Söders Totentanz: Jetzt zählt er die Covid-Verstorbenen schon im Minutentakt

Markus Söder (Bild: shutterstock.com/Von Foto-berlin.net)

Markus Söder scheint in Bayern jahrelang in dem Glauben regiert zu haben, seine Bürger lebten unendlich – bis ihm dank Corona dann die bittere Erkenntnis kam, dass die Menschen doch tatsächlich sterblich sind. Seitdem kommt er aus dem Staunen nicht mehr heraus – und findet sein Steckenpferd neuerdings in einer Zahlenarithmetik, die zur immer größeren Verunsicherung seines weggesperrten Volkes beiträgt. Inzwischen ist er bereits bei Toten-Zählungen im Minutentakt angelangt.

Zuerst war es die Metapher vom tagtäglichen Flugzeugabsturz der „Covid-Toten“; als die Zahlen weiter stiegen und auch ohne Allegorien drastisch genug klangen, versteifte sich Söder auf den täglichen Body-Count der deutschen „Killing Fields“ („400 Tote pro Tag sind zu viel„, „500 Tote pro Tag sind zu viel“ usw. usf.), und kanzelte jeden als empathielos ab, der „solche Zahlen“ gleichgültig hinnähme (was niemand je wirklich tat – wohingegen Söder selbst die Tag für Tag weiteren rund 2500, eben nicht „an und mit Corona“ Verstorbenen hierzulande in gänzlicher Empathielosigkeit bis heute ausblendet!).

Nachdem es nun von vorgestern auf gestern alleine in Bayern „weitere 126 Tote binnen 24 Stunden“ gab, wie Söder referierte, dachte sich der Ministerpräsident eine noch brauchbarere Versinnbildlichung des rasenden Massensterbens aus. Jetzt rechnet er Tote auf Minuten um: „Alle 17 Minuten stirbt in Bayern ein Mensch!„, erklärte „Södolf“ unheilvoll. Was sich dramatisch anhört, relativiert sich allerdings rasch, wenn man die Gesamtsterblichkeit in Bayern nach denselben Maßstäben berücksichtigt: Bei im vergangenen Jahr rund 143.000 Toten in dem Bundesland ergaben sich pro Tag folglich 392 Tote; dies entspricht etwa 16 in der Stunde und 0,3 Toten pro Minute. Somit verstarb in Söderns Bayern letztes Jahr alle drei Minuten – und zwar ohne dass der Ministerpräsident dies je zur Chefsache machte oder zum Anlass für tägliche Bestürzungsbulletins und Grabreden nahm.

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Söder könnte stattdessen ja auch beispielsweise darauf hinweisen, dass das Virus deutlich als je zuvor selektiv bestimmte Alters- und Risikogruppen bedroht und vor allem die Hochbetagten trifft (das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei über 83 Jahren, mehr als 87 Prozent sind über 70) – und daraus dann entsprechende Schutzkonzepte für gezielt diese Personengruppen forcieren. Doch dies wäre für einen Alarmisten wie ihn, der den ewigen Lockdown am liebsten bis zu der (von ihm wohl erhofften) Rückkehr zur Unsterblichkeit aufrechterhielte, vermutlich nicht drastisch genug. „Deshalb„, so zitiert ihn gestern die „Welt“ anerkennend, „gibt es für Markus Söder keine Alternative zum konsequenten Runterfahren“. Das Coronavirus gerate „außer Kontrolle„, man müsse „die Notbremse ziehen„. Wieviele Notbremsen er noch ziehen will, was er noch zu tun beabsichtigt, wenn ein Virus trotz rabiatester und nie gekannter staatlicher Eingriffe weiterhin außer Kontrolle bleibt – das sagte Söder nicht. Man will es sich gar nicht vorstellen, was im Schädel dieses manisch Besessenen noch an Ideen herumspukt.

Vielleicht sollte Söder so kurz vor Weihnachten auch mal eine frohe Botschaft verkünden. Zum Beispiel, dass sich alle 11 Minuten ein Single über „Parship“ verliebt. (DM)