„Bild“-Wagner – Ein Schlauch, aus dem die Luft entweicht

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Franz Josef Wagner, der Mann fürs Gefühl bei der „BILD“ – und eine Institution für sich, hat wieder eine Kolumne rausgehauen, daß selbst die Eier im Kühlschrank Risse bekommen: „Post von Wagner“. Er kommentiert die über alle Maßen aufwühlende Rede der Bundeskanzlerin im Bundestag. Sie hatte dort ein bühnenreifes Gefühlsstück abgeliefert, um zu begründen, warum „wir“ unbedingt ihre braven Coronakinder sein müssen. Post an Wagner.

von Max Erdinger

Franz Josef Wagner ist zwar nicht mehr der Allerjüngste, aber er kann noch viel aushalten, was für einen gestählten Körper und einen robusten Geist spricht. Die Bundeskanzlerin ist ihm nicht hart genug. Er hätte sie lieber pickelhart, wie seinem offenen Brief zu entnehmen ist.

„Liebe emotionale Kanzlerin!

Sie haben mich enttäuscht. Sie wirkten wie eine verzweifelte Mutter über ihre ungezogenen Kinder. Ich hätte mir gewünscht, dass Sie in schärfster Befehlsform im Bundestag auftreten.

Gefühliges, Emotionales ist in unserer Schicksalszeit nicht angebracht. Wir brauchen eine klare Sprache. Was wir nicht brauchen: dass die Politik sich ständig korrigiert. Was wir nicht brauchen, ist eine Kanzlerin, die fleht, die bettelt. Wir brauchen zurzeit nicht das Herz von Angela Merkel, wir brauchen ihren Verstand.

Frau Merkel, sagen Sie endlich laut, dass Sie für den totalen Lockdown sind. Dass Schulen geschlossen werden, dass Läden geschlossen werden. Verwandte nicht mehr zu ihren Sterbenden gelassen werden.

Frau Merkel, sagen Sie endlich die Wahrheit.

Ein Bundeskanzler ist in unserer Vorstellung eine Art Eiche. Sie sind für mich eine Weide, die weint.

Herzlichst

Ihr

F. J. Wagner“

Hier nun die Post an Wagner. Vom jouwatch-Experten aus dem Ressort Stift & Trauerweide.

Lieber gestrenger Franz Josef Wagner!

Sie haben mich wieder einmal nicht enttäuscht. Sie wirkten nämlich nur ein klein wenig wie jener zornige Patriarch, welcher der flehend vor ihm knieenden Mutter seiner verpeilten Kinder die Leviten liest. Das war ein bißchen dürftig. Ich hätte mir gewünscht, daß Sie sich dabei besser verstellt hätten.

Mangelhaftes, Unwahrhaftes ist in unserer Zeit einfach nicht mehr der letzte Chique. Sie brauchen eine andere Sprache. Was Sie nicht brauchen: Eine Politik, die Sie ständig korrigiert.

Wir brauchen zurzeit nicht Ihre herzige Härtekolumne, sondern unseren Verstand. Woher sollten wir Ihren auch nehmen?

Sagen Sie der Frau Merkel deutlich, daß Sie bei Ihrer Beerdigung niemanden sehen möchten. Wegen der Pandemie in Ihrem Kopf.

Sagen Sie ihr endlich die Wahrheit.

In meiner Vorstellung sollten Sie eine Art Schlachtschiff sein. Doch für mich sind Sie ein Schlauchboot, aus dem die Luft entweicht.

Herzlichst

Ihr

Max Erdinger