Rasanter Arbeitsplatzschwund in Deutschland

Die Zukunft des Industriestandorts Deutschland (Foto: Imago)

Die jüngsten Berichte über geplante Massenverluste von Industriearbeitsplätzen bei Daimler und ThyssenKrupp sind nur die Spitze eines Eisbergs, an dem die materielle Existenzgrundlage von Millionen Menschen zu zerschellen droht oder schon gescheitert ist. Ganz im Gegensatz zum Thema Corona spielt diese Entwicklung in den konformistischen Medien nicht die Rolle, die ihren vielfältigen Folgen angemessen wäre.

Von Wolfgang Hübner

Umso verdienstvoller ist die Arbeit, die von Egon W. Kreutzer in seinem Blog „egon-w-kreutzer.de“ seit Jahren geleistet wird: Die umfassende Auflistung von realer und geplanter Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland. Seit dem 21. September 2019 hat der tapfere und verdienstvolle Einzelkämpfer mit ökonomischem Sachverstand nicht weniger als aktuell 1.051.813 weggefallene oder demnächst zum Wegfall bestimmte Arbeitsplätze registriert.

Kreutzer erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit, denn nicht jede Rationalisierung wird gemeldet oder erfolgt auch wirklich. Doch er schreibt: „Die übergeordnete Absicht besteht darin, einen Eindruck vom Ausmaß der momentan zu beobachtenden Umwälzungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu vermitteln.“

Es ist eine ernüchternde Liste des Schreckens, die auf Kreutzers Blog eingesehen werden kann. Denn es schwinden Unmassen an qualifizierten, gut bezahlten und deshalb existenzsichernden Arbeitsplätze wie Butter in der Sonne. Manchmal sind es tausende, oft hunderte, aber auch eine Vielzahl von nur wenigen Stellen, die für immer wegfallen. Und längst ist nicht abzusehen, welchen Kahlschlag die Viruskrise noch bringen wird.

Selbstverständlich entstehen auch neue Arbeitsplätze, Paket- und Essensdienste haben schließlich Konjunktur. Doch die Flut von Billigjobs und der deutsche Europarekord an prekären Arbeitsverhältnissen sind keine gute Grundlage für die Zukunft. Zwar gibt sich der Staat in der Corona-Not als überaus spendabel, um jeden sozialen Protest im Ansatz zu ersticken. Doch keiner der derzeit politisch Verantwortlichen hat auch nur die leiseste Ahnung, wer die bequeme Schuldenmacherei der Gegenwart künftig begleichen soll und wie das geschehen könnte.

In diesem Lichte sind die Pläne ratloser, jedoch zur Verteidigung ihrer Vermögensmilliarden und Privilegien zutiefst entschlossenen ‚Eliten‘ für den sogenannten „Great Reset“, also den ‚Großen Neuanfang‘, zu verstehen. Doch für diejenigen Lohnabhängigen, die ihre Arbeitsstelle verloren haben oder demnächst verlieren werden, ist im „Great Reset“, wenn überhaupt, bestenfalls ein demütigendes staatlich gewährtes, also von der Politik abhängiges Grundeinkommen vorgesehen. Was auch immer aus solchen Plänen werden mag: Es lohnt sich, regelmäßig bei Egon W. Kreutzer zu verfolgen, wie es tatsächlich in der deutschen Wirtschaft aussieht: Alles andere als gut.

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