Der Killerlockdown war erst der Anfang

Wer kann diesem verführerischen Lächeln des Mannes mit der größten Meise, Pardon:Fliege, widerstehen? (Foto:dts Nachrichtenagentur)

Gäbe es nicht diesen Karl Lauterbach, man müsste ihn erfinden – sozusagen als „Mahnmal des Schinders“. Fast jede seiner Drohungen und dunklen Prophezeiungen erinnern im übertragenden Sinne an die Tritte, die man erhält, wenn man schon am Boden liegt.

So war zu erwarten, dass ihm auch dieser Todesstoß für Deutschland noch lange nicht genug ist. Hier sein neues Horror-Szenarium:

Der „SPD-Gesundheitsexperte“ hat die Verzögerung beim Impfstoff in direkten Zusammenhang mit Corona-Toten gebracht. Lauterbach sagte „Bild“ auf die Frage, ob die andauernde Prüfphase der europäischen Behörden zur Zulassung Menschenleben kostet: „Ja und zwar deshalb, weil wir mit dem Impfstoff jetzt schon in Pflegeeinrichtungen impfen und damit Menschen schützen könnten.“ Die Sicherheit des Impfstoffs könne nicht mehr infrage gestellt werden, sagte Lauterbach weiter.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte ebenfalls eine zügige Zulassung des Corona-Impfstoffs von Pfizer und Biontech in der Europäischen Union. „Eine Prüfung der Daten und die Zulassung durch die EMA sollten schnellstmöglich erfolgen“, schrieb er am Sonntag bei Twitter.

Außerdem kritisiert Lauterbach die geringe Bereitschaft bei Ärzten und Pflegekräften, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. „Es überrascht mich, dass die Impfbereitschaft beim medizinischen Personal nicht deutlich höher ist und es eine so große Zurückhaltung gibt“, sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte vor Kurzem auf eine Umfrage verwiesen, wonach die Impfbereitschaft in Deutschland seit Frühjahr stetig gesunken ist und beim medizinischen Personal sogar geringer ist als beim Rest der Bevölkerung.

Vermutlich stehe dahinter die Überzeugung vieler Mediziner und Pflegekräfte, „nicht zur Hochrisikogruppe für eine Covid-19-Erkrankung zu gehören und sich durch Schutzkleidung besonders schützen zu können“, so Lauterbach. Der Mediziner kann diese Haltung nach eigenen Worten nicht nachvollziehen. „Ich persönlich würde mich auf jeden Fall impfen lassen, und zwar sowohl mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer als auch mit dem von Moderna“, so Lauterbach.

Beide Impfstoffe seien sehr gut untersucht und gälten bisher als sehr sicher. Einen Impfzwang lehnte der SPD-Politiker allerdings ab. „Ich bin gegen eine Corona-Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen, also auch nicht für Ärzte und anderes medizinisches Fachpersonal.“

Eine Impfung gegen Covid-19 müsse die freiwillige Entscheidung jedes einzelnen sein. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke (CDU), glaubt, dass die Impfbereitschaft zunimmt, sobald verlässliche Impfstoffe zugelassen sind. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Impfbereitschaft des medizinischen Personals steigen wird, wenn es ein konkretes Impfangebot gibt“, sagte Schmidtke den Funke-Zeitungen.

Sie appelliere „eindringlich gerade auch an die Menschen in den Gesundheitsberufen, die prioritär geimpft werden können, diese Möglichkeit auch zu nutzen.“ Es gehe nicht nur um den eigenen Schutz, sondern auch um den der Patienten. Ärzte hätten bei der Eindämmung der Pandemie „eine wichtige Vorbildfunktion“. Eine Impfpflicht werde es aber auch für medizinische Berufsgruppen nicht geben. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund geht davon aus, dass viele Ärzte grundsätzlich zu einer Impfung bereit sind. Je eindeutiger das Wirkspektrum des Impfstoffes feststehe, „desto größer wird auch die Impfbereitschaft sein“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna.

Aber egal, ob der Impfstoff nun sofort oder später verabreicht wird, aus diesem Killerlockdown werden wir so schnell nicht herauskommen:

Der FDP-Generalsekretär Volker Wissing geht davon aus, dass der ab Mittwoch geltende Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird. „Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass wir den Lockdown am 10. Januar beenden werden“, sagte Wissing der „Bild“. Das Infektionsgeschehen sei sehr hoch.

Man werde erst in zwei Wochen erkennen, ob der Lockdown das Infektionsgeschehen verändere. Wissing forderte die Bundesregierung zugleich auf, eine längerfristige Strategie im Kampf gegen Corona vorzulegen.

Markus Scholz, Epidemiologe an der Universität Leipzig, hält eine Verlängerung des nun beschlossenen Lockdowns ebenfalls bis mindestens Ende Januar für notwendig. „Ich rechne damit, dass die Maßnahmen selbst bei gutem Verlauf mindestens bis Ende Januar aufrechterhalten werden müssen, um eine Wirkung zu haben“, sagte Scholz zum Nachrichtenportal Watson. Die Verschärfungen der Regeln hält Scholz für längst überfällig.

„Die Maßnahmen entsprechen ungefähr dem, was wir im Frühjahr hatten, eher etwas leichter. Was im Frühjahr gereicht hat, muss aber im Winter nicht genügen“, mahnte er. „Ich rechne bestenfalls mit einer langsamen Zurückdrängung der Pandemie.“

Die Wahrscheinlichkeit für eine Normalisierung der Lage ab dem 10. Januar hält der Epidemiologe für gleich null. „Da sehr spät mit den Maßnahmen begonnen wurde, dauert es nun entsprechend lange, bis diese eine ausreichende Wirkung zeigen. Nach zwei Wochen kann man zunächst erste Auswirkungen bei den Infektionszahlen sehen. Weitere ein bis zwei Wochen später könnte eine positive Entwicklung dann im Gesundheitssystem angekommen sein, indem weniger Patienten auf die Intensivstationen kommen“, sagte Scholz. Bis in den Kliniken aber die notwendige Entlastung spürbar sei, werde es aufgrund der langen Liegedauern der schweren Covid-19 Fälle sehr lange dauern. „Eine eventuelle Verschärfung durch Weihnachten und Silvester ist hierbei gar nicht berücksichtigt“, so Scholz.

Zwischen 24. und 26. Dezember können über den eigenen Hausstand hinaus noch vier weitere Personen aus dem engsten Familienkreis eingeladen werden. Diese Regelung sieht der Epidemiologe kritisch: „Das Risiko, dass es durch Weihnachten und Silvester zu einer weiteren Pandemieverstärkung kommt, ist durchaus nicht zu unterschätzen.“

Man darf also damit rechnen, dass dieser Killerlockdown mindestens bis Mitte April andauern wird. Dann dürfen wir für kurze Zeit wieder ein wenig freie Luft einatmen, bis dann zum Spätsommer die Lockdown-Keule erneut zuschlägt. Bis dann das Land endgültig zugrunde gerichtet ist. Dem Virus aber wird das völlig egal sein. (Mit Material von dts)