Erst Schweden, jetzt Tübingen: Merkels Medien ziehen jedes Gegenmodell zum Killer-Lockdown in den Dreck

Der Pennekamp vielleicht? - (Symbolfoto:Von Lolostock/Shutterstock)

Wie viele alte Menschen in Deutschland müssen noch dafür mit dem Leben bezahlen, dass die Politik statt auf ihren gezielten Schutz lieber mit einem erwartbaren Giga-Volkswirtschaftsschaden das gesamte Land vom Kleinkind bis zum Greis einsperrt? Würde nur ein Bruchteil der für diese fehlgepolte Nullstrategie aufgewandten und in Kauf genommenen Kosten in den qualifizierte Infektionsschutz Hochbetagter gesteckt, könnten in dieser eigentlichen Hauptrisikogruppe tatsächlich jede Menge Menschenleben gerettet oder verlängert werden. Aber eine regelrechte Medienhetze polemisiert seit Monaten erfolgreich gegen dieses Modell.

Und dafür gibt es einen Grund: Sobald sich dieser Ansatz nämlich als Erfolg erwiese, wären nicht nur die journalistischen Unken, sondern auch die Bundesregierung gleichermaßen blamiert, weil sie offenkundig in eine Sackgasse galoppiert waren und die falsche „Strategie“ verfolgt hatten – sofern bei dem hirnrissig-widersprüchlichen Zickzackkurs der letzten Monate überhaupt von einer solchen die Rede sein kann. Es ist wie mit dem schwedischen Gegenmodell: Dieses wird von Deutschlands Durchhaltemedien seit Frühjahr leidenschaftlich bekämpft, indem jeder nachweisbare Erfolg kleingeschrieben, dafür aber jeder tatsächliche oder scheinbare Rückschlag groß aufgebauscht wurde.

Vor allem galt dies für die Toten, die zu Beginn des schwedischen Öffnungsmodells tatsächlich überproportional auftraten – allerdings genau in der Altersstufe der Hochbetagten, weil eben die Beibehaltung der Normalität damals nicht unter ausreichender Abschirmung von Hochrisikogruppen erfolgt war. Man hat dann dort schnell dazugelernt, mit der Folge, dass die Skandinavier seit Sommer konstant besser dastanden als die Kontinentaleuropäer; doch in der deutschen Veröffentlichtkeit hält sich bis heute hartnäckig das Narrativ von den Hekatomben unzähliger Toter in Schweden, von den ruchlos auf dem Altar der Lebenslust der Jüngeren geopferten Alten.

Und jetzt, bei uns in Deutschland? Trotz erneuter Hardcore-Maßnahmen sterben uns hier vor allem gerade die Alten weg. Ein halbes Jahr lang hat die Regierung gepennt – nicht nur bei der Aufstockung von intensivmedizinischem Personal in den Kliniken, sondern auch bei vernünftigen Schutzkonzepten in den Senioren- und Pflegeheimen des Landes. Was das Krankheitsgeschehen für die restlichen Altersgruppen anlangt, so sind schwere Verläufe sowohl im dauerlockeren Schweden als auch in Deutschlands mit seinen selbstzerstörerischen Stop-and-Go-Shutdowns gleichermaßen die absolute Ausnahme (abgesehen von den medial aufgebauschten und grotesk überzeichneten Einzelschicksale, die eine Kognitionsverzerrung deluxe zur Folge haben).

(Screenshot:Twitter)

Somit rechtfertigt diese Entwicklung des Infektionsgeschehens in keiner Weise das Herunterfahren des kompletten Landes, weil die volkswirtschaftlich existentiellen berufstätigen Bevölkerungsteile inklusive der gesamten Jugend eingesperrt, mit Berufsverboten oder in die Vernichtung getrieben werden. Der sinnvolle Weg ist genau der, den Boris Palmer als OB in Tübingen fuhr: Einkaufszeiten im Einzelhandel exklusiv für alte Menschen, Seniorentaxis, verpflichtende wiederkehrende Schnelltest für Besucher und Personal von Heimen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Im Ergebnis erreichte Tübingen, absolut konträr zum Bundestrend, dass Neuinfektionen bei über 75-jährigen bis letzten Mittwoch komplett zum Erliegen kamen.

Diese Erfolge waren in den Mainstream-Medien kein Thema; schon gar nicht wurden sie in der vergangenen Woche zum Anlass für einer eigentlich überfällige Generaldebatte genommen, den da bereits drohenden und jetzt beschlossenen Totallockdown doch noch abzuwenden und einzufordern, dass sich die Regierung mit vielversprechenden Alternativen befasst. Dafür jedoch melden sich, genau wie bei Schweden, jetzt die Leitmedien fast schon hämisch zu Wort, sobald es erste Dämpfer der Euphorie gibt: Weil in Tübinger Heimen nun doch wieder einzelne Infektionen bei Hochbetagten getestet wurden, meldeten etwa „Zeit Online“ oder „n-tv“ triumphierend: „Rückschlag für ‚Tübinger Weg‘: Mehr Infektionen in Heimen!“ Tatsächlich waren die Fälle darauf zurückzuführen, dass – so Palmer –  „das Netz nicht engmaschig genug“ gewesen sei: Man habe die Tests nicht verpflichtend anordnen können.

Also eine vermeidbare Panne. Doch statt das insgesamt vielversprechende Modell konstruktiv zu verfolgen, schreibt Deutschlands Stiefelleckerjournaille sie gleich in den Dreck. Es könnte ja am Ende für ihre so ambitionierte, herzensgute Gottkanzlerin peinlich werden, wenn ihr Irrweg durch Erfolg eines Alternativkonzepts entzaubert würde. So wird in diesem Land auf dem Rücken realer Toter Politik gemacht. (DM)