Giga-Flop mit Ansage: Hohe Fallzahlen beweisen das Totalversagen der Corona-App

(Symbolbild:Imago/Simon)

Wenn die im Frühjahr sehnlichst erwartete, dann mit einem 100-Millionen-Aufwand gestartete und anschließend mehr als schleppend angelaufene Corona-Warn-App aus der Chaosmanufaktur Spahn/Wieler je irgendeinen Sinn gemacht hätte, dann wäre dies jetzt – wo die Nachverfolgung von „Kontaktketten“ bekanntlich völlig zusammengebrochen ist und inzwischen rund 30.000 tägliche Infektionen vermeldet werden. Und die Tendenz ist trotz Lockdown weiter steigend. Der Erfolg bleibt aus; ein verschwenderisches Scheitern mit Ansage.

Von berufener Stelle durfte sich die Bundesregierung gestern einmal mehr ins Stammbruch schreiben lassen, wie „famos“ sie auch bei diesem neuerlichen Beweis für die digitale Rückständigkeit Deutschlands in puncto Digitalisierung alles verkackt hat: Kein geringerer als Weltärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery stellte der App ein vernichtendes Zeugnis aus: Die sei „ein nettes Instrument„, welches allerdings „seinen Zweck nicht erfüllt„, so der Funktionär laut“ dts Nachrichtenagentur“ zu RTL. „Ich glaube deswegen, dass uns die App im Moment nicht weiterhelfen wird.“ Es ist eine weitere schallende Ohrfeige für den autodidaktisch vom Bankkaufmann zum Gesundheitsminister umgeschulten Jens Spahn, dieses begnadeten Krisenmanagerns.

Eine wahrhaft hellsichtige Erkenntnis über die App jedenfalls: Denn just zu der Zeit, in der sie vor allem gefragt wäre und da jedermann grübelt, wo denn die vielen täglichen Kontakte eigentlich herkommen, obwohl das ganze Land bereits seit Wochen eingeknastet ist: Da versagt dieses vielgepriesene Mammutprojekt. Als Erklärungen für die steigenden Zahlen kommt zwar sowieso eher eine weiterhin ungebrochene Infektionsgefahr auf dem Weg zur Arbeit (oder bei der Arbeit selbst) in Betracht, oder auch die frappierende Ungenauigkeit der PCR-Tests;  sehr wahrscheinlich sogar beides. Zumindest wären dies weit plausiblere Erklärungen als die Disziplinlosigkeit der Bevölkerung.

Unschlagbare Mischung: Ungeheuerliche Geldverschwendung plus Politikversagen

Davon jedoch wollen die Zampanos des Corona-Regimes weiterhin nichts wissen; sie halten unbeirrt daran fest, dass noch immer viel zu viele, vom vom Staat zudem nicht hinreichend rabiat verfolgte Realkontakte Schuld an der enthemmten Virusausbreitung seien. Gerade nach dieser Logik aber müsste die App momentan dann ja rund um die Uhr und allerorts bimmeln ohne Unterlass – selbst dann, wenn nur nur ein geringer Teil der knapp 30 Millionen Downloader sie wirklich nutzen würde. Dass sie dies offenbar nicht tut und nur ein winziger Bruchteil der täglichen Infektionen darüber ermittelt wird, beweist das krachende Scheitern dieses wie so oft gutgemeinten, aber grottenschlecht gemachten Giga-Flops.

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Höflich schiebt auch Montgomery in seiner Kritik an der App die Schuld für deren Scheitern auf die strengen Datenschutz-Regelungen in Deutschland. Konkret sei die Freiwilligkeit, mit der Nutzer ihre Daten zur Verfügung stellen, für die Nachverfolgung ein Problem: „Sie sind nicht verpflichtet, wenn Sie einen positiven Corona-Test haben, diesen auch in die App einzugeben. Es ist bekannt, dass etwa die Hälfte der Menschen, die die App zwar nutzen und positiv getestet worden sind, dieses nicht auf der App eingeben.“ Damit könnten dann auch andere Kontakte, die auch diese App haben, nicht gewarnt und geschützt werden. „Hier ist, glaube ich, noch viel nachzubessern an der Struktur dieser App.“ Also noch mehr Zwang? Was „Monty“ zu erwähnen vergaß: Die Datenschutzrechtslage war von vornherein bekannt, und damit auch die negativen Implikationen dieses Projekts. Nichts ist hier eingetreten, was man nicht schon hätte vor acht Monaten wissen können. Wieso dafür ein achtstelliger Betrag aufgewandt wurde, statt es von vornherein entweder besser oder gar nicht zu machen, ist die Frage – die allerdings bei der tagtäglichen Milliardenverbrennung auch nicht mehr weiter ins Gewicht fällt. (DM)