Schöne Bescherung: Die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten

Der Bundespräsident hält eine Weihnachtsansprache - Foto: Collage

Alle Jahre wieder freut man sich erst auf das Christkind und dann auf die Weihnachtsansprachen von Bundespräsident und Kanzlerin. Während das Christkind die Besinnlichkeit bringt, liefern die beiden Höchstbürger den weihnachtlichen Frohsinn und die Heiterkeit für die lieben Mitbürger. So auch dieses Jahr. Die dankbare Weihnachtsabsprache.

von Max Erdinger

Die Weihnachtsansprache unseres verehrten Herrn Bundespräsidenten wird traditionell in der Druckversion vorab geliefert, dieses Jahr von der Nachrichtenagentur dts. Weswegen der Interessierte schon vorher weiß, worauf er sich freuen darf, wenn er sie dann im Fernsehen vom Profi selbst vorgelesen bekommt. Weshalb man fernsehtechnisch gesehen von einer „Ausstrahlung“ spricht, bleibt weiterhin unklar. Hier also die gedruckte Version zur Steigerung der allgemeinen Vorfreude, garniert mit kleineren Einwänden, damit die Dankbarkeit nicht in jenen kollektiven Jubel ausartet, welcher der Besinnlichkeit den Rest geben würde.

Bald ist es so weit

So wird unser verehrter Herr Bundespräsident in seiner Funktion als Höchstbürger in wenigen Stunden die sehnlichst erwartete Weihnachtsansprache beginnen: „Wann kann ich meine Träume wieder leben?“ – und bleibt damit zunächst im Mysteriösen. Der einfache Mitbürger fragt sich erstaunt, ob denn der Sozialdemokrat nicht schon seit Jahrzehnten ununterbrochen in der Traumwelt lebt, und warum er es auf einmal nicht mehr kann. Jedoch kommt gleich im zweiten Satz heraus, daß es dem Höchstbürger angeblich gar nicht um seine eigenen Träume geht, sondern um die des Mitbürgers. Die Verwunderung hält aber nicht lange an. Unser verehrter Herr Bundespräsident verrät nämlich gleich, wo er die Traumfrage herhat.

Dieser tiefe Seufzer, liebe Landsleute, ist eine von tausenden persönlichen Botschaften, die mich aus allen Teilen unseres Landes erreicht haben. Viele der Zuschriften haben wir in der Adventszeit hier draußen auf der Fassade von Schloss Bellevue zum Leuchten gebracht – jede einzelne ein Zeichen der Sehnsucht am Ende eines Jahres, das wir uns alle ganz anders vorgestellt hatten.“ – und Frank Walter Steinmeier wäre nicht unser verehrter Herr Bundespräsident, wenn sich die hellwachen Geister im Lande, die sogenannten Verschwörungstheoretiker also, nicht sofort auf die Suche nach dem Haar in der Wortsuppe machen würden. Sie werden fündig. Es ist das Wörtchen „alle“. Was nämlich ein gestandener Verschwörungstheoretiker ist, glaubt er nicht, daß sich wirklich „alle“ das Jahr 2020 „anders vorgestellt hatten“, sondern er behauptet, daß einige ziemlich genau Bescheid gewußt haben müssen über das, was kommen würde. Aber das trübt auch beim Verschwörungstheoretiker die weihnachtliche Ansprachsvorfreude noch nicht in einer solchen Weise, als daß er sich den Rest der präsidialen Rede bereits ab diesem Punkt schenken würde. Er ist sich sicher: Da kommt bestimmt noch etwas Frohsinniges nach. Der Herr Bundespräsident wird ihn schon nicht enttäuschen. Weil er das noch nie gemacht hat.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, was für ein Jahr!“ – wie jetzt? Bürgerinnen und Bürger? Waren das nicht früher immer Mitbürgerinnen und Mitbürger? Wo ist das „Mit-“ hingekommen? Ob das „Mit-“ wohl an oder mit Corona verstorben ist? Unser verehrter Herr Bundespräsident: „Ein winziges Virus hat Besitz ergriffen von unserem Leben und unserem Denken, hat Pläne durchkreuzt und Träume zerstört.“ – und schon haben wir sie wieder, diese unnachahmliche Ungenauigkeit, die aus einem Sozialdemokraten erst einen richtigen Präsidenten macht. Das Denken gehört nämlich zum Leben. Das läßt sich nicht trennen in „unser Leben“ einerseits und „unser Denken“ andererseits. Tatsächlich ist es so gewesen, daß das Virus hauptsächlich Besitz ergriffen hat von „unserem Denken“ – oder von dem, was man landläufig für Denken hält – , und erst in der Folge des Gedankens ergriff es dann auch Besitz von unserem Leben. Obwohl auch das nicht ganz genau so gewesen ist. Eigentlich war es so: Erst ergriff das Virus Besitz von „unserem Denken“ – und dann ergriff die Regierung Besitz von „unserem Leben“, nicht das Virus. Da muß man schon genau sein in der pluralistischen Gesellschaft. Tatsächlich ergriff das Virus nur von einem sehr kleinen Teil des „Unserlebens“ Besitz, während das „Unserdenken an das Virus“ vollständig von Politik und Medien gekidnappt wurde. Ist es nicht wunderbar, daß wir einen verehrten Herrn Bundespräsidenten haben, an dessen Ansprachen wir uns reiben können, anstatt einfach an einer aalglatten Rednerfigur abzurutschen? Doch, so ist es. Seien wir also besinnlich gespannt auf die weiteren Worte unseres Höchstbürgers.

Wir mussten auf so vieles verzichten, auf das wir uns gefreut hatten: Fußball im Stadion, Kino und Konzert, die Reise in den Urlaub, die Feier zur Hochzeit und vieles andere mehr.“ – und auch dieser Satz ist wieder gut für jede Menge Reibungswärme in der kalten Jahreszeit. „Wir“ mussten nämlich sehr unterschiedlich verzichten. Mit Fußball, Reisen und Hochzeitsfeiern hatte das gar nicht hauptsächlich etwas zu tun, sondern vor allem mit „unseren“ Grundrechten. Unser verehrter Herr Bundespräsident mußte z.B. praktisch überhaupt nicht auf sein Demonstrationsrecht verzichten, weil er sowieso äußerst ungern auf die Straße geht, um gegen die Politik der Bundesregierung zu protestieren. Und beim übrigen „Wir“ gab es die unterschiedlichsten Verzichtsstufen. Während Beamte und andere Staatsbedienstete auf nicht einen einzigen Cent ihrer Gehälter verzichten mussten, verlor ein beträchtlicher Teil von „Wir“ seine ganze Existenzgrundlage. Jener Teil wäre direkt bis nach Weihnachten froh & munter geblieben, wenn es auch für ihn nur um Fußball, Reisen und die eigene Hochzeit gegangen wäre. War aber nicht so. Keiner hat sich erhängt, weil er nicht Hochzeit feiern durfte, etliche jedoch, weil ihr Lebenswerk ruiniert worden ist, weshalb sie nicht mehr wussten, wie sie den Strom für das Fernsehgerät bezahlen sollen, den sie gebraucht hätten, um sich von der Weihnachtsansprache des Herrn Bundespräsidenten aufrichten zu lassen.

Die Pandemie hat uns daran erinnert, wie verletzlich wir Menschen sind, wie zerbrechlich das ist, was wir unser `normales Leben` nennen.“ – und das stimmt so auch nicht. Bei weitem nicht jeder hätte erst die Pandemie in „unserem Denken“ gebraucht, um zu wissen, wie zerbrechlich das Leben ist. Jedes Jahr gibt es über 3.000 Menschen, die in der Früh noch aufstehen und am Abend mausetot sind, weil sie zerbrechlicherweise ihre Teilnahme am Straßenverkehr nicht überlebt haben. Sie selbst sind davon allerdings nicht mehr überrascht. Vor ungefähr zwanzig Jahren hat es z.B. völlig virusfreie „die Menschen“ erwischt, die nichtsahnend von einem Bergrutsch auf der Brennerautobahn in Südtirol lebendig begraben wurden. Virus ist nur eine Möglichkeit, das „normale Leben“ zu verlieren. Prinzipiell besteht diese Möglichkeit jeden Tag aus tausend unterschiedlichen Gründen. Wer zum Beispiel mit einem Eisenknüppel seinen Fernseher zertrümmert, während gerade die Weihnachtsansprache unserer verehrten Frau Bundeskanzlerin läuft, kann mit einem Stromschlag sein „normales Leben“ beenden. Aber sei´s drum. Wie geht´s weiter mit der präsidialen Weihnachtsansprache? – So: „Aber etwas anderes haben wir auch erfahren dürfen: wie stark wir sind, wenn wir aufeinander achtgeben und füreinander da sind. Weihnachten in diesem Jahr – das ist ein anderes Weihnachten. Ein Fest der Liebe: ja!“ – aha, das mit der weihnachtlichen Liebe scheint also gleichgeblieben zu sein. „Aber gerade an diesen Tagen, an denen wir einander besonders nahe sein wollen, müssen wir Abstand halten.“ – das ist die präsidiale Präzisierung. Die weihnachtliche Liebe ist dieses Jahr eine Abstandsliebe. „Wir – auch ich – vermissen Freunde und Verwandte, die wir das ganze Jahr über nicht sehen konnten.“ – daß ich unseren verehrten Herrn Bundespräsidenten eines Tages noch einmal liebevoll umarmen wollen würde, um ihn in seiner Seelenpein zu trösten, hätte ich mir vergangenes Jahr auch noch nicht vorstellen können. Und doch ist es so. Wenn es nicht geschwindelt ist.

Der weihnachtliche Herr Bundespräsident: „Viele Ältere und Kranke bleiben allein, um sich vor dem Virus zu schützen. Für manche, gerade Jüngere, war diese Stille Nacht viel zu still. Vielleicht haben wir noch an keinem Weihnachten so sehr gespürt, wie wichtig uns Menschen sind, wie sehr wir auf andere angewiesen sind: auf ihre Anwesenheit, ihre Zuneigung, auf das Gespräch mit ihnen. Das ist gut zu wissen. Aber unbeschwert Weihnachten zu feiern, das fällt trotzdem schwer. Ich denke an die Frauen und Männer, die in diesen Stunden auf den Intensivstationen mit dem Virus ringen. An ihre Nächsten, die um sie bangen. Ich denke an die Menschen, die den Kampf gegen die Krankheit verloren haben. Viele sind einen bitteren, einen einsamen Tod gestorben, und sie alle fehlen.“ – warum denkt er jetzt an Frauen und Männer? Denkt er nicht sonst immer an „die Menschen“? Daß die Unbeschwertheit schwer fällt, stimmt zweifellos. Es ist eben eine weihnachtliche Rede, eine, die der verehrte Herr Bundespräsident wegen eines besonderen Ereignisses hält. Vermutlich fehlen ihm deswegen auch nur alle diejenigen Frauen und Männer, die den Kampf gegen „die Krankheit“ – eigentlich „diese Krankheit“ – verloren haben. Diejenigen, die einen Kampf gegen irgend eine andere Krankheit verloren haben, fehlen an Virusweihnachten nur so gewöhnlich wie in jedem anderen Jahr. Und ehrlich gesagt: Es waren ja gar nicht so viele, die in der allgemeinen Gewohnheits-Sterblichkeit ausgerechnet am besonders betrauerungswürdigen Virentod verschieden sind. Immerhin liegt der statistische Altersdurchschnitt der an oder mit Corona Verstorbenen exakt auf dem Niveau der durchschnittlichen Lebenserwartung aus virenfreien Jahren. Na ja, an Weihnachten geht´s unter Gefühlsgesichtspunkten sowieso immer ein wenig dramatischer her, als, sagen wir, am 1. Mai, wenn die junge Arbeiterklasse auf wenig feinfühligen Krawall gebürstet ist.

Unser verehrter Herr Bundespräsident jedoch, einmal im „richtigen“ Fahrwasser, unverdrossen weiter: „Meine Gedanken ….“ – gottlob sind es seine, nicht meine – „… sind auch bei denen, die sich von den Folgen der Infektion nur mühsam erholen. Und sie sind bei unseren europäischen Nachbarn, die die Pandemie mindestens ebenso hart trifft wie uns. Uns allen haben die Einschränkungen, die wir uns auferlegen mussten, zugesetzt.“ – das ist schon erstaunlich. Ohne die Weihnachtsansprache unseres Höchstbürgers hätten „wir“ glatt angenommen, „uns“ seien die Einschränkungen auferlegt worden. Wie gut ist da doch der Hinweis des verehrten Herrn Bundespräsidenten, daß „wir uns“ die Einschränkungen selbst auferlegt haben. „Wir“ hätten es sonst womöglich vergessen. Und seien „wir“ einmal gnadenlos ehrlich: Wer von „uns“ hätte angesichts des allseits beliebten Kolonialwarenhändlers aus dem Städtchen, der sich wegen der Pleite, die er sich auferlegt hatte, auch noch in den Rathausarkaden erhängte, wo er wegen der Ausgangssperre erst einmal unbemerkt stundenlang im Weihnachtswind vor sich hinbaumelte, noch an seine lieben europäischen Nachbarn gedacht? – Eben. Niemand. Schweres Versäumnis, moralisch vor allem. Präsidiale Weihnachtsansprachen sind schon sinnvoll. Sie erleichtern es einem, an alles zu denken, woran man denken muß.

Schulkinder sind genervt vom unregelmäßigen Unterricht …“ – was jetzt wirklich eine höchstbürgerliche Übertreibung ist. Die sind nämlich schon vom regelmäßigen Unterricht genervt – „ … Familien erschöpft nach fast einem Jahr Homeoffice und Homeschooling. Künstler, Gastwirte und Hoteliers fürchten um ihre Existenz, Einzelhändler sind besorgt wegen der erneuten Schließung von Geschäften. Fröhlich sind diese Weihnachten wahrlich nicht überall.“ – und warum nicht? Weil die Furcht vor dem Verlust der Existenz schlimmer ist, als der tatsächliche Verlust der Existenz? – So muß es wohl sein. „Unser“ präsidialer Höchstbürger würde uns schließlich niemals einen beschönigenden Seim in die Gehörgänge schmieren. Deswegen bin ich auch sicher, spätestens die Bundeskanzlerin wird in ihrer Weihnachtsansprache verkünden, daß sie selbst, der Höchstbürger und alle Bundestagsabgeordneten, ganz besonders aber der Herr Impfegates, solidarisch auf 90 Prozent ihrer Einkünfte verzichten werden, um den ganzen Verzichtszaster mit den von der Existenzfurcht Zerfressenen zu teilen. Wegen der weihnachtlichen Liebe zu den „die Menschen“, die sich die Einschränkungen in großer Selbstlosigkeit auferlegt haben.

Dennoch: Vergessen wir bitte neben den vielen dunklen die hellen Seiten dieses Jahres nicht. Gerade in diesen Tagen erleben wir doch: Das Virus treibt uns nicht auseinander“ – wie schön. Es wäre schon schlimm, wenn „uns“ das Virus auseinandertreiben würde. Gottlob sind es aber die Covidioten, die uns auseinandertreiben. Denen wünschen wir lieber keine Fröhlichen Weihnachten, so lange es hell ist. Lasset uns stattdessen loben den Herrn für den Höchstbürger, welchen er uns in seiner ganzen Güte und göttlichen Gnade geschickt hat. Wenn es nicht seine Gnadenlosigkeit gewesen ist. Der verehrte Herr Bundespräsident gefühlvoll weiter: „Im Gegenteil, es lässt uns zusammenrücken. Unser Land ist ein starkes Land, weil so viele Menschen für andere da sind und in der Krise über sich hinauswachsen. Ich danke allen, die im Kampf gegen das Virus in der ersten Reihe stehen, die bis zur Erschöpfung arbeiten und ihre eigene Gesundheit riskieren – von der Ärztin bis zum Pfleger, von der Erzieherin über den Wissenschaftler bis zum Busfahrer. Unser Land ist ein starkes Land, weil wir die Lasten der Krise gemeinsam schultern.“ – hmmm, ob es wohl sein kann, daß unser Höchstbürger den Singehalt des Wörtchens „gemeinsam“ nicht richtig verstanden hat? Meinereiner würde schon gern einmal selbst überprüfen, wie das aussieht, wenn er Lasten „gemeinsam“ auf seinen Schultern trägt. Aber wie gesagt: Die Weihnachtsansprache der Bundeskanzlerin kommt ja erst noch. Sie wird „uns“ bestimmt erzählen, welche Lasten das genau sind, die sie selbst, der Höchstbürger und „wir gemeinsam schultern“. Und den Busfahrer, der unseren verehrten Herrn Bundespräsidenten mitten in der Virenkrise vor dem Schloß Bellevue hat aussteigen lassen, – den finden wir bestimmt auch noch.

Unser Staat greift denen unter die Arme, die wirtschaftlich in Not geraten.“ – so haben „wir“ das gern. Erst im Pluralis Majestatis vom eigenen Staat reden – und dann auch noch den Verzweifelten unter die Arme greifen. Das ist schier zu viel der weihnachtlichen Zudringlichkeit. „Viele von Ihnen unterstützen den Laden ums Eck …“ – ja, aber nur, wenn er nicht zwangsweise geschlossen bleiben muß – „ …die Musikschule, den Sportverein. Oder Sie leisten Großartiges im Ehrenamt.“ – wobei natürlich noch besser ist, daß Großartiges nicht nur im Ehrenamt, sondern auch im höchsten Amt geleistet wird, wie sich an dieser Weihnachtsansprache unschwer erkennen läßt. „In einer Zeit der Verunsicherung haben wir gelernt, dass wir unserer Demokratie vertrauen können.“ – und dazu gibt es sogar eine Analogie im wahrsten Sinn der ersten vier Buchstaben des Wortes. Denn wer von „uns“ hätte nicht bereits gelernt, daß er in Zeiten des Durchfalls auch neben die Schüssel scheißen kann? – Eben. Das mit der Demokratie war ein sehr geistreicher Satz des Höchstbürgers. Meine Verehrung. „Wir haben um den richtigen Weg gestritten – und Entscheidungen dann doch gemeinsam getragen.“ – eigenartig, wie wenig man vom Streit der Kanzlerin mit den sechzehn Ministerpräsidenten mitbekommen hat. Die Parlamente haben jedenfalls nicht mitgestritten.

Diejenigen, die die Gefahr des Virus leugnen, sind zwar oft besonders laut. Aber die Vernünftigen sind die große Mehrheit.“ – und das ist ja nun endgültig richtig falsch. Niemand leugnet die Gefahr des Virus. Vor allem leugnen gerade die Vernünftigen nicht, daß die Gefahr des Virus im Konzert der Gefahren keine derartig große ist, als daß die Grundrechte geschleift werden müssten und wirtschaftliche Existenzen alternativlos zu ruinieren seien. Daß die Vernünftigen die große Mehrheit stellen, wäre historisch betrachtet übrigens auch das erste Mal. Nicht umsonst gibt es über Volkes Stimme den folgenden, sehr despektierlichen Spruch: „Vox populi, vox Rindiveh“. Der verehrte Herr Bundespräsident jedoch unverdrossen über seine „Vernünftigen“: „Sie sorgen dafür, dass wir Menschenleben schützen und die Krise bewältigen können. Das ist die gute Nachricht dieses Jahres. Und deshalb ist auch dieses Weihnachten ein Fest der Hoffnung!“ – und hier verdichtet sich der Verdacht endgültig zur Gewißheit, daß die Sozialdemokratie nicht von Ferdinand Lasalle, sondern von Pippi Langstrumpf erfunden worden ist. Sie machen sich die Welt widde-widde-wie sie ihnen gefällt. Daher: „Die allermeisten Menschen in unserem Land handeln rücksichtsvoll und solidarisch – nicht, weil der Staat es ihnen befiehlt, sondern aus Vernunft, Mitgefühl und Verantwortung.“ – schade, daß unser verehrter Herr Bundespräsident als Höchstbürger ein solch gravierendes Problem mit der Logik hat. Weil: Wären Vernunft, Mitgefühl und Verantwortung die Triebfedern der allermeisten Menschen in ihrer wirrologischen Verzagtheit, müsste ihnen der Staat überhaupt nichts befehlen. Stimmt, oder? Er befiehlt aber. Warum also?

Gegen Ende seiner Weihnachtsansprache äußert dann auch der Höchstbürger im Schloß Bellevue noch seine Weihnachtswünsche. Er sagt: „Ich wünsche mir, dass wir diesen Bürgersinn mitnehmen in das kommende Jahr.“ – na ja, wird schon klappen. Erster Januar ist ja bald. Arg viel weiter als bis, sagen wir Sommer 2021, wird der Bürgersinn aber nicht mehr reichen. Muß er auch nicht. Meinereiner ist guten Mutes, daß der alte Bürgersinn im Laufe des kommenden Jahres durch einen neuen ersetzt werden wird. Und weil wir in Deutschland sind, werden viele Bürger dann sagen, der neue Bürgersinn sei eigentlich schon immer der ihre gewesen. Das hat mit den historisch seltenen Vorgängen in den USA zu tun, die dieser Tage Gestalt annehmen. Unser verehrter Herr Bundespräsident wird gleich darauf zu sprechen kommen und eine Fehleinschätzung abliefern. Zunächst aber geht es so weiter: „Eines liegt mir dabei besonders am Herzen: Die Pandemie hat viele junge Menschen ausgebremst, junge Menschen, die in den Beruf einsteigen, eine Ausbildung oder ein Studium beginnen wollen. Seien wir jetzt auch solidarisch mit ihnen. Sorgen wir dafür, dass die Jüngeren in eine bessere Zukunft aufbrechen können.“ – und das war jetzt ein überflüssiger Wunsch, weil das alte „wir“ höchstwahrscheinlich nicht mehr dafür sorgen wird. Aber gemach, wir sind gleich am springenden Punkt. Vorher das noch: „Wie viel wir doch miteinander bewegen können, das erleben wir gerade jetzt in der Krise. Aus dieser Erfahrung können wir Mut und Kraft schöpfen, auch um uns gegen andere Bedrohungen wie den Klimawandel oder gegen Hunger und Armut zu engagieren.“ – keine Überraschung. Menschheit, Planet, Weltklima. Die Lieblingswörter des Unverbesserlichen. „Lassen Sie uns gemeinsam handeln – in unserem Land, in Europa, mit einer neuen Regierung jenseits des Atlantik, auch weltweit.“ – so, und jetzt sind wir am springenden Punkt. An dem hängt absolut alles. Was die meisten Medienkonsumenten in Deutschland nicht wissen können, weil es ihnen von „ihren Medien“ systematisch vorenthalten wird und weil sie selbst vom amerikanischen Wahlprozedere keine Ahnung haben: Sehr wahrscheinlich wird es keine neue Regierung jenseits des Atlantiks geben, sondern Donald Trump wird US-Präsident bleiben. Und genau das ist, politisch betrachtet, die frohe Botschaft in diesen Weihnachtstagen des Jahres 2020. In diesen Tagen und Stunden kristallisiert sich nämlich eine historische Ausnahmesituation in den USA heraus: Das Votum des Electoral College wird im Repräsentantenhaus zurückgewiesen werden, und diese Zurückweisung wird aus dem Senat heraus unterstützt werden. Es geht nämlich um den massivsten Wahlbetrug der amerikanischen Geschichte, mithin um den Fortbestand der Vereinigten Staaten als „die freie Welt“. Nach der Zurückweisung des Wahlmännervotums im US-Kongreß – sowohl Mitglieder des Repräsentantenhauses als auch Senatoren haben das bereits angekündigt – wird es zur historisch sehr seltenen „Contingent Election“ kommen. Und die wird Donald Trump gewinnen, weil nach der Anzahl der Bundesstaaten abgestimmt wird, nicht nach Zahl der Mitglieder im Repräsentantenhaus. Nach Zahl der Bundesstaaten, die dann mit je einer Stimme abstimmen, hat Trump einen Vorsprung von sieben Stimmen, schon bevor die Abstimmung überhaupt losgeht. Danach geht´s dann richtig rund auf dem Globus. Und die Bundesregierung wird jener transatlantischen Schutzhand, die derzeit noch aus „Brücken“, multimilliardenschweren „Philanthropen“ – Stiftungen, Medienkonzernen und NGOs besteht, peu a peu verlustig gehen. Der gesamte deutsche Medien-Mainstream wird im Laufe des Jahres 2021 aussehen wie gerupfte Hühner. Der bundesdeutsche Höchstbürger wird dastehen wie der Kaiser ohne seine Kleider.

Aber lassen „wir“ ihn getrost noch etwas Weihnachts-Sand in unsere Augen streuen. Das macht er so: „Und immer mit einem Blick auf die, die in anderen Teilen der Welt mit weit weniger Chancen geboren werden.“ – Menschheit, Planet, Weltklima. „Ja, wir haben allen Grund zur Zuversicht.„- das stimmt. Nur sind diese Gründe nicht die, die unser Höchstbürger für die maßgeblichen hält. „Seit dieser Woche sind Impfstoffe zugelassen, ab übermorgen wird geimpft.“ – nur über meine Leiche. „Vor uns liegt noch ein längerer, auch beschwerlicher Weg.“ – den Pluralis Majestatis auch hier wieder unterstellt: Das könnte stimmen. „Aber wir sehen das lang ersehnte Licht am Ende des Tunnels heller werden. Wir werden dem Ausgang aus der Krise jetzt Schritt für Schritt näherkommen. Wie lang der Weg noch sein wird, hängt auch von uns ab. Bleiben wir auf den letzten Metern vernünftig und geduldig, dann werden wir nach und nach vieles wieder tun können, auf das wir lange verzichten mussten. Liebe Bürgerinnen und Bürger, eine schwere Zeit liegt hinter uns.“ – ja, hinter den Bürgern könnte sie tatsächlich bald liegen. Auch, wenn das Aufräumen nicht einfach werden wird. Für den Höchstbürger könnte die schwere Zeit dann allerdings erst richtig losgehen. „Die Pandemie wirft ihren Schatten auch auf dieses Weihnachtsfest.“ – nein, es sind der verehrte Herr Bundespräsident und die Seinen in Regierung und Parteien, die ihre Schatten aus Gründen des eigenen Machterhalts auf dieses Weihnachtsfest geworfen haben. Das war nach dem ersten Lockdown absolut „alternativlos“ für sie geworden. Allerweil hoffen sie noch, sich durch den „Great Reset“ in Sicherheit zu bringen. Nach der kommenden Desavouierung des Medien-Mainstreams diesseits und jenseits des Atlantiks samt der Zerschlagung des Zensurkartells von Big Tech (48 US-Bundestaaten haben diesbezüglich bereits Kartellklage eingereicht) wird auch hierzulande ein enormer Erkenntnisgewinn bei den lieben „die Menschen“ einsetzen, in dessen Folge eine enorme Wut selbst bei denen entstehen wird, die der gegenwärtige Höchstbürger noch als die „vernünftige Mehrheit“ bezeichnet. Herr Frank Walter Steinmeier: „Aber wir dürfen uns darauf freuen, dass wir das nächste Weihnachten wieder so feiern, wie wir es lieben: im großen Kreis der Familie, mit unseren Freunden, mit Umarmungen und Gesang. Möge doch die Vorfreude darauf uns diese außergewöhnlichen Feiertage verschönern helfen. Ihnen allen gesegnete Weihnachten!“ – dieser Hoffnung und diesem Wunsch schließt meinereiner sich vollumfänglich an. Da paßt kein Blatt Papier zwischen den verehrten Herrn Bundespräsidenten und ihn selbst. So geht Einigkeit.