Der Corona-Impfstoff spaltet nicht – er zerstückelt die Gesellschaft

Impfstoff Corona (Bild: shutterstock.com/Von joel bubble ben)

Kaum kommt – zum „passenden“ Zeitpunkt, nachdem Donald Trump den Thron räumen musste – die frohe Kunde vom 90prozentig wirksamen Impfstoff in Umlauf und beflügelt nicht nur die Börse, sondern bringt so etwas wie Licht ans Ende des Tunnels – da geht schon das Gezeter darüber los, wer sich als erster den heiß ersehnten Schuss setzen darf. Im Kampf um die Corona-Vakzine geht es nur darum, wer die stärkste Lobby hat.

Und natürlich – wie sollte es im öffentlich-rechtlichen Deutschland anders sein – sind es ausgerechnet die Lehrer, die als erste vorpreschen: Nach dem Willen des Deutschen Philologenverbands sollen sie zuerst mit dem neuen Impfstoff gegen Corona geimpft werden – vor allen anderen. Denn: „Wenn die Schulen offen bleiben sollen, brauchen wir gesunde Lehrer, die Unterricht garantieren können“, so die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing gegenüber „Bild“. Lehrer gehörten zu der Berufsgruppe, die jeden Tag mit vielen Menschen auf engstem Raum zusammen seien.

Nun könnte ja manch einer einwenden, dass vielleicht zu allererst
Angehörige des Gesundheitssystems, oder Polizisten, oder Briefträger, oder Supermarktkassiererinnen, oder Hotelangestellte – allesamt auf ihre Weise ebenfalls „systemrelevant“ – in den Genuss des Impfstoffs kommen sollten. Da es, wofür sich auch Lin-Klitzing ausspricht, ja keine Impfpflicht geben soll, wird sich ohnehin nicht jeder Angehörige dieser Berufsgruppen impfen lassen. Da könnten sich die Lehrer auch ruhig einmal hintanstellen.

Derartige Gruppenegoismen sind das letzte, was die Gesellschaft in dieser Situation gebrauchen kann. Wenn die Verteilungskämpfe losgehen, ist die Solidargemeinschaft am Ende, noch bevor die Pandemie vorüber ist. Da nun einmal – ausgehungert durch die schikanöse Corona-Politik und dauerverunsichert durch ein Trommelfeuer der Panikmache – die meisten Menschen in diesem Land nach der Covid-Schutzimpfung lechzen und Merkel diese zum Unterpfand der Wiedererlangung zumindest einer gewissen „Freiheit“ erklärt hat, sollte schleunigst Klarheit darüber hergestellt werden, wie viele Dosen denn eigentlich wann zur Verfügung stehen – und wer diese erhält. Denn noch mehr Spaltung, wenn nicht gar Zerstückelung, tut diesem Land alles andere als gut. (DM)