Schützt die Grippeimpfung auch vor Corona? Das RKI gibt sich wieder mal ahnungslos

Influenza-(Grippe-)Schutzimpfung (Foto:Imago/Ukrinform)

Nachdem dies vom Gesundheitsministerium und vom Robert-Koch-Institut bis zuletzt immer wieder verneint wurde, mehren sich nun die Hinweise darauf, dass die normale Grippe-Schutzimpfung sehr wohl auch vor Corona schützen könnte. Der Grund sind sogenannte Kreuz-Immunitäten – über die im Falle von Sars-CoV2 schon zu Beginn der Pandemie spekuliert wurde, weil die Jahr für Jahr neu „abgemischte“ Grippe-Impfung neben Influenza-Stämmen auch Viren der Corona-Familie abdeckte. Braucht man also womöglich gar keinen hochriskanten neuartigen mRNA-Experimental-Impfstoff?

Das RKI stellt sich selbstverständlich gänzlich unwissend – welch Wunder, will man doch die mit Millionen und Milliarden seit Frühjahr von der Politik geförderten und weltweit gehypten Corona-Impfungen nicht noch weiter in Frage stellen, nachdem sie zuletzt wegen unabsehbarer Nebenwirkungen bereits massiv in Verruf gekommen waren. Auf Presseanfrage von JouWatch teilte das RKI gestern mit, ihm seien „keine belastbaren Daten dazu bekannt, dass eine Grippeschutzimpfung auch vor Corona schützen könnte.“ Erstaunlich – die oberste nationale Gesundheitsbehörde hat also keine Ahnung zu dieser wichtigen Frage? Ausgerechnet das RKI, das in täglichen seitenlangen Bulletins und Statistiken Datenmaterial bis ins Detail aufbereitet, um die Corona-Pandemie dramatisch zu unterfüttern (ohne dabei je auf die wirklich interessanten Fragen einzugehen und etwa Vergleichszahlen von vor der Pandemie zur Relativierung und Einordnung gegenüberzustellen, was Intensivbettenbelegung, wegen Atemwegserkrankungen Beatmete oder Verstorbene der Vorjahre anlangt)?

Den Grund für diesen offenkundigen blinden Fleck nennt die Pressestelle immerhin – doch der wirft gleich die nächsten Fragen auf: „Der (Grippe)Impfstatus von Krankenhauspatienten ist uns nicht bekannt. Derzeit zirkuliert aber kaum Influenza, es gibt nur wenige Fälle, für die Jahreszeit auch durchaus normal.“ Wie bitte – der Impfstatus von hospitalisierten Patienten, vor allem Intensivpatienten ist „nicht bekannt“? Jeder, der schon einmal im Krankenhaus stationär behandelt wurde, weiß wohl, dass er nach bestehenden Erkrankungen, regelmäßig eingenommenen Medikamenten und vorhandenen Impfungen gefragt wird – routinemäßig eigentlich immer, doch vor allem in der Corona-Krise wäre die Erfassung solcher Informationen wohl ebenso naheliegend wie zweckmäßig, zum adäquaten Umgang mit einem Virus, von dem ja ständig betont wird, dass man über es noch nicht genug wisse und noch „täglich dazulerne“. Vor allem dann, wenn jemand mit Grippesymptomen oder respiratorischen Ausfallerscheinungen eingeliefert wird – eben gerade die klassischen uns medial vermittelten Covid-Intensivpatienten – müsste zur Differentialdiagnose einer Grippe wohl auf jeden Fall ein diesbezüglicher etwaiger Impfschutz abgefragt werden.

Blindflug der nationalen Gesundheitsbehörde

Wie kann es also sein, dass ein lückenloses Gesundheitsmonitoring ausgerechnet bei der wichtigen Ermittlung einer möglichen (Teil-)Immunisierung durch die Grippeimpfung ausbleibt? Gerade weil – wie das RKI ja hier selbst einräumt und täglich auf seinen Statistiken darlegt – die Influenza kaum eine Rolle mehr spielt (und in Wahrheit sogar mysteriöserweise seit Frühjahr 2020 fast ausgestorben ist, übrigens erstmals in der Medizingeschichte überhaupt), wäre die Untersuchung JEDES denkbaren Zusammenhangs mit Corona wohl das Naheliegendste der Welt: Die Hypothese ist durchaus nicht von der Hand zu weisen, dass es sich bei der gegenwärtigen Corona-Welle in Wahrheit um das jahreszeitliche winterliche Erkältungsgeschehen handelt und um Corona damit gewissermaßen um die phänotypische Manifestation der diesjährigen „saisonalen Grippe“, diesmal eben durch einen Vertreter der Corona- statt der Influenza-Viren.

Das RKI teilt in der Beantwortung unserer Presseanfrage ferner mit, eine Immunisierung durch die Grippeimpfung gegen Corona sei „jedenfalls nicht plausibel„, weil Impfungen „üblicherweise sehr spezifisch“ wirkten. Dem widersprechen allerdings neueste Daten, über die die „Welt“ gestern ausführlich berichtete. So ist der Effekt der „trainierten Immunität“ womöglich durchaus in der Lage, gegen Influenza geimpfte Personen auch gegen eine Sars-CoV2-Infektion zu schützen: Darunter wird verstanden, dass eine Impfung die Körperabwehr so sehr stärkt, dass der Geimpfte auch gegen andere Krankheiten geschützt ist. Zwar sei dieser bisher nur bei speziellen Impfungen beobachtet worden – doch nun zeigten, so die Zeitung, neue Erhebungen, dass die Grippeimpfung durchaus auch vor einer Corona-Infektion schützen könnte.

Vielversprechende Studie widerspricht RKI-Einschätzung

Darauf verweist eine eine Studie von Forschern um den Mediziner Mihai Netea vom Radboud University Medical Center, der diesen Kreuzeffekt der Grippeimpfung auf Covid-19 impliziert. Noch ist die Untersuchung zwar noch nicht im Peer-Review (also von Fachkollegen) begutachtet worden, doch methodisch ist sie auf einer breiten Datenbasis und wissenschaftlich seriös analysiert: Es wurden etwa 10.600 Mitarbeiter des medizinischen Zentrums der Radboud Universität untersucht, 184 der Mitarbeiter hatten sich mit Sars-CoV-2 angesteckt; laut „Welt“ waren 2,23 Prozent der Infizierten gegen Influenza ungeimpfte Mitarbeiter, in der Kontrollgruppe mit Grippeimpfung waren es hingegen nur 1,33 Prozent. Zwar kein direkter Nachweis, aber ein starker Hinweis auf einen Schutzeffekt. Anscheinend hat man beim RKI von alldem nichts gehört – oder will davon nichts wissen.

Doch auch wenn die Grippeimpfung nicht vor Covid-19 schützen sollte, scheint klar: Der Benefit ist in jedem Fall gegeben, weil sie vor schweren Grippeverläufen bewahrt – die in diesen Tagen womöglich nicht selten als Coronafälle diagnostiziert werden (wenn etwa ein PCR-Test positiv ausfällt, obwohl das Coronavirus gar nicht krankheitsursächlich ist). Vor allem für Risikopatienten ist sie damit jedenfalls empfehlenswert – und sicherer als die im Eilverfahren durchgeboxten neuen Corona-Vakzine, über deren Schadfolgen – gerade für vulnerable Gruppen –  in Wahrheit noch so gut wie nichts bekannt ist. (DM)