr Drosten sollte sich aus der Diskussion um Kapazitätsengpässe auf Intensivstationen heraushalten!“.

Ende März verkündete Drosten eigentlich medienwirksam, er erwäge einen „Rückzug aus der Öffentlichkeit“. Lange hat dieser Vorsatz nicht gehalten, im Gegenteil: Weiterhin verwirrt, verängstigt und verunsichert er, der sich zu Beginn durchaus verdienstvoll als wissenschaftlicher Aufklärer zu Corona hervortat, seither die Bevölkerung. Doch der Schaden, den er mit seinen bizarren und für Laien verstörenden Äußerungen anrichtet, ist gar nicht abzuschätzen. Denn es sind Statements wie diese zur Triage, die die Politik erst veranlassen, demnächst wieder einmal massenweise Kliniken leerzuräumen und Betten vorzuhalten – was dann wieder mit der erneuten Verschiebung von Behandlungen und Operationen einhergehen wird. Dies – und keine Triage – wird dann tatsächlich dazu führen, dass wieder massenweise Menschen unnötig krepieren. (DM)