„Oberfixer“ Lauterbach will Deutsche in Rekordzeit durchimpfen lassen

Vor der Imfpung oder nach der Impfung? (Foto: Von Gleb Sibilev/Shutterstock

Da hat es aber einer sehr eilig. Der wohl kompetenteste Gesundheitsexperte der Republik, seit Adam und Eva sich gegenseitig angehustet haben, Karl Lauterbach, will ohne Rücksicht auf „menschliche“ Verluste die Bürger so schnell wie möglich durchimpfen lassen. Deutschland soll wohl zum Volk der Fixer werden.

Nach der Zulassung des Biontech-Impfstoffs in Großbritannien fordert der SPD-Heini eine beschleunigte Corona-Impfung auch in Deutschland. Die Bevölkerung müsse „in Rekordzeit“ geimpft werden, sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). „Wenn wir genügend Impfstoff bekommen, muss es uns gelingen, innerhalb weniger Monate jeden impfbereiten Deutschen gegen das Coronavirus zu impfen.“

Lauterbach äußerte die Erwartung, dass die Impfstoffe von Biontech und Moderna „sehr schnell auch in Deutschland zugelassen werden – etwa per vorläufiger oder eingeschränkter Zulassung“. Diese beiden Impfstoffe sind nach seiner Einschätzung „absolut zulassungswürdig“. Lauterbach weiter: „Wir sollten da keine Zeit verlieren, auch wenn andere EU-Staaten noch nicht so weit sind.“

Na, wenn das der Experte Lauterbach sagt, dann kann ja auch nichts schief gehen. Vielleicht hat er sich ja auch selbst freiwillig als Versuchskaninchen zur Verfügung gestellt – was eigentlich alles erklären würde.

Die Vakzine von Biontech und Moderna reichten allerdings nicht aus, schränkte der Mediziner ein. „Mit den Mengen, die wir uns über die EU gesichert haben, können wir in Deutschland nur schätzungsweise 26 Millionen Menschen impfen“, sagte er. Der Rest müsste von Astrazeneca und anderen Impfstoffherstellern abgedeckt werden.

Auch der Astrazeneca-Impfstoff werde voraussichtlich bald die Zulassung bekommen. „Wir müssen auf jeden Fall in der Lage sein, den Impfstoff, den wir bekommen, sofort zu verimpfen“, forderte Lauterbach.

Auch sonst ist in der Impf-Szene die Hölle los:

Der Deutsche Hausärzteverband hat Länder und Kommunen aufgefordert, für eine angemessene Bezahlung derjenigen Mediziner zu sorgen, die freiwillig in Corona-Impfzentren oder mobilen Impfteams helfen. „Der hohe Aufwand, den die Massenimpfungen mit sich bringen werden, muss sowohl für die impfenden Ärztinnen und Ärzte als auch für ihre Mitarbeitenden fair vergütet werden“, sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Ulrich Weigeldt, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben). „Die Personalfrage ist für eine möglichst reibungslose Durchführung der Impfungen insbesondere in der ersten Impfphase natürlich entscheidend“, sagte er.

Viele Hausärzte sowie ihre Medizinischen Fachangestellten (MFA) hätten sich bereits sehr früh freiwillig dazu bereit erklärt, Impfungen in den Zentren oder den mobilen Teams durchzuführen – und das trotz der aktuell sehr hohen Arbeitsbelastung in vielen Hausarztpraxen, fügte Weigeldt hinzu. Er mahnte, der Einsatz müsse stets freiwillig sein. „Kein Hausarzt und auch keine MFA sollten zur Arbeit in den Impfzentren unfreiwillig verpflichtet werden“, so der Verbandschef.

Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), kritisiert das Bundesgesundheitsministerium. „Ich habe jetzt erfahren, dass die Verordnung zur Priorisierung des Gesundheitsministeriums erst im 1. Quartal 2021 kommen wird. Das ist natürlich zu spät“, sagte sie im ARD-Mittagsmagazin.

Die Entscheidung, wer zuerst geimpft werden soll, wenn ein Covid-19-Impfstoff in Deutschland zugelassen ist, „muss natürlich vor dem Impfstoff kommen“. Denn „wir wissen, dass der Impfstoff, der kommen wird, nicht für alle gleichermaßen reichen wird“. Deshalb brauche man tatsächlich eine Priorisierung.

Die Länder würden sich aber schon jetzt „ohne diese Priorisierung vorbereiten“, so Kalayci. „Ich kann Ihnen sagen, wie wir uns in Berlin vorbereiten: Wir haben sechs Impfzentren vorbereitet, dort können wir alle über 75-jährigen Menschen einladen.“ Man wolle die Menschen in den Pflegeheimen über mobile Impfteams impfen, sodass sie nicht in die Impfzentren müssten.

„Und selbstverständlich haben wir auch schon vorbereitet, dass das Krankenhauspersonal, aber auch das Personal rund um Altenpflege, zügig geimpft werden kann. Problematisch ist noch die große Gruppe mit Vorerkrankungen, es gibt keine Definition, welche Gruppe gemeint ist mit `Menschen mit Grunderkrankungen`.“ Das wäre noch zu klären und die anderen Bereiche kämen danach, so die SPD-Politikerin.