Apocalypse Lockdown: Einzelhandel bleibt alleine auf 300 Millionen unverkauften Kleidungsstücken sitzen

Schicht im Schacht für Deutschlands Handel (Foto:Imago/Peters)

Mit ihrer Harcore-Lockdown-Entscheidung, ab morgen auch den deutschen Einzelhandel in die Leichenstarre zu überführen (wo sogar noch weniger Infektionen als in der Gastronomie registriert wurden), hat die glorreiche Bundesregierung nicht nur dafür Sorge getragen, dass nun das gesamte Weihnachtsgeschäft von Jeff Bezos übernommen wird, zur Freude der Amazon-Aktionäre und der internationalen Finanzmärkte. Dank ihrer Exekutionspolitik bleiben nun auch noch Unmassen unverkaufter Waren des Weihnachtsgeschäfts zurück – nicht nur klimapolitisch ein Irrsinn. 

Doch noch mehr clevere Nebeneffekte bringt die Null-Logik der Regierung mit sich: Der Verzögerungs- bzw., Flaschenhalseffekt des faktischen 72-Stunden-Countdowns bis zum Inkrafttreten ihrer Willkürbeschlüsse am Mittwoch stellt zuverlässig sicher, dass (wie gestern schon überall zu sehen war) ein riesiger Run auf die Geschäfte einsetzt – und die Innenstädte, dank der Torschlusspanik, noch einmal kräftig durchinfiziert werden. Peter Altmaiers Aufforderung zum Konsumverzicht und die leidenschaftliche Aufforderung dieses Bundeswirtschafts(!)-Ministers, an den letzten beiden geöffneten Tagen ja nicht auch noch für nur einen Euro Umsatz im Einzelhandel zu sorgen, verhallen erwartbar ungehört. Superspreading ist vorprogrammiert.

Gemeinsam mit den durch die „Weihnachts-Lockerungen“ bewirkten schlagartigen Kontaktausweitungen dürfte dieser Effekt für einen stabilen Anstieg der „Fallzahlen“ reichen –  auf deren Grundlage in der ersten Januar-Woche dann die Verlängerung des Killerlockdowns bis nach Fasching beschlossen werden wird. Sollten die Zahlen wider Erwarten zu sehr zurückgegangen sein, kann ja immer noch durch Testausweitungen, durch Direkterfassung von Antigen-Schnelltests oder durch noch höher gedrehte ct-Zyklenwerte bei PCR-Tests der gewünschte Alarmwert an „Neuinfizierten“ wiederhergestellt werden. Die kreative Aufrechterhaltung der Totalwegsperrung bis Ramadan sollte somit keine Schwierigkeiten bereiten.

Fahrplan für Totalwegsperrung bis Ramadan steht

Dafür stellt sich nun ein anderes Problem: Auch der hysterischste Run im heute letztmals möglichen „Weihnachtsschlussverkauf“ wird nicht zur Abräumen der Grabbeltische führen. Folglich bleiben Unmassen unverkaufte Artikel des gesamten Weihnachtsgeschäftes zurück. Der Deutsche Handelsverband (HDE) rechnet alleine mit 300 Millionen unverkauften Kleidungsstücken. Damit zählt der Modehandel in Deutschland zu den am stärksten betroffenen Teilsegmenten der Branche. „Gerade im Bereich Mode sind die Lager noch übervoll„, so HDE-Geschäftsführer Stefan Genth laut „dts Nachrichtenagentur“. Normalerweise gehen im  Weihnachtsgeschäft pro Tag im Schnitt über als 15 Millionen Hosen, Shirts, Schuhe und sonstige Kleidungsstücke über den Ladentisch. 100 Milliarden Euro – ein Fünftel des Jahresumsatzes – wird im Einzelhandel normalerweise im Dezember gemacht, und davon wiederum ein Großteil in den letzten 10 Tagen vor Weihnachten; genau die Phase, die jetzt durch einen Harakiri-Lockdown wegbricht.

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Erstaunlicherweise problematisiert hier niemand die riesige Ressourcenverschwendung oder stellt ökologischen Folgen dieser Politik in Frage: Bis auf vernachlässigbare Bruchteile aus einheimischer Produktion stammen praktisch alle in Deutschland verkauften Modeartikel aus dem Ausland, überwiegend aus Süd- und Südostasien. Sie werden mit Frachterflotten oder per Flugzeug nach Europa geliefert – nur um nun irgendwann entweder im größten Winterschluss-Ramschverkauf der Geschichte verscherbelt oder ganz entsorgt zu werden. Weil die Nachfrage zumindest größtenteils dennoch besteht und die Artikel nun eben Online geshoppt werden, muss ein Großteil davon nochmals produziert werden – mit besten Grüßen an die CO2-Bilanz. (DM)