Sinnloser Lockdown: Immer mehr Wissenschaftler fordern Strategiewechsel

Gefängnis (Symbolbild: shutterstock.com/Von sakhorn)

Obwohl es ein gänzliches Unding ist, sind bei den Beratungsrunden zwischen Bund und Ländern – und folglich auch wieder beim morgigen neuen Corona-Gipfel zwischen Merkel und Ministerpräsidenten – nach wie vor nur sorgsam vorgefilterte Experteneinschätzungen erwünscht und zugelassen, die dem Lockdown-Kurs der Regierung nach dem Mund reden. Dabei mehren sich inzwischen auch aus der Wissenschaft die kritischen Stimmen – und anders als im ersten Lockdown handelt es sich bei diesen nicht um Außenseitermeinungen, sondern um qualifizierte, gut belegte Erkenntnisse. Doch sie werden unterdrückt.

So etwa ein aktuelles Thesenpapier („Zur Notwendigkeit eines Strategiewechsels“), das unter anderem von Holger Pfaff, Professor für Medizinsoziologie an der Universität Köln, und interdisziplinären Mitautoren verfasst wurde und das, wissenschaftlich exzellent belegt, auf 49 Seiten „eine ernüchternde Analyse des bisherigen Pandemiegeschehens“ vorlegt, wie die „Welt“ schreibt, gefolgt von der Beschreibung eines Strategiewechsels und eines neuen Ansatzes. „Der wissenschaftlich fundierte Klartext fährt der deutschen Corona-Politik brutal in die Parade„, so die Zeitung.

Der November-Lockdown wird darin als sinnlos, opferintensiv und von zweifelhaftem Erfolg beschrieben – um nicht zu sagen, dass er glatt unwirksam ist. Das ungebrochene Ansteigen der Zahlen sei völlig typisch und logisch für eine „asymptomatische Infektionskrankheit, bei der viele Virusträger nichts von ihrer Infektion ahnen“, so der ebenfalls an der Arbeit maßgeblich beteiligte Medizinprofessor Matthias Schrappe. Zentrale Schlussfolgerung der Wissenschaftler: „Die Pandemie ist kein Geschehen mehr, das man mit Beschränkungen ausbremsen könnte„.

Wenn überhaupt irgendetwas zähle – und nur darauf müsste sich die Politik endlich beschränken – dann wäre dies der konsequentere Schutz von Risikogruppen – eine Priorität, die aufgrund des unspezifischen Lockdowns und des Maßnahmenziels, die Infektion überall einzudämmen und nachzuverfolgen (auch in Bevölkerungsgruppen, wo sie nachweislich praktisch ungefährlich ist!) bisher völlig vernachlässigt wurde. Dies sei, so die Autoren, „ein Spiel auf Leben und Tod“. Wenn – selbst bei einer völlig willkürlichen und generalisierenden Zählweise von „Corona-Toten“ – über 85 Prozent der Menschen, die am Virus sterben, älter als 69 Jahre sind, sei es mit Blick auf rund 850.000 in deutschen Pflegeeinrichtungen lebende Senioren ein Unding, diese vulnerablen Gruppen nicht viel stärker in den Mittelpunkt der Schutzbemühungen zu rücken und dafür der robusten Mehrheit eine Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen.

Strikter Vorrang des Risikogruppenschutzes

Zudem kritisiert Mitautor Pfaff die Kommunikation der Bundesregierung: „Sie beschwört eine Bedrohung à la Bergamo, aber die derzeitigen Zahlen aus deutschen Krankenhäusern können von den Menschen auch anders interpretiert werden. Viele gewinnen den Eindruck, dass die Mediziner immer besser mit den Folgen des Virus umgehen können. Je länger die Krise dauert, desto weniger verfangen solche Bedrohungsszenarien. So schwindet Vertrauen. Irgendwann hört kaum einer mehr hin„, zitiert die „Welt“ den Forscher. Zudem ergäben die täglichen Fallzahlen und die derzeit verwendeten Grenzwerte ein völliges Zerrbild; für politische Entscheidungen seien sie gänzlich untauglich: „Der Wert ,50 Fälle auf 100.000 Einwohner’ ist inhaltsleer„, so Schrappe.

Ganz ähnlich hatte sich Ende vergangener Woche der Top-Pathologe und Virologe Dr. Roger Hodkinson, ein angesehener Cambridge-Absolvent, gegenüber den Gesundheitsbehörden im kanadischen Bundesstaat Alberta geäußert. Während einer Zoom-Konferenz war dem Wissenschaftler, wie das Portal „zerohedge.com“ berichtet, der Kragen geplatzt: Er bezeichnete die gegenwärtige Corona-Krise als „den größten Schwindel, der jemals einer arglosen Bevölkerung zugemutet wurde“ und erklärte, Masken seien vollkommen nutzlos („there is no evidence base for their effectiveness whatsoever!„); sie dienten nur dem „virtue signalling„. Zudem kritisierte Hodkinson die aussagelosen und unverlässlichen PCR-Tests, auf deren Resultate gleichwohl das gesamte Pandemiegeschehen abgestellt werde – während die durch anlasslose Massentests ermittelten Positivresultate absolut nichts über reale Infektionen aussagten.

Wie wenig der Lockdown tatsächlich auch in Kanada bisher brachte – und hier sind die Ergebnisse ähnlich ernüchternd wie in Deutschland – zeigen die Statistiken (und wohlgemerkt gilt der verschärfte zweite Lockdown in Kanada bereits seit vier Wochen):

Quelle: Johns Hopkins University

Und bezogen auf das Mortalitätsrisiko erklärte der Experte, in der Provinz Alberta seit das Risiko für Menschen unter 65 Jahren, an Corona zu sterben, Eins zu 300.000 – und es sei empörend und hirnrissig, die gesamte Gesellschaft herunterzufahren für „eine weitere Erscheinungsform der Grippe„.

Durch keine noch so entschlossene staatliche Maßnahme lasse sich die Virusausbreitung stoppen – so wenig wie dies jemals bei anderen saisonalen Erkältungen möglich gewesen sei. Allenfalls könne man die gefährdeten Gruppen schützen, doch jeder Lockdown wäre sinnlos. „Es müsste morgen sofort alles enden!„, so Hodkinson. Eines ist gewiss – ob in Kanada oder in Deutschland: Auch diese Stimme wird ungehört verhallen. (DM)