Unmenschlicher zweiter „Lockdown“: Britin wird verhaftet, weil sie ihre Mutter nach neun Monaten „Einzelhaft“ aus dem Pflegeheim holt

Symbolfoto:Von paul rushton/shutterstock

Eine Britin versucht ihre 97 Jahre alte Mutter nach 9 (!) Monaten Corona-Zwangsisolation aus dem Pflegeheim zu holen. Der Befreiungsversuch endet für sie in Handschellen, ihre demente Mutter wird im Polizeiauto zurück ins Heim gebracht. 

Die gelernte Krankenschwester Ylenia Angeli (73) konnte die erzwungenen Einsamkeit ihrer betagten Mutter nicht mehr mit ansehen und wollte sie noch vor der zweiten staatlich angeordneten Freiheitsberaubung, auch Lockdown genannt, zu sich nach Hause holen, um sie dort im Schoße der Familie zu betreuen. Doch die Polizei wusste dieses unerhörte Vorhaben zu verhindern.

Weinend filmte die anwesende Tochter Leandra Ashton die Verhaftung ihrer Mutter auf einem Parkplatz: „Um es ganz deutlich zu sagen:  meine Oma  – meine 97-jährige Oma -, die wir aus dem Pflegeheim geholt haben, weil wir sie seit neun Monaten nicht mehr gesehen haben, wird jetzt gewaltsam in ihr Pflegeheim zurückgebracht. Meine Mutter wurde verhaftet, meine Mutter sitzt hier hinten im Auto.“ Ihre Mutter Ylenia hebt ihre Handgelenke, um zu zeigen, dass sie mit Handschellen gefesselt wurde.

„Sie ist eine Krankenschwester – eine voll qualifizierte Krankenschwester – die sich um ihre eigene Mutter kümmern will, und wir sehen hier die Polizei, die meine 97-jährige Großmutter wieder ins Pflegeheim zu schaffen, wo es ihr schlecht geht, wo wir sie seit neun Monaten nicht mehr sehen konnten“, fährt die fassungslose 42-jährige Schauspielerin fort. „Oma. Wir lieben dich und wir werden für dich kämpfen“, versucht sie ihrer Großmutter noch zuzurufen, bevor der Streifenwagen mit der alten Frau wegfährt.

Die Familie hätte zwar die behördliche Genehmigung sich um die Finanzen der alten Dame zu kümmern, aber nicht die Erlaubnis für ihr Wohlbefinden zu sorgen, erklärt Lenadra Ashton die Situation. „Wenn man mit völlig irrationalen Regeln konfrontiert wird, die dich von deinen geliebten Menschen über Monate trennen, dann fängst du an diese Regeln zu hinterfragen“, so Leandra.

Es sei ein „Kafkaesker Albtraum“, maskierte Menschen würden kommen, und deine nächsten Angehörigen von dir trennen, findet die entsetzte Enkelin. Sie finde sich das erste Mal im Leben auf der falschen Seite des Gesetzes wieder.

Sie hätte unzählige Briefe an Minister, die Gesundheitsbehörden und das Pflegeheim geschrieben, Petitionen eingereicht und mit Sozialarbeitern gesprochen, weil sich der Zustand der Großmutter während der Isolation zusehends verschlechtert habe, erzählt Leandra. Doch alles habe nichts genutzt und sie habe sich im Labyrinth der Bürokratie völlig verloren gefühlt.

Nach einem Krankenhausaufenthalt sei ihre Oma gegen den Willen der Familie wieder ins Pflegeheim gebracht worden. Ihr Plan sie zu Hause zu pflegen, blieb ungehört.

Bei ihrem letzten Besuch vor dem landesweiten Lockdown, der in Großbritannien seit Mittwoch wieder gilt, reichte es der gelernten Krankenschwester Ylenia Angeli offenbar. Kurzentschlossen fuhr sie ihre verwirrte alte Mutter im Rollstuhl aus dem Heim und packte sie in ihr Auto.

Die Polizei habe sich unter den gegebenen Umständen nicht anders verhalten könne, so die Familie. Das Pflegeheim hatte die Polizei eingeschaltet, weil sie die gesetzliche Verantwortung für die 97-Jährige haben und es nicht dulden wollte, daß die alte Dame von ihrer Tochter „entführt“ wurde. Das System müsse dringend reformiert werden. Angehörige müssten die Erlaubnis erhalten, in den Heimen  ihre Familienangehörigen mit versorgen zu dürfen. Die mutige Ylenia Angeli wurde kurz darauf wieder freigelassen. Ihr bleiben jetzt nur noch sogenannte Fenster- oder digitale Besuche, um ihre Mutter zu sehen. Besuche im Freien könnten wegen des schlechten Wetters nicht stattfinden. Das Pflegeheim will sich laut MailOnline zu dem Vorfall nicht äußern. (MS)