Verglühte Restfreiheit: Glühweintrinken wird zum asozialen Verbrechen

Ein No-Go für Lauterbach & Co.: Glühwein 2020 (Foto:Imago/Eibner)

Die moralische Erpressung und Kujonierung der Bevölkerung erreicht vor Weihnachten eine bislang ungekannte Dimension. Dass es 2020 keine Weihnachtsmärkte, kein vorweihnachtliches Gesellschaftsleben, keine Adventsfeiern, keine Weihnachtskonzerte, keine gemeinsamen Einkaufsbummel und aller Voraussicht nach auch keine größere Familienzusammentreffen zur Bescherung geben darf, genügt den Wahnsinnigen nicht, die über unser Schicksal und Leben entscheiden zu dürfen meinen: Jetzt wird auch noch der Glühwein – als Symbol der Restfreiheit – verteufelt.

Zusammenkünfte im Freien werden mittlerweile wie Zusammenrottungen behandelt und kriminalisiert. Nicht einmal ein loses Zusammenstehen in Gruppen, um gemeinsam bei kalten Temperaturen einen heißen Glühwein zu trinken, ist mehr gestattet. Viele ums Überleben kämpfenden Gastronomen haben sich daher Ausweichkonzepte einfallen lassen und bieten Glühwein-to-go für gemeinsame Spaziergänge und Wanderungen an. In Stuttgart schloss sich sogar die offizielle Touristikinformation der Stadt der Idee an und bot „Adventliche Glühweinwanderungen“ für 39 Euro aufwärts an. Die Idee: mit gebührendem Abstand zueinander gehen die Menschen während des Glühweingenusses, verharren also nicht auflagenwidrig an einem Ort. In anderen Städten gab es ähnliche Aktionen, als Hafenspaziergang oder Wanderung durch Weinberge.

Weil es nun jedoch mancherorts zu Verstößen dergestalt kam, dass aus dem Spaziergang eine Art Stehparty wurde, sah sich der Corona-Staat prompt zum konsequenten Eingreifen genötigt (etwas, das man bei den jüngsten Clan-Beerdigungen und allabendlichen Zusammentreffen der Event- und Partyszene an öffentlichen Plätzen vergeblich sucht): So löste die Polizei etwa vorgestern in Heidelberg eine dieser Zusammenkünfte auf, wo sich rund 200 Menschen wegen eines von vier Gaststätten organisierten Glühweinspaziergangs getroffen hatten, dann aber schon nach wenigen Metern in Gruppen auf der Straße stehengeblieben waren, „statt zu spazieren“, wie die Polizei laut „Stuttgarter Nachrichten“ erbost bemängelte. Die „Versammlung“ wurde aufgelöst und Bußgeldverfahren eingeleitet.

Schuldkult wie im Mittelalter

Soweit sind wir also schon gekommen, dass Menschen, die verzweifelt nach ein wenig Restnormalität, Weihnachtsstimmung und Geselligkeit lechzen, wie Verbrecher behandelt werden. Wegen eines gemeinsamen Umtrunks unter freiem Himmel – und unter weitaus geringeren Risiken, als sie täglich auf der Arbeit (und dem Weg dorthin) ausgesetzt sind, was seitens der Behörden toleriert und sogar erwünscht ist: Denn wenn es darum geht, die rudimentäre Wirtschaft im Notbetrieb laufen zu lassen und Steuern für den Corona-Staat zu erwirtschaften, sind Ansteckungsrisiken vertretbar. Doch was immer mit Freiheit, Freiheit, seelischer und körperlicher Regeneration zu tun hat, das ist des Todes.

Kein Wunder, dass nun – und es ist war gerade erst der 2. Advent! – die „Ersatzweihnachtsmärkte“ mitsamt spontanem oder improvisiertem Glühweintrinken als neue Superspreader-Events identifiziert werden. Es ist das neue Betätigungsfeld, die nächste Spielwiese für ambitiöse Coronazis, die es nicht abwarten können, auch hier sogleich mit der Verbotskeule reinzuschlagen. Ganz vorne mit dabei: Corona-Grinch Karl Lauterbach, der sich neuerdings persönlich auf Kontrolltour im persönlichen Wohnumfeld begibt, um den Gesundheitsblockwart raushängen zu lassen: So berichtete das Pandemie-Alarmismusportal „Focus“ begeistert über „Streifzüge“, auf die sich Lauterbach in Köln-Veedel begeben habe: „Gesundheitsexperte Lauterbach knöpft sich Glühwein-Stände vor!“. Auch die bereits erwähnten Glühwein-Wanderungen sind ihm dabei natürlich ein Dorn im Auge.

(Screenshot:Twitter)

Es geht hierbei schon längst nicht mehr um den angeblichen Infektionsschutz – sondern um die Versuche eines inzwischen weitverbreiteten Corona-Jakobinertums, das seine Lust am Regulieren, Verbieten und Miesmachen auf die Spitze treibt und eine perverse Genugtuung empfindet, sich selbst moralisch zu erhöhen, indem man den Mitmenschen ein schlechtes Gewissen einredet. Es hat etwas von puritanischer Intoleranz, wie sie auch schon die Temperenzler in den USA zeigten, als sie dort die Alkoholprohibition durchsetzten, oder wie sie bibeltreue Christen bei der Verpönung vorehelicher Sexualkontakte an den Tag legen. Das Virus ist hier nur die Drohkulisse – und ob nun mit der göttlichen Verdammnis, dem Fegefeuer oder mit der Intensivstation gedroht wird, der Effekt ist der gleiche.

So wird durch Gruppenzwang und geschürte Komplexe an „Eigenverantwortung“ appelliert, das „neben staatlichem Handeln“ weiterhin unverzichtbar sei, wie das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ schreibt. Dort steht dann auch ernsthaft zu lesen: „Es kann nicht sein, dass die einen gesellig am Glühweinstand zusammenkommen und die anderen auf den Intensivstationen alles geben, um Menschenleben zu retten.“ Hier wird die Spaltung und Züchtigung der Bevölkerung dann auf die Spitze pervertiert.

Spaltung im Exzess

In Bayern, wo seit gestern im Zuge eines historisch beispiellosen Falls von politischen Alarm-Missbrauch – der „Katastrophenfall“ ausgerufen wurde, hat Corona-Söder bereits ein komplettes öffentliches Alkoholverbot ausgerufen – bekanntlich, weil „alle 4 Minuten ein Mensch in Deutschland stirbt“. Diese Politik markiert dann die nächste Stufe der totalitären Disziplinierung und ist die Blaupause für heute noch gar nicht vorstellbare Freiheitseinschränkungen, mit denen wir in Zukunft dann womöglich auch rechnen dürfen – vorausgesetzt, es wird wie diesem Virus die passende Psychose geschürt: Kein Autofahren mehr, weil es alle 11 Sekunden einen Verkehrsunfall gibt? Kein Fleischverkauf mehr, weil jährlich 75.000 Krebstote auf übermäßigen Fleischkonsum zurückgehen? Ausgangssperren, weil die Feinstaubbelastung Grenzwerte übersteigt? Corona ist hier erst der Anfang.

Dass es keine Weinfeste, keine Oktoberfeste, keine Stadtfeste, keine Kirmesse und Kerwen dieses Jahr gab, haben die Menschen ja noch akzeptiert. Auch dass keine Weihnachtsmärkte stattfinden dürfen, war angesichts des – zwar sinnlosen, aber dennoch geschluckten – Lockdowns verkraftbar. Wenn nun aber die harmlosen und geradezu verzweifelten Versuche niedergeknüppelt werden, sich zumindest ein wenig Erleichterung bei einer Tasse Glühwein im Freien zu verschaffen, hört der Spaß endgültig auf. Dass hier irgendein Ansteckungsrisiko besteht, ist noch weniger realistisch als im Fall der Gastronomie, die ebenfalls nachweislich grundlos dichtgemacht wurde.

Die Menschen haben zu allen Zeiten – selbst im Krieg – ihren „Tropfen“ gebraucht, und immer schon haben sie Glühwein getrunken, ob nun irgendwo auf der Welt Katastrophenalarm herrschte oder nicht. Gerade beim moderaten, gesellschaftlich und traditionell verwurzelten Alkoholkonsum in der Weihnachtszeit einen Schuldkult aufzubauen, ist dabei brandgefährlich – denn so wird die Frustration auf die Spitze getrieben. Folgenlos wird diese Politik und die zugehörige Medienindoktrination nicht bleiben. (DM)