„Tote wie am Fließband“: Wie deutsche Medien die Hirne ihrer Leser einäschern

Foto: Von Photocarioca/Shutterstock

Immer wenn man meint, man habe in dieser Pandemie und ihrer hysterischen Medienrezeption inzwischen alles erlebt, springt einen die nächste Horror-Schlagzeile an: „Sachsens Corona-Tragödie: Tote werden ‚wie am Fließband‘ eingeäschert„, schrieb gestern „Focus Online“ in schlimmster Clickbait-Manier. Der eigentliche Hintergrund – im quasi „Kleingedruckten“ darunter – las sich erheblich nüchterner und harmloser, wie üblich – doch Hauptsache, ein paar „catchy-phrases“ und Schlagworte bleiben im lockdownverschüchteren Volk der Angst- und Schlafschafe hängen.

Weil in Sachsen – unbestreitbar, aber auch nach wie vor unklaren Gründen – vor allem in den Grenzregionen zu Tschechien die Corona-Fallzahlen stark steigen und auf bundesweit höchstem Niveau sind, passt eine solch moribunde Meldung natürlich super ins Programm – auch wenn es nach wie vor 2020 in Deutschland keine Übersterblichkeit gibt und die „erste Welle“ bekanntlich so schrecklich wütete, dass die Bestatter kaum etwas zu tun hatten und Staatshilfen anfordern mussten. Das hält „Focus“ und andere Medien nicht ab, vom „deutschen Bergamo“ zu fabulieren.

Interessant ist, dass der Text darunter auch diesmal wieder die eigene Schlagzeile Lügen straft. Im Krematorium der Görlitzer Friedhofsverwaltung würden, so „Focus“, „in einem normalen Monat zwischen 120 und 130 Leichen eingeäschert„. Das ist somit der Mittelwert – und der Leser erfährt nicht einmal, was ein „normaler Monat“ sein soll; jedenfalls sind es also 120-130 eingeäscherte Leichen im Schnitt. Der Leser kann es kaum erwarten zu erfahren, wie es denn nun im Corona-Dezember 2020 aussieht? Hier wendet „Focus“ nun einen listigen Kunstgriff an, der für die Berichterstattung der Mainstream-Medien geradezu typisch ist – und zitiert die Friedhofsverwalterin Evelin Mühle mit folgender Aussage: „Derzeit liegen wir bei knapp 200 Bestattungen für den Dezember, und es ist noch ein halber Monat übrig„. Unwillkürlich rechnet der Leser hoch und kommt auf 400 Tote, das Dreifache des zuvor gelesenen Durchschnittswerts. Richtig? Falsch. Denn zuvor war von „eingeäscherten Leichen“ die Rede – also Urnenbestattungen. Die Friedhofsverwalterin sprach von „Bestattungen“ insgesamt – was natürlich auch traditionellen Erdbegräbnisse oder überführte oder anderswo kremierte Leichen einschließt.

Mit solchen Manipulationen dann den Eindruck eines regelrechten Massensterbens zu erwecken, ist in dieser Dauerkrise inzwischen schon zum „neuen Normal“ geworden. Apropos Bergamo: Inzwischen steht fest, dass der damalige ikonische Abtransport von Militärlastern eine Folge des Umstands war, dass sich fast alle Bestatter der Region in Quarantäne befanden. Nach wie vor ist unklar, was uns damals eigentlich von den Medien gezeigt wurde, und ob sich die apokalyptischen Zustände in den Kliniken wirklich von den immer schon in Italien regional herrschenden Zuständen unterschieden, über die bis dahin bloß noch nie internationale Kamerateams berichtet hatten. Fakt jedenfalls ist, dass „Bergamo“ das kollektive Corona-Gedächtnis penetriert hat – und die Menschen bis heute so angstgefügig machte, dass sie tapfer und bereitwillig ihre eigene Existenzvernichtung unter gravierendsten Freiheitseinschränkungen bejubeln.

Wahrheit und Objektivität als eigentliche „Todesopfer“

Deshalb werden nun auch die angeblichen Leichenberge von Sachsen in die Bergamo-Tradition gestellt – und manche Ärzte können die Dramatisierung gar nicht ernst genug nehmen; bundesweit lief die letzten zwei Tage der Fall des Arztes im Oberlausitzer Bergland-Klinikum über den Äther, der von bereits stattfindender „Triage“ redete – was mittlerweile sowohl von der Intensivmedizinervereinigung DIVI als auch von Gesundheitsminister Jens Spahn dementiert wurde. Dass es auch unter Klinikärzten so manchen Profilneurotiker gibt, zeigte auch ein weiterer Fall eines Berliner Arztes, der letzte Woche in herzergreifenden, hochemotionalen Schilderungen auf Facebook vom Corona-Tod eines ihm am Vortag quasi unter den Händen weggestorbenen Kollegen berichtete, „sportlich, kerngesund, topfit“ natürlich, der nach erfolgloser Beatmung unter Tränen verstarb. „Er hätte so gerne seinen 35. Geburtstag erlebt„, so der Mediziner. Zehntausende bestürzte Kommentare und Tränen-Smileys dankten ihm seine offene Frontberichterstattung darüber, wie katastrophal es angeblich „wirklich in den Kliniken aussieht“ – eine triumphierende Spitze gegen alle Verharmlosen, Leugner und Covidioten, die „immer noch nichts begriffen haben“ (M. Söder).

Die im Dunkeln sieht man nicht-70 Zeitzeugen zu den missachteten Folgen der Corona-Politik - Unterstützen Sie jouwatch und kaufen beim Kopp Verlag- 12,00 Euro
Die im Dunkeln sieht man nicht-70 Zeitzeugen zu den missachteten Folgen der Corona-Politik – Unterstützen Sie jouwatch und kaufen beim Kopp Verlag- 12,00 Euro

Das Dumme an diesem Facebook-Post: Er ist offenbar frei erfunden. In der besagten Woche gab es in sämtlichen Berliner Kliniken innerhalb der Altersgruppe 30-39 Jahre keinen einzigen Covid-Toten. Damit konfrontiert, ruderte der tränenreiche Arzt plötzlich zurück – und kommentierte unter seinem eigenen Post frech, wo er denn bitte wörtlich behauptet hätte, dass jemand gestorben sei? Kurz darauf war der Post verschwunden.

Wir lernen: Ob Triagierungen, die es (zumindest noch) nicht gibt, ob Todesschilderungen, die (selbst wenn sie zuträfen) zumindest statistisch zum Glück nach wie vor seltene Ausnahme darstellen (ins Verhältnis zu 84 Millionen Einwohnern und sonstigen tägliche Sterbefällen gesetzt); ob angeblich kollabierende Intensivstationen, die allerdings auch in den Vorjahren immer wieder am Anschlag und teilweise sogar im Notbetrieb waren; oder ob jetzt ein kaum mehr zu bewältigender angeblicher Leichenandrang in Sachsen – der objektiven Wahrheit hält in dieser wohlgeschürten Pandemie praktisch nichts stand. Dass die Lage ernstzunehmen ist und Corona (wenn auch fast nur für Risikogruppen) eine Gefahr darstellt ist das eine; die abartige Panikmache, um eine destruktive Lockdownpolitik gesundzubeten, ist etwas anderes. (DM)