Deutschland: „Cancel Culture“ – Krieg gegen den freien Bürger

Gunnar Kaiser, Schriftsteller, Philosoph und Stand-Up-Comedian am 19. 12. 2020 in München - Foto: Imago

Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung hatte den Schriftsteller, Blogger und Stand-Up-Comedian Gunnar Kaiser eingeladen, zum Thema „Cancel Culture“ zu sprechen. So weit kam es dann aber nicht. Die „Cancel Culture“ siegte vorher schon und Kaiser wurde wieder ausgeladen. Jetzt gilt er den braven Stiftungs-Naumännchens als „Verschwörungstheoretiker“. Der Putsch der Totalitaristen weltweit erfolgt wieder einmal nirgends mit einer solchen Gründlichkeit wie in Deutschland. Eine Lageeinschätzung.

von Max Erdinger

Die Ausladung Kaisers durch die „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ – *pöhöhö* – wurde dort mit einer selten dämlichen Pseudobegründung als weiser Entschluß bemäntelt. Seine Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen sei zu wenig konkret, dafür aber viel zu grundsätzlich. Dabei hat Gunnar Kaiser völlig recht: Jede „konkrete Kritik“ an den zutage tretenden Resultaten einer kulturmarxistisch degenerierten Republik wie der deutschen wäre die reine Zeitverschwendung angesichts der Tatsache, daß sich der generelle Verfall aus dem Grundsätzlichen speist.

Was ist eine Witzfigur?

Witzfiguren gibt es in Deutschland inzwischen reichlich. Die Tragik dieser Figuren ist, daß sie sich für große Denker halten. Wer fällt einem da ein? Jörg Meuthen zum Beispiel. So sehr lebt der Mann in der bereits vom Verwesungsgeruch gezeichneten Parteiendemokratur, daß er „seine AfD“ auf Teufel komm raus als eine respektierte und gleichberechtigte Partei-Alternative etablieren will. Als ob das noch irgendeine Zukunft hätte. Die Erde ist rund und es hat eben jeder seinen persönlichen Horizont. Da man den geistigen Verfall in Deutschland gar nicht grundsätzlich genug kritisieren kann, ist es wichtig, die Sache mit dem persönlichen Horizont ins Zentrum seiner Betrachtungen zu stellen.

Da ich im Rahmen eines Artikels nicht ein ganzes Buch schreiben kann, und weil ein solches Buch ohnehin schon Mitte der Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts von Paul Hacker geschrieben wurde, muß ich sehr komplexe Gedankengänge stark verkürzt wiedergeben. Wir Deutschen sind 500 Jahre nach der Reformation wegen der Anthropozentrierung des Glaubens unter Martin Luther an dem Endpunkt angelangt, der damals bereits angelegt wurde. Die Reformation war von dem Grundgedanken getragen, daß jeder wahre Christenmensch schon über die Lektüre der Heiligen Schrift seinen persönlichen Bezug zu Gott habe („sola scriptura sola fide sola gratia solus christus“: allein durch die Schrift, allein durch den Glauben, allein durch die Gnade, allein durch Christus) – und daß der Papst ein übler Bevormunder und Abzocker sei, der die Schäfchen des Herrn nicht selbständig glauben lassen will. So inbrünstig waren die Protestanten von ihrer Verstandeskraft überzeugt, daß sie sich dann im Lauf der Zeit selbstvergottet haben. Jedenfalls gibt es wohl nur wenige Protestanten, die es nicht quasi in ihrer religiösen DNA hätten, daß sie den Katholiken etwas voraus haben. Vereinfacht ausgedrückt: Die Protestanten sind Progressisten, und die Katholiken sind dumme Ewiggestrige, die bis heute das Richtige noch nicht begriffen haben, weswegen sie auch einen Papst brauchen, der ihnen erklärt, was sie gefälligst zu glauben haben. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätten die Protestanten einen Punkt gemacht. Erst, wenn man genauer hinschaut, erkennt man, wer der eigentliche Depp ist. Und der Katholik ist das nicht.

Die Gemeinschaft der Gläubigen

Die Gemeinschaft der Gläubigen war selten so stark wie heute, wenn man vom Dritten Reich und der Kommunistendiktatur in der DDR einmal absieht. Es kommt halt darauf an, was die Gemeinschaft der Gläubigen so glaubt. Die Gläubigen können auch eine Gemeinschaft von Zivilreligiösen sein. Früher galt noch, daß der Mensch denkt und Gott lenkt, heute jedoch gilt, daß der Herr den Seinen einen Verstand geschenkt habe, auf daß sie kraft dieses Verstandes selber lenken. Allerweil wollen sie die „Welt der Viren“ besiegen. Was dabei herauskommt, wenn die Gläubigen vom Orden der unlimitierten Verstandeskraft selber lenken, ist eine einzige Geisterfahrt gegen die Realität. Aber wie gesagt, das läßt sich im Rahmen eines Artikels nicht ausführlich erklären. Wie erklärt man es also am besten?

Von der Gemeinschaft der Gläubigen ging es zunächst zur Gemeinschaft der Eigengläubigen, die ihre je individuelle Besonderheit im Verhältnis zu Gott verallgemeinerten und ohne einen Papst auskommen wollten. Der Andere ist zwar ein anderer, aber als Mensch mit mir gleich. Es entstand die menschliche Gesellschaft der Verschiedenen in der Gleichheit. Die behauptete Gleichheit ist aber nicht mehr als ein Postulat, verwaltungstechnisch betrachtet eine reine Arbeitshypothese. Voltaire hielt es für eine Tugend, die Meinungs- und Redefreiheit des jeweils Anderen mit dem eigenen Leben selbst dann noch zu verteidigen, wenn man seine Äußerungen für schwachsinnig hält. Damit erklärte er praktisch die Tatsache der unterschiedlich auf die Menschen verteilten Geistesgaben als unterordnungswürdig unter den Gleichheitsgedanken. Wichtiger, als daß die Klügsten das Sagen haben, ist seither, daß jeder gleichberechtigt sagen darf, was er sich so zusammengedacht hat. In der Folge wurde dann der Gleichheitsgedanke sozusagen selbst zum neuen Papst. Wer dem Gleichheitsgedanken nicht kritiklos anhängt, ist heutzutage ein Häretiker, ein Leugner des einzig wahren Glaubens an die Gleichheit der Menschen. Realiter ist es aber so, daß alle „die Menschen“ im Normalfall nur äußerlich gleich sind, insofern, daß sie eben alle zwei Ohren, zwei Augen, Arme und Beine haben usw.usf. Noch etwas ist gleich: Ungeachtet ihrer individuellen Gaben wollen alle ziemlich gleich gern am Leben bleiben.

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Katholisch gedacht wäre es aber so, daß die Klügsten unter den gleichen „die Menschen“ brüderlich für die Armen im Geiste mitdenken, um sie vor den Folgen ihrer eigenen Beschränktheit zu bewahren – und ihnen so etwas Gutes zu tun. Das geht heute aber nicht mehr, weil sich der größte Depp verbitten würde, daß man ihn als einen solchen bezeichnet. Obwohl das Deppentum seit Menschengedenken evident ist, darf man es heute nicht mehr thematisieren. Ganz im Gegenteil: Wer sich sein eigenes materielles Leben nicht als Häretiker schwermachen will, tut besser so, als halte er es für möglich, daß Annalena Baerbock eine gute Kanzlerin sein könnte und daß man der Klugheit von Saskia Esken schon auf die Spur käme, wenn man sich nur „menschlich“ genug darum bemühe. Mehr „Gesinnungsdruck“ herrschte auch in jener katholischen Kirche des 15. Jahrhunderts nicht, die Luther et al dann im 16. Jahrhundert „reformieren“ wollten. Man spricht seither von verschiedenen Konfessionen innerhalb der Christenheit. Tatsächlich ist es wohl eher so, daß mit der Reformation eine neue, lediglich ans Christentum angelehnte Religion entstanden ist. Das wäre die Religion der Eigenbezüglichkeit, in der wichtig wurde, als was man selbst von den Anderen begriffen wird durch das, was man sagt und tut, als daß man einfach Gutes täte, ohne sich dabei zu überlegen, wer einen daraufhin wofür hält. Im Rahmen dieser Eigenbezüglichkeit entstand das „christliche“ Mißverständnis, man täte ein gottgefälliges Werk, indem man versucht, auf Erden bereits das Paradies der göttlichen Gerechtigkeit zu installieren. Ein absolut aussichtsloses Unterfangen.

Kurz gesagt ist es wohl so: Von 1517 zieht sich über 1789 und 1917 eine schnurgerade Irrtumslinie durch bis zum Jahr 2020. Salopp ausgedrückt: Luther ist der erste Gleichheits-„Spacko“ gewesen – und Thomas Müntzer der erste Revolutionärsspacko, der das Potential des „refomierten Geistes“ als Basis zur praktischen Verwirklichung des Gleichheits-Spackentums erkannte. Allerdings war die Zeit damals noch nicht so richtig reif. Müntzer wurde 1525 hingerichtet. Er wurde nur 35 Jahre alt in seinem jugendlichen Idealismus. Von der globalistischen Kommunistenkirche der Gegenwart wird er aber so verehrt wie schon zu DDR-Zeiten von den Ideologen des mitteldeutschen Staatsgefängnisses. Jede Wette, daß sogar der gegenwärtige Papst schon einmal ein diskretes Wort der Anerkennung für Thomas Müntzer übrig hatte. Im Vatikan ist derzeit der „Inklusive Kapitalismus“ ein Hit, bei deutschen Protestanten ist es der „symptomlos Erkrankte“.

Ich und meine Meinung

Um eine Meinung zu haben, müsste man sich erst einmal eine gebildet haben. Auffällig ist, daß es zwar die Meinungsfreiheit gibt, daß es aber keine Pflicht zur Meinungsbildung gibt. „Wir“ haben also jede Menge „die Menschen“, denen „wir“ eine gleichberechtigte Meinung zubilligen, ohne „uns“ zu fragen, ob deren Meinung substantiell wertvoll ist, oder ob sie lediglich deswegen wertvoll ist, weil es gleiche „die Menschen“ sind. Eine Verschiebung der Betrachtung einer Sache auf denjengen, der sie betrachtet, sozusagen. Symptomatisch: „Für mich sieht es so aus …“. Als ob es darauf ankäme, wie etwas für jemanden aussieht, anstatt darauf, wie die Sache ist. Wenn ich wissen will, wie etwas ist, ist die Information darüber, wie es einem Dritten vorkommt, nicht die Information, um die es geht. Ich will nicht wissen, wie jemandem die Dinge vorkommen, sondern ich will wissen, wie sie sind. Der Kenntnisreiche, der Gebildete und der Belesene sehen die Dinge zumeist realistischer, als der ungebildete Kenntnisarme. Die Gleichwertigkeit der subjektiven Meinungen in ihrer ganzen Vielfalt ist nichts weiter als eine verwaltungstechnisch nützliche Hypothese. Mit der Realität hat sie nichts zu tun, ganz egal, wer sehr man glaubt, es sei das postfaktische Zeitalter heraufgezogen.

Analog läuft es mit der Demokratie und den Demokraten. Es ist logisch, daß die Demokratie den Demokraten braucht, wenn sie lebendig bleiben soll. Der Demokrat wiederum müßte informiert sein, anstatt sich lediglich für informiert zu halten. Jeder ist, wer er ist, nicht, wofür er sich hält. Erstrecht nicht dann, wenn er sich erst einmal für etwas halten will, bevor er sich dann für etwas hält. Wer jemand ist, hängt nicht davon ab wofür er sich halten will. Ganz egal, ob sein Garderobenspiegel mit einem Button versehen ist, der ihm ein „Gefällt mir“ ins Spiegelbild einblendet, wenn man ihn drückt. Genau dieser Sachverhalt ist aber in den Jahrzehnten der „Versozialpsychologisierung“ von praktisch allem aus dem allgemeinen Bewußtsein verdrängt worden. Heute gilt das 1. Axiom der Sozialpsychologie, demzufolge sich jeder Mensch „seine eigene Realität“ konstruiert.

Mit anderen Worten: Wo Millionen von Menschen zusammenleben, von denen sich jeder seine je eigene „Realität konstruiert“, obwohl die Dinge sind, wie sie nun einmal sind, ohne daß das an irgendwelchen eigenkonstruierten „Realitäten“ hinge, geht kollektive Urteilskraft verloren. In Deutschland scheint sie fast vollständig verloren gegangen zu sein. Derartig viel Einbildung herrscht inzwischen, daß sich die Masse trotz ihres Glaubens an die je eigenkonstruierte Realität mehrheitlich einbildet, sie könne sich unterteilen lassen in solche, die „das Richtige“ wissen – und solche, die irgendwelchen „kruden Verschwörungstheorien“ anhängen.

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In Wahrheit sieht es sehr danach aus, als seien die sog. Verschwörungstheoretiker diejenigen, die sich selbst auf die Suche nach der einen Realität gemacht hatten, anstatt einfach kritiklos zu fressen, was ihnen von inzwischen schwer staatsabhängigen (Mainstream)-Medien als „die Realität“ angedreht wird. Damit sich die Masse die eigene Bequemlichkeit und Denkfaulheit hinter ihrer „Meinungsbildung“ nicht einzugestehen braucht, weil man schließlich auch ohne eigene Recherche zum demokratischen Meinungsinhaber werden darf, sieht man sich einfach um und versucht herauszufinden, was denn „die Anderen“ so „denken, irgendwie“. Wegen des 2. Axioms der Sozialpsychologie, demzufolge der Mensch den sozialen Kontakt braucht, ist die beste „eigene Meinung“ dann die, die man bei Anderen als die vorherrschende erkannt zu haben glaubt. Es setzt ein sich selbst verstärkender Effekt ein, den die Demoskopin Elisabeth Noelle-Neumann mit dem Wort „Schweigespirale“ bezeichnet. Jeder unterstellt jedem anderen eine bestimmte Meinung, ohne überhaupt zu wissen, was der Andere tatsächlich denkt, weil dessen Äußerung schließlich selbst aus nichts anderem resultiert als der Unterstellung, alle anderen dächten in der angenommenen Weise.

Wie „denken“ alle?

Bei aller Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Anderen, ist es so, daß sehr viel Wert gelegt wird auf „meine Rechte“ und „meine Ansprüche“. Anwälte verdienen sich jedes Jahr goldene Nasen mit Klagen des Einen gegen seinen Nächsten. Die Leute reden nicht mehr unbedingt viel miteinander, sondern sie äußern Meinungen in der Abgeschiedenheit der eigenen Familie oder gleich ganz allein lebend. Woher wissen die Vereinzelten also, was „die Anderen“ in toto „so denken“? – Sie wissen es über die Medien. Zumindest glauben sie das. Kaum einer überlegt sich, ob es nicht ihrerseits die Medien sind, die genau wissen, wie sich der Konsument ihrer Produkte seine vermeintlich „eigene Meinung“ bildet – und daß sie das zu ihrem eigenen Wohl & Frommen in der Nähe der tatsächlichen Macht ausnützen. Die Mainstream-Medien existieren nicht, damit der Demokrat als hypothetische Figur sich eine eigene Meinung bilden kann, sondern sie existieren, damit er sich eine bilden läßt, die er dann für seine eigene halten darf. Möglichst ist es eine, die ihm „gut steht“, weil sie ja so unglaublich konform mit der unterstellten Meinung einer Mehrheit in der Schweigespirale sein soll.

„Ich bin bei der Mehrheit“ ist heute fast schon so gut wie eine Lebensversicherung. Die Wenigen, die sich ihre Meinung zeitaufwendig noch mühsam selber bilden, Leute also, die eines zum anderen in Bezug setzen und das vom Mainstream kolportierte, von der Masse als Realität akzeptierte Gesamtbild auf Plausibilität hin überprüfen, werden dann zu den „Outlaws“, zu den „Sonderlingen“, zu gefährlichen Elementen, die den „sozialen Frieden“ untergraben, zu „Querdenkern“, um sie nicht als „Querulanten“ zu bezeichnen. Eines darf nämlich nicht passieren: Daß die Masse anfängt, selber zu denken und die für die Mächtigen höchst gefährliche Frage zu stellen, ob denn die „vorherrschende Meinung“ mit der Realität in Übereinstimmung zu bringen ist, oder ob sie lediglich neuen Glaubensdogmen folgt. Im Zeitalter der Wissenschaftsgläubigkeit wären das statt religiösen eben zivilreligiöse Dogmen. Und niemand aus der Masse fragt sich, ob nicht total bekloppt sein muß, wer flehentliche Appelle wie „Glaubt der Wissenschaft!“ in Mikrofone spricht oder solche Appelle für berechtigt hält. Es gibt „die Wissenschaft“ nicht. Kaum jemand ist untereinander so uneins wie „die Wissenschaftler“.

An diesem Punkt kommt dann wieder die elende Selbstbezüglichkeit in allem zum Tragen. Es ist einfach ein sehr bequemer Weg, sich selbst auf der Seite der Gerechten zu wähnen, wenn man nachplappert, was „die Wissenschaft“ zum Besten gibt. Am Beispiel der „Coronakrise“ läßt sich das gut illustrieren: Objektiv betrachtet gibt es keinen Grund für den wissenschaftlichen Laien, dem einen Wissenschaftler zu glauben – und dem anderen nicht. Es fehlt schlicht an eigenem Urteilsvermögen. Was deshalb mindestens zu erwarten wäre in einer wahrhaft „demokratischen Gesellschaft“, die sich viel auf ihre „Meinungsfreiheit“ einbildet, wäre, daß sich die Masse mehrheitlich fragt, weshalb denn die einen – immer dieselben – Wissenschaftler ständig zu Wort kommen, und warum andere, nicht minder qualifizierte Wissenschaftler, nicht nur nicht zu Wort kommen, sondern sogar noch an der Veröffentlichung ihrer Erkenntnisse gehindert – oder weshalb deren Erkentnisse totgeschwiegen werden, z.B. über mehr oder weniger subtile Zensur. Und warum „den anderen Wissenschaftlern“ Etiketten auf die Stirn geklebt werden. Warum passiert das nicht? – Logische Antwort: Weil der meinungsinnehabende Demokrat letztlich seine eigene Meinung in Frage stellen müsste, wozu es seiner Ansicht nach nicht den geringsten Anlaß gibt, da er ja meinungsgleichberechtigt ist und es schließlich seine „Freiheit“ ist, zu meinen & zu finden, was er jeweils will. Schon hier verwechselt er seine eigene Bequemlichkeit mit seiner Freiheit.

Sehr provokativ gefragt: Wenn Demokraten, die in Wahrheit selbstreferentielle Idioten sind, zum Wählen gehen, wer wird dann wohl gewählt werden? – Die Klügsten und die Ehrenwertesten? – Im Leben nicht. Gewählt werden diejenigen, die dem Meinungsinhaber als am kompatibelsten mit jenem eigenen Gemeine & Gefinde vorkommen, welches er sich von den Medien der Macht als sein eigenes hat andrehen lassen. Wer beispielsweise die „Süddeutsche Zeitung“ konsumiert, bildet sich hernach gern ein, er sei über das Weltgeschehen informiert. Tatsächlich weiß er nach der Lektüre lediglich, was in der „Süddeutschen Zeitung“ gestanden hat. Daß der westliche Medien-Mainstream, sei es in Deutschland oder sonst irgendwo in der vormals „freien Welt“, seit Jahren zunehmend dadurch unangenehm auffällt, daß er der Macht nach dem Maul redet, anstatt sie kritisch aufs Korn zu nehmen, muß dazu aus rein utilitaristischen Gründen hinsichtlich der jeweiligen Eigenwahrnehmung ausgeblendet werden, obwohl dieser Sachverhalt wie ein Elefant im Raum steht.

Gunnar Kaiser

Zwar bin ich kein ausgewiesener Gunnar Kaiser-Fan, dennoch leuchtet auf seinem Hals eine der hellsten Birnen in der Zweiten Deutschen Demokratischen Republik Merkelstan. Der Mann macht sich Gedanken über das, was im Grundsatz verkehrt läuft, weil er weiß, daß kein Detail stimmen kann, das auf falschen Voraussetzungen fußt. Konfuzius: „Dummheit ist nicht wenig wissen, auch nicht wenig wissen wollen, Dummheit ist glauben genug zu wissen.“ – und – „Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht stimmt, dann stimmen die Werke nicht. Gedeihen die Werke nicht, so verderben Sitten und Künste. Darum achte man darauf, daß die Worte stimmen. Das ist das wichtigste von allem.“ – Gunnar Kaiser ist jemand, der sehr penibel darauf achtet, daß die Worte stimmen. Und ausgerechnet er wird von der Friedrich-Naumann-Stiftung nun als „Verschwörungstheoretiker“ in die „rechte Ecke“ gestellt? Abgesehen davon, daß das vollkommen realitätswidrig ist, und eine bodenlose Gemeinheit Gunnar Kaiser gegenüber darstellt: Es ist die FDP-nahe „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“, die mit diesem Vorgehen auf ihre eigenen Grundsätze förmlich gepisst hat. Warum hat sie das getan? Weil es in totalitären Systemen ratsam ist, sich selbst zu bepissen, wenn einem das die Gunst der finsteren – oder wenigstens die Duldung durch die finstere Macht erhält.

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Das heißt, daß die Friedrich-Naumann-Stiftung etwas getan hat, das die Masse eben auch tut: Sie hat der Suche nach der Wahrheit aus rein materiellem Eigeninteresse heraus Knüppel zwischen die Beine geworfen – und will der Öffentlichkeit weismachen, sie selbst käme sich dabei noch besonders edel vor. Die Friedrich-Naumann-Stiftung wurde dadurch zum stifterlichen Spiegelbild des „von allen überkommenen Zwängen befreiten“ Meinungsinhabers der Gegenwart. Dabei wäre Freiheit lediglich das, was im Rahmen der Suche nach der Wahrheit -, bestenfalls beim Erkennen der Wahrheit – und „Realität“ ist ein Synonym für „Wahrheit“ – an realistischen Handlungsoptionen übrig bleibt. „Mehr Freiheit“ geht nicht, auch in einer „Gesellschaft“ nicht, in der sich jeder angewöhnt hat, seine persönlichen Befindlichkeiten für das Maß all jener Dinge zu halten, die der jeweils andere gefälligst zu berücksichtigen habe. Der Präferenzutilitarismus des Einen in dessen vermeintlicher Freiheit führt zwingend zur Gefangenschaft aller anderen, von denen wiederum jeder vermeintliche Ansprüche gegen jeden anderen hat. Verkürzt ausgedrückt ist der Präferenzutilitarismus die These, daß alles menschliche Denken der Rechtfertigung des Willens diene. Und die Kanzlerin ist eine Anhängerin des Präferenzutilitarismus, der vom australischen „Philosophen“ Peter Singer als bestimmend für das menschliche Denken genannt wird.

Utopisten und Menschheits-Romantiker

Daß Deutschland in Gestalt seiner Kanzlerin und seiner meinungsbildenden Medien mit absoluten Utopisten geschlagen ist, die in der Weltbevölkerung aufgrund ihres Gleichheits-Fetisches keine unterschiedlichen Kulturen mit ihren divergierenden Sichtweisen auf das Leben als solches mehr anerkennen wollen, obwohl die evident existieren, ist eine nicht zu leugnende Tatsache. Alles soll miteinander zu einer Art „Weltkultur“ vermischt werden, die freilich alles andere wäre, als irgendetwas, das mit Kultur auch nur im Entferntesten etwas zu tun hätte. Das wäre analog zur Massentierhaltung nichts anderes mehr als die Massenmenschhaltung. „Wir“ werden von Kulturbanausen & Barbaren regiert und von ihren medialen Mietmäulern „informiert“. Das ist Fakt. Und Fakt ist ebenso, daß nicht nur das schändlich ist, sondern bald mehr noch, daß sich eine vormalige „Kulturnation“ das bieten läßt. Warum sie sich das bieten läßt, habe ich oben sehr grundsätzlich ausgeführt. Es scheint inzwischen ein stillschweigend akzeptiertes Verbot zu geben, sich zu überlegen, woran es im Grundsätzlichen hapert. Wenn es denn ein solches Verbot gibt – und der Umgang mit Gunar Kaiser ist ein Indiz dafür, daß es wohl so ist – , dann deswegen, weil das ganze ideologische Gebäude der Utopisten kollabieren müsste, würde man ihm die Fundamente weghämmern.

In den USA geschieht das zur Zeit. Und das erklärt auch die verbitterte Gegenwehr derjenigen, die dann, wenn sie durch die Anerkenntnis der Möglichkeit eines massiven Wahlbetrugs einer gewissenhaften Auswertung aller vorhandenen Beweismittel zustimmen würden, ihre eigene Entlarvung betreiben würden. Aber sie tun lieber, was alle Utopisten am liebsten tun: Paßt die Realität nicht zu den eigenen Utopien, muß sie mindestens ignoriert -, häufiger aber bekämpft werden. Der Wahlbetrug ist so evident wie kaum etwas jemals zuvor. Die Massen weigern sich aber zunehmend, blindlings hinter ihren „Wahrheitsverkündern“ herzulaufen. Möge Donald Trump die Freiheit im Großen bewahren, wenn in Deutschland schon die Friedrich-Naumann-Stiftung im Kleinen scheitert.