Advent ohne Lichterglanz | ARTE

Weihnachtsmärkte in Europa haben eine jahrhundertealte Tradition. Ihre Absagen sind eine Herausforderung. Umsätze fallen aus, Schaustellern bricht der letzte Rettungsanker weg, Bürger sehnen sich nach Normalität. Wie meistern wir eine Adventszeit in der Pandemie? Wie viel Besinnlichkeit schaffen die Alternativen, und wo ist Glühwein noch erlaubt?

Marc Roschmann aus Göppingen, Vorsitzender des Stuttgarter Schaustellerverbandes, stammt aus einer Schaustellerdynastie und führt die Geschäfte der Familie in vierter Generation. Der Familienvater macht ein Drittel des Jahresumsatzes mit dem Weihnachtsgeschäft. Aber dort, wo normalerweise die Lichter seines Süßigkeitenstands auf dem Weihnachtsmarkt leuchten, steht heute das Corona-Testzentrum. Der 39-Jährige kann sich selbst und die Kollegen nur mit der sogenannten Insellösung trösten: Das bedeutet, vereinzelte Stände über die Innenstadt verteilt.

Eine Alternative, die in den meisten Großstädten Deutschlands greift. Anders in der Schweiz. In Bülach bei Zürich brennen nicht nur die Kerzen, sondern auch die Platte unter dem Glühweintopf. Dahinter steht Lars Gräf, der sich mit der Absage des Weihnachtsmarktes im Ort nicht abfinden wollte und nun kurzum selbst das „Weihnachtsdorf“ aus privater Initiative heraus organisiert.

Das Hygienekonzept steht – Schlendern, Bratwurst und Alkohol sind hier am 2. und 3. Adventswochenende trotzdem erlaubt. Hält es dem Besucheraufkommen und den Erwartungen stand? Der offizielle Weihnachtsmarkt von Bülach lockte in den vergangenen Jahren bis zu 60.000 Besucher an einem Wochenende an. Auch Patrick Schultze, Busunternehmer aus Görlitz, hat eine Alternative für den Ausfall des Weihnachtsgeschäftes auf die Beine gestellt. Die Hälfte seiner Flotte steht still, denn es gibt keine Weihnachtsmarkttouristen mehr, die er nach Polen, Dresden und Königstein fahren kann. Der 36-jährige fährt in der Adventszeit ein selbst gebautes Glühweintaxi.

Reportage (Deutschland 2020, 32 Min)

(Quelle)