Leidet Lauterbach an Spanischer Hirngrippe? Wirre Vergleiche bei „Markus Lanz“

Karl Lauterbach (Foto:TropenVerlag/SPDPresse)
Wieder mal im ZDF, bei „Markus Lanz“, äußerte gestern Abend SPD-Gesundheitszumutung Karl Lauterbach Wirres und Haarsträubendes zur Pandemie – und begründete den aus seiner Sicht sofort nötigen und möglichst unbefristeten Total-Lockdown. Welche Überraschung! Der nervtötende Panikmacher – der vermutlich direkt neben den Studioräumen eine Zweitwohnung unterhält, damit er zwischen seinen Dauerauftritten nicht immer nach Hause pendeln muss – übertraf sich einmal mehr selbst.
Bei seiner Analyse der Infektionsdynamik in der „zweiten Welle“ zog Lauterbach, mit todernster Miene, absurde Vergleiche zur Spanischen Grippe – und erntete dafür bedächtiges und zustimmendes Nicken in der Runde, unter anderem von Medizin-Ethikerin Alena Buyx, Journalist Heiner Bremer, Pleitier Thomas Middelhoff sowie vom zugeschalteten Berliner Regierenden Bürgermeister und SPD-Parteifreund Michael Müller . Man fragt sich inzwischen nur noch: Wie kann es eigentlich sein, dass solche verantwortungslosen Spinner aufdringlicher denn je die öffentliche Debatte dominieren können – und pausenlos ihre Fürchtemacherei in den Äther blasen dürfen? In welche Psychose haben sich die Deutschen und ihre Medien da hineingesteigert?
Um den Job der „Faktenchecker“ vorwegzunehmen, die sich bei solchen regierungstreuen Märchenerzählungen natürlich vornehm zurückhalten: Die Spanische Grippe in der Schlussphase des Ersten Weltkriegs und den Folgejahren forderte – bei weniger als einem Viertel der heutigen Weltbevölkerung (knapp 1,8 Milliarden) – zwischen 40 und 50 Millionen Tote, wobei damals, aufgrund fehlenden oder unterentwickelten Gesundheitsmonitorings, eine riesige Zahl realer Opfer gar nicht mitgezählt wurde (und selbstverständlich auch keine „an und mit“ Verstorbenen, zu denen bei Corona alle umdeklariert werden, die das Virus kurz vor der letzten Ölung aus 200 Metern gesehen haben). Alleine in den USA lag die Exzessmortalität 1918-1920 wegen der Spanischen Grippe bei 63 Prozent. Deren Opfer verteilten sich quer über alle Bevölkerungs- und Altersgruppen. Hochgerechnet auf die heutige Weltbevölkerung entspräche ihre Zahl vermutlich 300-400 Millionen Toten – also zehnmal mehr, als es bei Corona bislang überhaupt nur Infizierte (einschließlich künstlich herbeigetesteter Fälle) gab.
Jede Verhältnismäßigkeit ad absurdum geführt
DAS war eine Pandemie. Zum veranschaulichenden Vergleich hierzu erklärte RKI-Cheftierarzt Lothar Wieler gestern früh: 13.000 der bisher knapp 20.000 sogenannten Covid-Toten (immer „an und mit“, wohlgemerkt) in Deutschland waren über 80 Jahre alt. Schon seit längerem steht zudem fest: Eine Übersterblichkeit ist nicht gegeben – nicht einmal in den angeblich von Leichen gepflasterten Trump-USA. Die hochemotionale Fixierung auf dramatische Einzelfälle ohne jede „Einordnung“, etwas, das wir ansonsten aus gutem Grund unterlassen: sie hat uns kollektiv den Verstand vernebelt. Wir dürften in kein Auto oder Flugzeug mehr einsteigen und das Haus nicht mehr verlassen, kein Medikament mehr schlucken und kein Glas Wein mehr trinken, wenn andere Risikoprävalenzen derart missinterpretiert würden wie bei diesem Virus.
2020 ist anscheinend das Jahr der Erkenntnis, dass Menschen sterblich sind, und dass für Alte und Vorerkrankte doch tatsächlich ein erhöhtes Verlaufsrisiko bei Krankheiten – übrigens bei ausnahmslos allen – besteht. Aber ein täglich Vielfaches an Krebs-, Infarkt-, Grippe-, Unfall- oder Hitze-/Kältetoten schert uns nicht weiter. Nur Corona interessiert noch – als schicksalhafte Chiffre einer Vergänglichkeit, der wir uns entgegenstemmen, indem wir unser gewohntes Leben immer weiter veröden und vernichten. (DM)