Lehren aus Corona: Rettet ausgerechnet der Nationalismus die Menschheit?

Grenzen dicht - in Zeiten der Pandemie (Symbolbild:Imago/Simon)

Plötzlich sind Grenzen nicht mehr „sowas von Neunziger“, wie ein Grünen-Wahlslogan lautete, sondern wieder sexy und lebensrettend: In der Corona-Krise werden alle Werte auf den Kopf gestellt, für die die progressiv-postmodernde Politik der letzten 15 Jahre eingetreten ist. So begeistert die Linke plötzlich ihre Lust am autoritären Regierungen und staatlichen Bevormunden wiederentdeckt hat, so positiv wird plötzlich der Rückfall in den Nationalismus beklatscht: Außengrenzen dichtmachen, Reisen verbieten, isolieren.

In einem äußerst aufschlussreichen Statement zur weiteren Pandemiebekämpfung erhoffte sich Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery ausgerechnet vom designierten 46. US-Präsidenten das, woran sich vier Jahre lang ganz Europa zornerfüllt die Lippen fransig protestiert hatte: Isolationismus, Einigelung, Unilateralismus. Am besten soll niemand von und nach Amerika einreisen, dann wird alles gut. Die direkte Gefahr für Europa und Deutschland angesichts der hohen Zahlen in den USA sei verhältnismäßig gering, solange der internationale Reiseverkehr so eingeschränkt ist wie aktuell: „Das Virus reist schließlich mit dem Menschen„, so Montgomery in der „Rheinischen Post“.

Dass er außerdem hofft, Joe Biden möge die USA wieder in den Schoß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zurückführen, bekannte der Weltärztepräsident ebenfalls im Gespräch mit der „Rheinischen Post“. Es sei eine gemeinsame globale Herausforderung, die Corona-Pandemie einzudämmen, und „ein gutes Zeichen“, dass der neue US-Präsident das Thema als erstes angehen wolle. Ob Biden das Ruder jedoch noch herumreißen könne, sei schwer zu sagen. Seine Chance liege jetzt darin, die US-Amerikaner auf den Präventionsmodus einzuschwören – vor allem solange es noch keinen flächendeckenden Impfstoff gebe.

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Haben etwa die sonstigen penetranten Fürsprecher des Globalismus eingesehen, dass nur eigen- und nationalstaatliche Maßnahmen den Ländern und ihren Völkern wirklich helfen können, nicht jedoch zentralisierte, ferne Beschlüsse aus bürokratischen Schaltzentralen? Insofern ist das Plädoyer ausgerechnet für die WHO, der die Welt die Einstufung der Pandemie und die größte Hysterisierung der jüngeren Geschichte verdankt, eigentlich widersprüchlich. Die sinnvollsten Entscheidungen treffen immer noch die Staaten, ihren individuellen Erfordernissen angepasst, für sich alleine. Und dies gilt nicht nur für Corona. (DM)