April, April! Das RKI beliebt zu scherzen – und das schon in der Weihnachtszeit!

Die Grippe 2020 hat bekanntlich nicht stattgefunden – erstmals in der jüngeren Medizingeschichte übrigens. Kaum noch Fälle wurden labordiagnostisch erfasst; die jahreszeitliche Erkältungswelle, an der sonst Millionen Deutsche erkranken, bleibt weiterhin aus. Und wie der Zufall so spielt, fällt dieses Novum ausgerechnet mit dem Auftreten von Corona zusammen. Aber keinesfalls, woher denn auch, besteht natürlich irgendein Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen! Denn als Grund für den Gripperückgang nennt das Robert-Koch-Institut (RKI) die AHA-Maßnahmen. Man höre und staune.

Seit Beginn der neuen Grippesaison Ende September wurden dem RKI bislang 174 labordiagnostisch bestätigte Grippefälle übermittelt, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“; letztes Jahr waren es zur gleichen Zeit achtmal so viele gewesen. In den vergangenen fünf Jahren hatte der Durchschnitt in dieser Zeitspanne 790 Fälle betragen. Das RKI führt dieses massiven Einbruch „auf die Hygiene- und Abstandsregeln während der Pandemie“ zurück, neben einer stärkeren Grippe-Impfbereitschaft. Da der aktuelle Grippeimpfstoff erst seit Ende September verfügbar ist, die Grippe jedoch schon im Frühjahr quasi schlagartig ausgestorben war – nachdem Corona in die Welt gekommen war – und die Zahl der vom Paul-Ehrlich-Institut freigegebenen Grippe-Impfdosen mit 25 Millionen gegenüber 21 Millionen 2019 zumindest nicht signifikant höher war, kann damit kein Rückgang um fast 90 Prozent erklärt werden. Somit bleibt als Erklärung nur die jetzt eben auch vom RKI gegebene neunmalkluge Erklärung vieler unerbittlicher Verfechter der Corona-Regeln, das Grippeverschwinden sei ein willkommener Nebeneffekt von Maskenzwang und Abstandhalten.

Klingt einleuchtend – bloß stellt sich dann zwangsläufig die Frage: Wenn Kontaktzurückhaltung, Abstand und Maske derart wirksam sind, dass sie die Influenza als ewige Geißel der Menschheit besiegen konnte (die in manchen Jahren bis zu einem Zehntel der Wirtschaftsleistung und Volksarbeitszeit killte): Wieso wirken diese Maßnahmen dann nicht bei Corona? Wieso explodieren dort die Zahlen in etwa dem Maße, wie sie bei der sonstigen Influenza in den Keller gehen? Nochmal zur Gedächtnisauffrischung: Der nunmehrige Killer-Lockdown, die Grabesstille in unseren Städten und grassierende Vereinsamung werden ausdrücklich damit gerechtfertigt, dass sich die Bürger angeblich nicht oder nicht ausreichend an die Corona-Auflagen gehalten hätten. Doch auf einmal haben sie jetzt plötzlich so gut funktioniert, dass damit das Verschwinden der Grippe erklärt wird? „Corona-Vorsicht“ treibt also Corona in die Höhe und lässt die Grippe aussterben?

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Drehen und wenden, wie es gerade passt

Auf diesen Widerspruch wird gerne entgegnet: Bei Corona wisse man eben noch immer viel zu wenig über die Übertragungsdynamik; es könne sein, dass die AHA-Regeln bei Influenza besser wirken als bei Corona. Wenn das zutrifft, dann sollte vielleicht noch einmal deutlich daran erinnert werden: Die Totalvernichtung der deutschen Wirtschaft, die Austrocknung des Schul- und Bildungswesens, die Zerstörung des gesamten Kultur- und Soziallebens erfolgen NICHT im Namen der Grippebekämpfung, sondern dienen ausschließlich dem Kampf gegen Corona. Und wenn die Kontaktbeschränkungen gegen Corona gar nichts ausrichten können, aber bei Influenza überaus deutlichen Erfolg zeigen, dann beweist dies, dass die Regeln von der Bevölkerung sehr wohl auch schon vor dem Lockdown hinreichend eingehalten wurden – aber für diese Pandemie offenbar das völlig ungeeignete Mittel waren. So ungeeignet, dass auch immer striktere Verschärfungen durch staatliche Notstandsmaßnahmen, von Wellenbrecherlockdown über Knallhartlockdown und Hammerlockdown bis hin zum Oberhammerlockdown und schließlich Totallockdown, nichts daran ändern können – sonst würden die Zahlen auch nicht weiter explodieren.

Ohne es zu wollen und zu realisieren, hat das RKI mit seiner Grippe-Ursachenerklärung also selbst den schlagenden Beweis dafür erbracht, dass die gesamte Corona-Politik fehlgesteuert und zum Scheitern verdammt ist. Politische Konsequenzen allerdings werden auch aus dieser Erkenntnis nicht gezogen werden; wetten? (DM)