Die Corona-Mutation bringt uns den Ultranationalismus zurück – Drosten fällt schon wieder um

Gestrandet am Flughafen - dank der neuen Maßnahmen gegen Corona-Mutationen (Foto:Imago/Xinhua)

Bisher war der Dreiklang aus Politik, Wissenschaft und Medien stets harmonisch, alle drei bildeten eine lückenlose Phalanx der Pandemienekämpfung und Indoktrination der Bevölkerung. Neuerdings hat es den Anschein, als würde eine diese drei Mächte fremdeln: Bei der Gefahrenbewertung der neuen Corona-Mutation wollten ausgerechnet führende Experten nicht mehr mitspielen und scherten aus dem Panikorchester plötzlich aus; sogar Christian Drosten. Weil aber Politik und Medien die Mutation bereits zum Anlass für die nächsten Alarmismusorgien und weitere Verschärfungen bis hin zur nationalistischen Totalabschottung nehmen, müssen die Abweichler eingefangen werden…

So bezweifelt Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery die Aussagen des britischen Premierministers Boris Johnson, wonach die neue Corona-Variante bis zu 70 Prozent ansteckender als das bisherige Virus sein könnte. „Man sollt alle Angaben von Herr Johnson mit außerordentlicher Vorsicht behandeln„, sagte Montgomery dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland„. Selbst wenn sie zuträfen, bedeute dies noch keine erhöhte Gefährlichkeit des Virus, sondern lediglich, dass „unsere Schutzmaßnahmen um 70 Prozent wichtiger werden„, so der Mediziner. Virus-Mutationen seien etwas völlig Normales: „Die sehen wir auch bei anderen Erregern immer wieder.“ Alleine das Pharmaunternehmen Biontech habe seinen Impfstoff bereits bei 19 Mutationen des Coronavirus getestet, und gewirkt habe das Mittel bei jeder dieser Varianten. „Die Mutation betrifft nur einen Teil eines Proteins auf der Oberfläche des Virus, der Impfstoff aber zielt auf das gesamte Protein„, schlußfolgert Montgomery.

Besonders bemerkenswert: Auch der Doyen der deutschen Hofvirologie, Christian Drosten, wollte partout nicht auf den prompt losrollenden Panikzug aufspringen – und gab Entwarnung: Die Datenlage zu der Mutation sei „sehr lückenhaft und wissenschaftlich nicht belastbar„, erklärte er noch gestern früh. Zudem sei das neue Virus „schon in Italien, in Holland, in Belgien, in Dänemark, sogar in Australien – warum sollte es nicht in Deutschland sein?“ Drosten wörtlich: „Davon darf man sich jetzt wirklich nicht irgendwie aus der Ruhe bringen lassen.“

Wer sich noch wunderte, wie nassforsch sich der Charité-Medienstar damit gegen die Regierungs- und Medienlesart stellte, die auf maximale Unruhe gebürstet war, der konnte gestern wieder einmal erleben, wie schnell in Deutschland sogenannte systemrelevante Abweichler auf Kurs gebracht werden: Keine 12 Stunden dauerte es, bis Drosten seine Meinung um 180 Grad geändert hatte – und in den Akkord der Bedenkenträger und Panik zurückkehrte. Gestern Abend noch äußerte er sich zu der Mutation laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ dann völlig anders: „Das sieht leider nicht gut aus!“ – ohne zu erklären, was genau „nicht gut“ aussieht und welche neuen Erkenntnisse er hat, die diese Einschätzung rechtfertigen. Drosten übernahm lediglich die (zuvor von ihm angezweifelten) Behauptungen der britischen Regierung, denen auch die Bundesregierung blind gefolgt war, wonach die Virusmutation „wohl deutlich ansteckender“ sei als die bisher aufgetretenen Varianten. Seine Kehrtwende war absehbar: Mutmaßlich hatten sich ihn Spahn oder Merkel direkt zur Brust genommen und unmissverständlich verdeutlicht, was für ihn auf dem Spiel stünde – mit Erfolg. Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing.

Medien und Politik gleichgetaktet auf weiterem Hardlinerkurs

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Drosten ganz im Sinne des Corona-Regimes seiner eigenen Expertise diametral widersprach: Hatte er noch im Frühjahr zu den Skeptikern einer Maskenpflicht gehört und betont, die wissenschaftlichen Daten zu deren Schutzwirkung gegen Viren seien „nicht gut„, wandelte er sich damals binnen Wochen zum Verfechter eines umfassenden Zwangs zur Mund- und Nasenbedeckung. Derartige Widersprüche versuchte er anschließend in seinen NDR-Podcasts wortreich als zwangsläufige Folge einer in der Natur der Sache liegenden Fluktuation des jeweiligen wissenschaftlichen Kenntnisstandes zu rechtfertigen. Mit ähnlichen Argumenten wird er sich vermutlich auch diesmal wieder herausreden, warum er wieder umfiel – sehr zur Genugtuung der Bundesregierung. Tatsache jedoch ist: Entweder plappert dieser Wissenschaftler ohne nachzudenken stets verfrüht drauf los und muss anschließend ständig seine fehlerhaften Ersteinschätzungen revidieren. Oder er stellt die fröhliche Wissenschaft ganz in den Dienst der Staatsräson, und verlässt sich später auf die Nachsichtigkeit loyaler Journalisten, die ihm seine Widersprüchlichkeit nie unter die Nase reiben.

Wie hätte es jedenfalls wohl ausgesehen, wenn die prominenteste Expertenstimme der Pandemie plötzlich die schon angelaufenen neuen Verschärfungen und aktionistischen Regierungsbeschlüsse zur nationalistischen Totalabkapselung Deutschlands Lügen gestraft hätte? Schließlich hatte Gesundheitsminister Spahn die Mutation ohne jede wissenschaftliche plausible Rechtfertigung sofort zum Anlass genommen, um den „harten Brexit“ bei Einreisen durchzusetzen und den Reiseverkehr zwischen England und auch Südafrika komplett auszusetzen – inklusive Arrestierung von Reisenden auf Flughäfen und Unterbringung von Nichtdeutschen in Hotels zur Zwangstestung und ggf. Quarantäne. Teilweise noch im Flug wurden die Passagiere gestern von den Maßnahmen überrascht. Wenn der einflussreichste Regierungsberater und Virologe gleichzeitig zur Zurückhaltung mahnt, wäre das offensichtliche Lügengebäude der Corona-Hardliner in sich zusammengebrochen.

Nun ist also wenigstens die Katastrophenpropaganda wieder halbwegs mit dem politischen Treiben synchronisiert. Die Schlagzeilen der medialen Einheizer, die praktisch das Programm einer „Pandemie in der Pandemie“ abfahren, können wieder so gut wie unwidersprochen die Mutation zur nächsten Riesenbedrohung erheben, die die bereits existierende Riesenbedrohung nochmals übertrifft. Die übrigen wissenschaftlichen Skeptiker wie Montgomery werden nach und nach sicher ebenfalls umfallen, und solange kommen dann eben die gewünschten Stimmen zu Wort: „Corona-Mutation in Deutschland? Lockdown müsste länger und intensiver sein„, titelte gestern „Welt“ und zitierte damit den Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Gerald Gaß (einen Interessenvertreter und Funktionär mit kaum objektiver Sichtweise). Schizophrenerweise berichtete die „Welt“ in einem weiteren, zeitgleich veröffentlichten Artikel darüber, dass die ach so gefährliche Mutation offenbar bereits seit September in Belgien kursiert – was eigentlich zwingend für deren praktische Bedeutungslosigkeit spricht. Doch wer hinterfragt dies schon.

Zitierkartell wunschgemäß urteilender Experten

Für das pandemische Regime kam diese Mutation jedenfalls gerade zur rechten Zeit: Der Alarmismus des „klassischen Corona“ war mittlerweile ausgereizt. Längst hatten die Dauerwarnungen jeden Grenznutzen überschritten. Es schien schon so, als gäbe es keine Superlative mehr, um die Menschen noch mehr zu verunsichern. Doch jetzt ist mit dem Weihnachtsgeschenk der Mutation endlich ein neuer Vorwand gefunden, mit dem der medial-politische Komplex die nötige Stimmungsbasis erzeugen kann, auf der die intern längst beschlossene nächste Verlängerung des (dann womöglich noch härteren) Lockdowns bis weit über den 10. Januar hinaus als unabdingbare Notwendigkeit verkauft werden kann. Die zerstörerische „Stase“ von Wirtschaft und Gesellschaft wird mindestens bis nach Karneval, eher aber bis Ostern und vielleicht auch noch weitaus länger anhalten. Daran werden auch die fragwürdigen und viel zu knappen Impfungen nichts ändern.

Bei gewöhnlichen Untertanen mag die neuerliche Angstmanipulation durch die „Virusmutation“, die dem Virus neue Bedrohlichkeit verleiht, ja wirken; bei kritischen Beobachtern jedoch bestätigt sich einmal mehr die lange gereifte Einsicht, dass es sich bei dieser Pandemie vor allem um eine politische, hausgemachte Krise handelt, die immer gnadenloser instrumentalisiert wird zur Ausweitung eines potenziell endlosen Ausnahmezustands in Panikkonditionierung. Und dieser führt nun sogar – paradoxerweise ausgerechnet im Deutschland der offenen Grenzen – zu einer Renaissance des Nationalstaats, ja des extremsten Nationalismus, wie man ihn seit 75 Jahren nicht mehr sah. EU-Bürgern wird an Flughäfen erklärt, dass sie abgesondert werden und anders zu behandeln sind als Deutsche. „Fremde“ und Reisende gelten als Sicherheitsrisiko. „Bild„-Chef Julian Reichelt schreibt dazu heute: „Es ist das autoritäre Gehabe derer, die in den letzten Monaten schon so verheerend falsch gelegen haben wie beim Schutz der Risikogruppen.“ Nichts geblieben ist übrigens von der Aussage Jens Spahns im März dieses Jahres: „Das Virus macht vor Grenzen nicht halt!„.

Wo unsinnige Lockdowns im Inland längst zum Selbstzweck geworden sind, ist die Abriegelung des Auslands (vor allem der verhassten britischen EU-Renegaten) nur folgerichtig. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Grenzen Merkeldeutschlands wirklich für alle dicht sind, wie die Bundesregierung gleich gestern bewies: Per eigens gecharterter Sondermaschine ließ sie weitere passdeutsche Mitglieder der Terrormiliz IS aus Syrien einfliegen. Außenminister Heiko Maas frohlockte: „Ich bin sehr erleichtert, dass wir gestern weitere zwölf Kinder und drei dazugehörige Mütter aus Lagern in Nordostsyrien zurückholen konnten“. Humanitäre, angeblich alternativlose Gesten gegenüber dschihadistischen Terroristen, die als Gefährder in den Schoß ihrer deutschen „Heimat“ zurückgeholt werden – während zeitgleich deutsche Bürger ohne Negativtest ebenso wie Geschäftsleute und Reisende aus Großbritannien oder Südafrika samt ihren Familien an Flughäfen wie Kriminelle behandelt werden: Deutlicher lässt sich die Verachtung des eigenen Volkes durch die Regierung nicht illustrieren. (DM)