Die ach so toleranten Berliner: Spandau will Auftrittsverbot für Xavier Naidoo

Xavier Naidoo (Foto:Imago/Caliskan)

Das freieste Deutschland aller Zeiten lässt grüßen: Im August des nächsten Jahres ist im Berliner Stadtteil Spandau ein Konzert mit Xavier Naidoo, Deutschlands erfolgreichstem Soul- und R&B-Sänger, geplant. CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Haß – nomen est omen? – lässt bei der Bezirksverordnetenversammlung anfragen, ob Spandau nun „Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern den roten Teppich“ auslege. Vielleicht muss die Frage, ob SPD-Funktionäre mündigen Bürgern vorschreiben dürfen, zu wessen Konzerten sie gehen oder nicht, ja gar nicht beantworten werden, weil „Haß“ und Co. Mr. Conona zu Hilfe kommt, um das „Problem Naidoo“ zu lösen? 

Zu den wesentlichen Bauwerken des rot-schwarz regierten Stadtteils Spandau gehört die Zitadelle. In dieser im 16. Jahrhundert erbauten ehemaligen Festung, die nun als Veranstaltungsort genutzt wird, hat sich für den kommenden August im Rahmen des Citadel Music Festivals der erfolgreichste Soul- und R&B-Sänger Deutschlands angekündigt. Weil Xavier Naidoo Ansichten vertritt, die von den Mainsteammedien eben so wenig geliebt werden wie von Meinungsregulierern aus der Gutmenschen- und Altparteienlandschaft, hat Genosse Fraktionsvorsitzender Christian Haß in der Bezirksverordnetenversammlung am vergangenen Mittwoch via Großer Anfrage wissen wollen, ob Spandau nun „Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern den roten Teppich“ auslege. Haß, der sich auf der Spandauer SPD-Internetseite tatsächlich mit dem Motto „Den Menschen in allen Lebenslagen helfen“ präsentiert, glaubt, mutmaßlich diesen Menschen auch vorschreiben zu können, welchen Musiker sie sich antun dürfen und welchen eben nicht mehr.

CDU-Kulturstadtrat Gerhard Hanke tat gegenüber der B.Z. kund, dass die Fläche für drei Monate an die Veranstaltungsagentur Trinity Music GmbH vermietet sei. Außerdem wolle er ja keine Zensur, so Hanke, um in perfider Art und Weise dann doch hinterher zu schieben, dass er auf „das Fingerspritzengefühl des Veranstalters vertraue“. Für ein Verbot gebe es – angesicht der immer totalitärer werden Zustände in Deutschland – „noch“ keine Rechtsgrundlage. Und überhaupt sei ja nicht klar, ob aufgrund der Corona-Lage das Festival überhaupt stattfinde.

Der Termin des Citadel Music Festival wurde von letztes Jahr August auf den 1. August 2021 – also in rund 8 Monaten – verschoben. Vielleicht erledigt ja Mr. Corona die „Angelegenheit“ Xavier Naidoo. (SB)

Xavier Naidoo am 06.12.2020 mit Team Heimat im Interview: