Nächste Stufe der Totalüberwachung: Schufa will jetzt auch Kontoauszüge der Deutschen mitlesen

Kreditanfrage - nur bei hinreichendem Schufa-Scoring (Foto:Imago/Hettrich)

2020 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in der informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz in Deutschland endgültig zu Grabe getragen wurden. Die programmierte Angst hat alle Vorbehalte gegen die Überwachung von Aufenthaltsorten, Kontakten und Bewegungsprofilen weggewischt – und mit euphemistischen Neuschöpfungen wie „Datenspende“, „Corona-Warn-App“ und „Datenerfassung im Restaurant“, die den neuen Gleichmut des gläsernen Bürgers beschreiben, tritt die Totalkontrolle jetzt forsch in die nächste Phase ein.

Nachdem bereits alle Zeichen auf Abschaffung des nun auch für „unhygienisch“ erklärten Bargelds stehen und die Zahlungsströme der Deutschen zunehmend lückenlos nachverfolgbar gemacht werden, tritt nun auch die Datenkrake Schufa (steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung e.V.“auf den Plan – und will von der neuen Duldungsbereitschaft der Opferdeutschen in der Pandemie profitieren: Bisher kennt die wohl berüchtigtste Auskunftei zur Kreditwürdigkeit weder Einkommen noch Vermögen der Verbraucher, sondern nur ihre Zahlungsgewohnheiten. Wie „Bild“ berichtet, will die Schufa ab sofort jedoch auch Kontoauszüge der Deutschen mitlesen.

Außer den bislang verfügbaren Daten, die über die Abschlüsse von Kredit- oder Mietverträgen ebenso wie über Ratenkauf oder Fahrzeugleasing entscheiden, greift die Schufa ab sofort eine Datenbank zu, die gewissermaßen „dynamisch“ auf die Eintragungen reagiert: Nutzer mit negativen Score erhalten darin eine „zweite Chance“ und können trotz schlechter Bonität unter bestimmten Umständen ihren gewünschten Vertrag abschließen, wenn sie einwilligen, dass die Schufa „monatelang ihre Kontoauszüge durchstöbern darf„, so die Zeitung.

Erpressung wirtschaftlich in der Krise ruinierter Bürger

Eigentlich also eine glatte Erpressung – die jedoch gute Chancen hat, auf breite Zustimmung zu stoßen – aus zwei Gründen: Zum einen ist – wie bereits ausgeführt – die Gleichgültigkeit gegenüber Rundum-Überwachung der privaten Daten in dieser Pandemie riesig geworden; zum anderen aber sind immer mehr Deutsche als Folge der Pandemie pleite oder stehen wirtschaftlich dermaßen mit dem Rücken zur Wand, dass sie nach jedem rettenden Strohhalm greifen – und folglich, um auch nur einen Handyvertragzu erhalten, ihre Zustimmung zur Offenlegung ihrer Kontobewegungen geben werden.

Nun laufen die Verbraucherverbände und Fachjuristen Stürm: Weil der Kunde seine Einwilligung in die fragwürdige Neuregelung lediglich durch ein angeklicktes Häkchen auf der Schufa-Website unter einem langen Text von kleingedruckten Floskeln erteilen muss, besteht die Gefahr, dass vielen Bürgern die Tragweite gar nicht bewusst ist: „Sollte die Schufa irgendwann negativ bewerten, wenn Kunden die Kontoeinsicht verweigern, wäre die Einwilligung faktisch nicht mehr freiwillig“, stellt deshalb Gert Wagner in „Bild“ klar, der beim Justizministerium als Mitglied im Sachverständigenrat für Verbraucherfragen die Gebaren der Schufa seit langem kennt. Tatsache ist jedoch: Solange die Regierung einen so brachialen Generalzugriff auf vertrauliche Informationen der Bürger praktiziert wie seit diesem Jahr, muss sich niemand wundern, dass dies Begehrlichkeiten auch bei Beraterfirmen, Wirtschaftskanzleien und Auskunfteien weckt. (DM)