Corona-Staatsversagen: Quarantäne und Regelungswut trotz Behördenchaos und falscher Zahlen

Bürger und Reiserückkehrer in Quarantäne (Foto:Imago/Xinhua)

In der Corona-Krise rächt sich, dass der öffentliche Dienst in Deutschland das größte Reservoir der Politikerrekrutierung darstellt: Menschen, deren Lebensplanung dem Motto Kreißsaal – Hörsaal – Plenarsaal folgt oder die unmittelbar nach der Schule im Staatsdienst landen, sind bei uns staatsbestimmend – ohne Erfahrungen im normalen Arbeitsleben, ohne Kenntnisse von Wertschöpfungsprozessen in der freien Wirtschaft und ohne die essenzielle Lebenserfahrung wirtschaftlicher Unwägbarkeiten. Jene, die aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden und somit krisenfest abgesichert sind, entscheiden in der Pandemie über das Schicksal jener, die das ganze Theater mit ihren Steuern bezahlen dürfen.

Kein Wunder, dass es bei solchen Zuständen im Blindflug zu einer Fehlerhäufung, Willkür-Exzessen und hochgradig widersprüchlichen oder unlogischen Entscheidungen kommt: Wenn die Verantwortlichen persönlich für ihr Versagen weder haften noch dessen Auswirkungen am eigenen Leib zu spüren bekommen, ist der Systemkollaps nur eine Frage der Zeit. Inzwischen setzt sich diese Erkenntnisse sogar im medialen Mainstream durch. „Der große Corona-Irrsinn“ titelte gestern „Bild“ – und zählte mehrere der groteskesten Fehlentwicklungen in der Corona-Politik auf, auf die die Freien Medien (auch und vor allem Jouwatch) seit Monaten hinweisen. Doch besser eine späte Einsicht als gar keine.

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Zu bunt wird es selbst tapferen Durchhalte-Journalisten, die bislang die Regierung in ihrem wirren Treiben deckten, angesichts nur noch schwachsinnig zu nennender bürokratischer Absurditäten, wie sie etwa im Bereich der Reiserückkehrer aus Risikogebieten gelten. Bis Sonntag konnten diese ihre Quarantäne-Pflicht noch durch einen negativen Test umgehen, sofern dieser spätestens 48 Stunden vor der Einreise durchgeführt wurde –  oder sich dann nach der Rückkehr „frei-testen“ lassen, wann immer sie wollten. Die jüngste Änderung der Bundes-Testverordnung erlaubt dies nicht mehr: Nun müssen Risiko-Rückkehrer bis zu zehn Tage lang in Isolation –  und dann ihre Einreise im Netz anmelden. Wollen sie sich durch einen Negativtest daraus befreien, so ist dies fortan erst nach fünf Tagen möglich.

Weggesperrt aus willkürlichstem Anlass

Noch buchstäblich „kranker“ sind die Neuregelungen zur Quarantäne bei allen, die zu Corona-Kranken Kontakt hatten: Wer einem Infizierten auf unter 1,50 Meter Abstand nahekam, muss 14 Tage in Quarantäne – die volle theoretische Inkubationszeit muss abgewartet werden, obwohl inzwischen 10 Tage als wahrscheinlichste Inkubationsdauer gilt. Der Oberhammer des Nonstop-Nonsens: Selbst jene betrifft diese Regel, die schon einmal infiziert waren und somit nun immun sind (zumindest temporär, Forscher gehen von bis zu drei Jahren aus).

„Bild“ äußert ferner sein vollkommenes Unverständnis über die widersprüchliche Entwicklung, dass die Bund und Länder zwar um jeden Preis die Schulen offenhalten wollen, dass viele Schulen jedoch bereits wieder auf Homeschooling umstellen – unter anderem, weil bundesweit schon wieder über 300 000 Schüler in Quarantäne sind – dies sind rund 3 Prozent aller Schüler; bei den Lehrern sind es 5 Prozent. Rund eine Versechfachung in nur sechs Wochen – wobei, wohlgemerkt, die Quarantänen stets nur Folgen von Positiv-Tests und die übergroße Zahl aller Betroffenen symptomfrei sind.

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Und wie es um die Digitalisierung und IT-Bewältigungskompetenz der Pandemie steht, da präsentieren sich die deutschen Gesundheitsbehörden – wenig überraschend – auf dem selben vorsintflutlichen technischen Stand wie viele andere Ämter: Keine einheitliche und taugliche Software, viele arbeiten „mit Listen, Excel-Tabellen oder selbst entwickelten Programmen“, so „Bild“. Und: Weil die Zahl der Corona-Infizierten immer weiter steigt, stoßen mehr und mehr Behörden an ihre Kapazitätsgrenze; die vertrauliche „Covid-19 Lage“ der Bundesregierung von gestern offenbart, dass jedes zehnte Gesundheitsamt schon jetzt überlastet ist oder demnächst sein wird.

Nicht nur, dass bei diesen Zuständen die vielgerühmte „Kontaktnachverfolgung“ zum Ding der Unmöglichkeit wird –  es sollen bei diesem Chaos auch noch die Zahlen monitoriert werden, die dann die Grundlage für weitreichendste politische Entscheidungen bilden. Dass sie – ganz abgesehen von der ohnehin bestehenden Aussagelosigkeit der PCR-Tests aufgrund von Testungenauigkeiten –  massiv fehlerhaft sind, ist da überhaupt kein Wunder. (DM)