Ausgrenzung von „Volksschädlingen“: Wird der Impfpass zum neuen „Ariernachweis“?

Auf dem Weg zur Impfung (Symbolfoto: Von Couperfield/Shutterstock)

Im diversen, gendergerechten und hypertoleranten Deutschland ist die Bekämpfung der ubiquitären Alltagsdiskriminierung ein großes Thema: People of Color, denen der Zugang zu Discotheken ebenso wie zu DAX-Vorstandsposten verwehrt bleibt, beklagen „strukturellen Rassismus“. Muslime, für die keine Ausnahmen und Sonderrechte vom Schulschwimmen bis Kantinenessen in Kraft treten, werden „islamophob“ herabgesetzt. Diverse, die als „Herr“ oder „Frau“ angeredet werden, fühlen sich „entmenschlicht“. Deutsche mit Menstruationshintergrund beklagen einen allgegenwärtigen „Me-Too-Sexismus“. Und von der Polizei kontrollierte arabische Jugendgangs werden Opfer von voreingenommenem „racial profiling“.

All die Hypersensibilisierung für – mangels realer Beispiele eingebildete und künstlich herbeigeredete – Phantom-Ungerechtigkeiten konnte anscheinend aber nicht verhindern, dass echte Ausgrenzung und brutale Herabwürdigung mit einem Fingerschnippen auch in Deutschland jederzeit wieder zurückkehren können, wenn es politisch opportun ist und ein in Angst versetzter, medial verhetzter Volkskörper die Zeit für gekommen hält. Das scheint alle paar Generationen wieder zu passieren; Geschichte scheint sich zu wiederholen: Fortan ist der Nachweis von „Immunität“ Voraussetzung für vollwertige und uneingeschränkte Teilhabe am öffentlichen, sozialen und kulturellen Leben. Und wer ihn nicht zu führen vermag, ist Bürger zweiter Klasse.

Zwar sollte es im Zusammenhang mit der Corona-Impfung genau das nie geben: Eine Impfflicht oder eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in „Geimpfte“ und „Impfverweigerer“, also in verantwortungsbewusste „Gesunde“ und rücksichtslose „Krankheitsträger“. Formal wird dies auch so nicht passieren. Doch im Ergebnis läuft alles genau in diese Richtung – und die Politik fördert diese Entwicklung. Nicht nur verzichtet sie auf jedes Grundsatzveto, um etwa Firmen kategorisch und frühzeitig jegliches Liebäugeln mit einem Impfnachweis auszutreiben – sondern die ermuntert sie unterschwellig regelrecht dazu. So erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek jetzt listenreich, eine „indirekte Impflicht könne der Staat nicht verhindern„. Denn: „Natürlich sind wir ein Land, was Privatwirtschaft hat„, so die Ministerin im ZDF-„Morgenmagazin“. „Orte mit Hausrecht“ könnten künftig auf eine Impfung oder einen negativen Corona-Test für Gäste bestehen.

Soso, „Privatwirtschaft“ erlaubt in Deutschland also nackte Diskriminierung und der Politik sind die Hände gebunden! Für wie blöd hält diese Regierung ihre Bürger eigentlich? Ein Staat, der sich mit Gleichstellungsverboten, Sprachregelungen, Antidiskriminierungsgesetzen, Barrierefreiheitsbestimmungen und neuerdings gesetzlichen Quoten immer bevormundender einmischt, die unternehmerische Freiheit einschränkt und die Wirtschaft zu einer Spielwiese der Gesellschaftspolitik macht, will angeblich nichts dagegen tun können, wenn Schwimmbäder, Konzertsäle, Fitnessstudios, Kinos, Gastronomen, Bus- und Bahnbetriebe, Fluggesellschaften und viele mehr Menschen aussperren, die ihre „Unbedenklichkeit“ nicht per Impfnachweis dokumentieren können?

Taktisches Sich-Dummstellen der Regierung

Diese „indirekte Impflicht“ ist bereits jetzt stellenweise Wirklichkeit; die australische Fluggesellschaft Qantas sorgte vor drei Wochen mit der Ankündigung weltweit für Aufsehen, sie plane künftig eine solche Impflicht für ihre Passagiere, nichtgeimpfte Personen werde sie nicht befördern. Dies ist erst der Anfang – und es ist mutmaßlich gewollt von einer Politik, die so den Absatz den von ihr mit vielen Milliarden geförderten und im Eilverfahren genehmigten Impfdosen (so fragwürdig und riskant deren Wirkung auch sein mag) auf Teufel komm raus durchdrücken will. „Wir brauchen die Herdenimmunität!“, deklamiert Karliczek laut „Focus„, und ergänzt: „Nötig ist eine Impfquote von 60 bis 70 Prozent„. Der Subtext lautet hier: Wir haben also gar nichts dagegen, wenn die Firmen ihren Kunden Dampf machen – und ihnen andernfalls mit Ausschluss, Hausverbot oder Abweisung drohen.

So werden dann wieder einmal neue Volksschädlinge in Deutschland herangezüchtet. Zwar ist das, wohin die Entwicklung geht, nicht vergleichbar mit dem Ariernachweis im Dritten Reich; eine Ausgrenzung durch freiwilligen Impfverzicht ist nicht die Vorstufe zum nächsten Holocaust, was Verrückte und Spinner im Netz zuweilen schwafeln. Der Beleg „rassischer Reinheit“ war damals kein Mittel zum Zweck, sondern diente der dauerhaften Aussonderung von Bevölkerungsgruppen und damit der Vorbereitung eines Menschheitsverbrechens. Dennoch drängen sich beim Impfpass oder einer vergleichbaren Unbedenklichkeitsbescheinigung, sollte diese Wirklichkeit werden, durchaus einige unappetitliche Parallelen zur NS-Zeit auf.

Denn die Ariernachweise verlangten auch damals Berufsverbände, etwa die Reichskulturkammer für alle künstlerisch Tätigen, ferner viele Unternehmen und ein Teil der Kirchen als Zugangsvoraussetzung für eine Beschäftigung. Der „Judenstern“ war dann die nächste Stufe der eigentlichen Alltagsdiskriminierung. Wenn es wirklich soweit kommt, dass die allgemeine Corona-Hysterie zu einer bleibenden Phobie gegenüber Nicht-„Gesunden“ und Nichtgeimpften kommt, dann sind auch Exzesse nicht mehr auszuschließen. Der Satz „Wehret den Anfängen“ war deshalb noch nie so aktuell wie heute. (DM)