Härter, schneller, weiter: Die größten Versager sperren uns mal wieder ein

Bald wieder Lockdown und kein Ende? (Foto:Imago)

Die Einfallslosigkeit und Plattheit der Scheinargumente, mit denen die Bundesregierung auf die durch ihre nichtvorhandene Teststrategie ermittelten „Neuinfizierten“ reagierte, wäre schon schlimm genug, wenn sie keine Auswirkungen aufs Leben der Menschen hätten. Dass damit aber nun ein noch härterer Lockdown als im Frühjahr begründet wird, ist eine verfassungswidrige Anmaßung – und eine bodenlose Frechheit.

Ahnungslos, unfähig, verantwortungslos: Nicht nur immer nachhaltiger in die Pleite getriebene Selbständige, Künstler und Vertreter stillgelegter Branchen können ein Lied davon singen, welche Flaschen uns regieren. Nichts von dem, was gestern galt, hat heute noch Bestand – doch es wird brav geschluckt. Und da die Gerichte bereits vor dem kommenden „harten Lockdown“ so gut wie aufgehört haben zu urteilen und inzwischen selbst Eilanträge immer öfter keine Chance auf Entscheidung mehr haben, sind Demo-Untersagungen und Versammlungsverbote faktisch rechtsgültig.

Womit praktischerweise sichergestellt ist, dass kein Widerstand sich mehr gegen die absurden, erwiesen unsinnigen Maßnahmen regt – gegen bestehende und jetzt erst noch kommende. Nicht nur das, was die Kanzlerin und ihre begeistert mit vorpreschenden Hardcore-Vasallen Söder und Laschet aus Deutschland (spätestens ab Weihnachten, wahrscheinlicher aber bereits sofort) machen, erinnert an Nordkorea – sondern auch der sklavische Gehorsam und die innige Zustimmung des Volkskörpers für ihre eigene Knechtung im Namen eines vollends durchgeknallten Gesundheitswahns. Von Journalisten ganz zu schweigen, die jeden Kritiker und Zweifler auf Grundlage noch so fundierter Fakten unterscheidungslos als Leugner, Nazi, Aluhut verunglimpfen – und sich diebisch freuen, wenn „endlich“ einmal einer der Querdenker schwer an Corona erkrankt.

Horst Seehofer fiel in einem seiner typisch verwaschenen Sätze gestern nur folgende Phraseologie ein: „Der Vorteil, den sich Deutschland im Frühjahr erkämpft hat, ist verspielt. Das liegt nicht an der Disziplinlosigkeit der Bürger, sondern vor allem an unzureichenden Maßnahmen.“ Abgesehen davon, dass seine Chefin Merkel sehr wohl die Bürger verantwortlich macht, wenn sie sagt, es gäbe „immer noch zu viele Kontakte“ – oder Familien, die ihre Großeltern zu Weihnachten treffen wollen, präventiv zu potentiellen Mördern erklärt. Nicht die Maßnahmen sind hier unzureichend; die Arbeit der politischen Entscheidungsträger ist es. Sie haben es den ganzen Sommer über versäumt, sich in ihrer eigenen Panikliturgie auf eine fast täglich heraufbeschworene zweite Welle vorzubereiten – und blicken jetzt dumm aus der Wäsche. (DM)