Das Beispiel Argentiniens beweist: Lockdowns haben null Einfluss auf Corona-Ausbreitung

Argentinien durchlebt trotz und wegen Dauerlockdown seine schwerste Krise (Foto:Imago/ZUMAWire)

Dass ein harter Lockdown praktisch keine Effekte bei der Bekämpfung eines Virus hat, das die Menschheit endlich als Teil eines normalen, immer dagewesenen Infektionsgeschehens akzeptieren lernen muss: Das zeigt nicht nur der saisonale Anstieg in ALLEN Staaten, egal ob deren Corona-Politik nun locker oder streng war. Ein Beispiel dafür, dass selbst ein durchgehender „Dauer-Lockdown“ nichts bringt, liefert Argentinien – wo ein ganzes Volk nicht nur gegen ein Virus kämpft, sondern gegen den wirtschaftlichen Untergang samt Inflation und Rezession.

Etwa zur selben Zeit wie in Deutschland verfügte die Regierung in Buenos Aires am 20. März den Lockdown – mit dem Unterschied, dass er seitdem praktisch nicht wieder aufgehoben wurde; die Gauchos sprechen von der „längsten Quarantäne der Welt“. Damals wurde auch Argentinien von der die ganze Welt erfassende, durch WHO-Hysterisierung und die Einstufung als „Pandemie“ ausgelösten Kettenreaktion angesteckt – und verfügte den Shutdown auf Basis von damals nur 152 Corona-Infektionen. Das frühzeitige Eingreifen schien sich auszuzahlen; wie der „Norddeutsche Rundfunk“ (NDR) in einer Reportage über die dortige Corona-Situation berichtet, waren die argentinischen Zahlen zunächst deutlich besser als im Rest Südamerikas.

Doch es half alles nichts: Das Virus brach aus – und, wie man nun mit einiger nüchterner Gelassenheit sagen kann – völlig turnusgemäß und im Einklang mit dem Winter auf der Südhalbkugel, während bei uns Sommer war: So wie bei uns jetzt mit saisonalem Einbruch der Erkältungssaison und damit einhergehender Immunschwächung der Menschen automatisch Infektionen und Atemwegserkrankungen zunehmen, so geschah dies südlich des Äquators eben im Sommer. Dies beweist übrigens auch die Fallzahlenkurve zu Australien – wo jetzt, mit dortigem Beginn des Sommers, Corona zurückgeht, nach einem Peak in den vorangegangenen Monaten, als bei uns völlige Ebbe war:

Australiens SarsCoV2-Infektionen 2020 (Quelle:Johns-Hopkins-University)

Die ergriffenen Reaktionen Argentiniens auf die dortige „Winterwelle“ im Juni waren ähnlich, wie sie bei uns von Berufskatastrophenpriestern à la Lauterbach und Söder permanent eingefordert werden – und sie erwiesen sich als ähnlich wirkungslos: Denn weder totale Ausgangssperren für 100 Tage (sogar inklusive Verbot zu Sport und Spaziergängen im Freien) noch extremste Kontaktbeschränkungen stoppten Corona. Wie der NDR schreibt: „Alles dicht, keine Ausnahmen für den Weg zur Arbeit. Wochenlang stand Buenos Aires still, die Straßen gespenstisch leer, die Parks verwaist, die Läden verrammelt…“ – und dennoch verschwand Covid-19 nicht.

Das Lob von WHO und hiesigen Lockdown-Lustmolchen – „Argentinien greift durch!“ – schien dem Land zwar lange das Los der Nachbarländer zu ersparen, das – vor allem im Fall Brasiliens – von den Medien lustvoll ausgebreitet und als gesundheitspolitische Apokalypse dargestellt wurde, inklusive Klinikkollaps und Massengräbern; wie im Fall der USA ging es hierbei natürlich stets um Aufbauschen des Scheiterns verhasster Staatenlenker, ob sie nun Trump oder Bolsonaro heißen.

Acht Monate Selbstkasteiung – null Effekt

Doch der „längste Lockdown der Welt“ erwies sich als nutzlos: „Aus heutiger Sicht war all das umsonst“, schreibt sogar der NDR zähneknirschend. Mitte August schon überholte Argentinien Deutschland bei der Zahl der Infektionen – bei halb so vielen Einwohnern. Das Virus ließ sich nicht annähernd aufhalten, bis auf geringfügige Verzögerungen seiner unvermeidlichen Ausbreitung, die den inzwischen vollends unkontrollierten Ausbruch wie derzeit in den „Villas“, den Armenvierteln jedoch nicht verhindern konnten. Nun blühen dem Land, dessen ökonomischen Reserven viel geringer sind als die Deutschlands, Anarchie und Totalrezession.

Die Frage ist, was wir in Europa und vor allem Deutschland aus diesem Beispiel lernen könnten, ja müssten. Ganz bezeichnend ist dabei, dass diese Frage jedoch nicht gestellt, geschweige denn jemals öffentlich diskutiert wurde. Es gibt unzählige gute Gründe dafür den erneuten Lockdown hierzulande – den die Bundesregierung vor zwei Monaten selbst noch für überflüssig und (bezogen auf den ersten im Frühjahr) als wirkungslos eingestuft hatte – sofort zu beenden, und kaum wissenschaftliche Argumente für seine Aufrechterhaltung. Wo nun aber die abschreckenden Beispiele im Ausland bereits offen auf dem Tisch liegen, etwa der Fall Argentinien: Da müsste eigentlich ein Aufschrei der Wirtschaft und Öffentlichkeit die Regierung zum Umsteuern zwingen. Dass dieser ausbleibt, zeigt einmal mehr die Irrationalität dieser Krise. (DM)