Badische Zeitung lässt die Weihnachtsgeschichte demontieren

Aus "Weihnachten" mach "Festtag der Buntheit und Toleranz" (Foto: Collage)

Der Kulturkampf frisst ein Kind nach dem anderen, nichts ist mehr tabu. Wann trauen sich die Schreiberlinge an die Demontage Muhammads?

Von Albrecht Künstle

Vor wenigen Wochen war ich in einer Verfassung, nicht mehr schreiben zu wollen. „Mir fällt vieles auf, aber bald nichts mehr dazu ein“, fasste ich meine Ohnmacht zusammen. Diese bekam mir aber nicht gut. Mir fiel täglich immer noch viel auf, aber weil ich mir den Ärger nicht von der Seele schrieb, konnte ich fast nicht mehr schlafen. Aber ich wollte langsamer treten und nur noch einen Artikel in der Woche absetzen. Doch die Tagespolitik lässt das kaum zu.

Mir geht es wie Henryk M. Broder, der auf der Umschlagseite seines neuen Schmökers „WER WENN NICHT ICH“ verriet, dass es sich quasi alleine schrieb. So wie sein Guru und Idol Hanns-Dieter Hüsch sagte, „Hingehen, hinhören, nach Hause gehen, aufschreiben und vortragen.“ Nur haben sich die Zeiten geändert. Hingehen ist wegen Lock- und Shutdown verboten. Das 11. Gebot heißt daheimbleiben, nach Hause gehen wurde zum Fremdwort. Aber es wird einem auch so genug Stoff nach Hause geliefert, man mag die Fernsehnachrichten gar nicht mehr einschalten. Sie beginnen mit jemandem, der jemandem in der Nase herumstochert, und die Nachrichten enden damit, dass jemand anderer wiederum einem anderen im Rachen herumstochert. Widerlich und eklig, ich kann‘s nicht mehr sehen, weshalb ich lieber die Zeitung aufschlage.

Doch war die Weihnachtsausgabe der Badische Zeitung noch widerwärtiger, womit ich beim Schwerpunkt dieses Artikels bin. Da lieferte dieses Blatt mit dem hauseigenen MAGAZIN eine Doppelseite, deren halbseitiges Titelbild das Ölgemälde des Barockmalers Murillo „Anbetung der Hirten“ (1657) an der Wiege zeigt. Schööön denke ich auf den ersten Blick. Doch irritierte mich der Aufmacher O beugt wie die Hirten …“ die Knie und ich war gespannt, was mich da auf der Rückseite wohl erwarten würde. Und da traf mich fast der Schlag:

Seitenmittig ein knieender Schwarzer mit einem Baby auf dem Arm, der bei Dakar in der senegalesischen Wüste nicht etwa Allah dankte, dass ihm eine seiner muslimischen Frauen ein weiteres Kind schenkte und er so zur Bevölkerungsvermehrung (+2,4% pro Jahr) seines islamischen Landes beigetragen hat. Und dass sein Kind nicht bei der letzten Autorally das Leben verlor. Nein, sein Kniefall war in der Bildunterschrift erklärt: „Black Lives Matter, ein Vater protestiert im Juni 2020 in Dakar gegen Rassismus“. Schlimm, denke ich, Rassismus sogar in Schwarzafrika? Und dazu in einem zu über 90 Prozent islamischen Land?

Doch damit nicht genug, sondern zwei weitere Bilder: Drei amerikanische Sportler knien 2016 (vor wem?) „gegen rassistisch motivierte Gewalt“. Also mit George Floyd konnte das nichts zu tun gehabt haben. Aber daneben ein Bild mit amerikanischen Cops, denen man den aufrechten Gang abgewöhnte und die sich im Mai 2020 allesamt im Kniefall übten. Vielleicht wäre das alles nicht so weit gekommen, wäre Floyd bei dem Polizeieinsatz auf die Knie gegangen, statt sich der Polizei zu widersetzen. Aber wie kommt eine Zeitungsredaktion auf die Idee, solche weltlichen Kniefälle in einen Zusammenhang mit der Verbeugung der Hirten in Bethlehem zu bringen?

Dann wurde es in der Zeitungsausgabe noch unverschämter: „Die gar nicht so Heilige Nacht“ war die Überschrift eines Interviews im KULTURteil (?) mit einem Simone Paganini, Autor eines Buches mit dem reißerischen Titel „Von wegen Heilige Nacht! Der große Faktencheck zur Weihnachtsgeschichte“. Schon wieder ein Faktencheck, war ich erschrocken. Eine Christa führte das Interview zu diesem Christfest, dann konnte eigentlich nichts schiefgehen? Leider doch, weil diese Christa die Behauptung aufstellte, dass „sich schon die Evangelisten widersprechen“. Man lernt nie aus, denke ich, denn bisher war ich der begründeten Meinung, dass diese zwar unterschiedliche Schwerpunkte und Berichtsstile pflegten, aber die Evangelien trotz ihrer zeitlichen Abstände erstaunlich ergänzend sind.

Von dem Autor wird ziemlich alles der Weihnachtsbotschaft in Frage gestellt, förmlich zerrissen. Aber meist geht es um so banale Dinge wie um Ochs und Esel. Und ob Maria und Josef vielleicht bei Verwandten unterkamen und nicht in einem abgelegenen Stall. Aber auch, ob Josef Zimmermann war, scheint bestritten zu werden. Zugegebenermaßen habe er Häuser gebaut. Aber vielleicht war er auch Architekt, Betonbauer oder Elektriker? So etwas ist aber eher belustigend.

Anders wenn die These vertreten wird, Kaiser Augustus habe den Befehl zum Steuern eintreiben im Frühling gegeben statt zur Winterzeit. Wird ein römischer Herrscher für so blöd gehalten, dass er das tributpflichtige Volk in einer Zeit von der Arbeit abhält, wo dieses die Grundlagen für seinen Tribut schaffen und das Land bestellen soll? Auch ob es drei Weise waren, sei fraglich. OK, hätte dieser Paganini damals schon gelebt, wären es vielleicht vier (?) Weise gewesen.

An anderer Stelle geht es aber ans Eingemachte. „Was ist dran am Kinderschlächter Herodes?“, fragte Christa. „Eine echte Crime-Geschichte“ war die Antwort. Da „Herodes der Große“ genannt wird, habe er auch Großes geleistet. Und so jemand meuchelt keine Kinder? Welch eine Logik. Wieviel „Große“ gab es in der Geschichte mit mehr als zwei Gesichtern. Der Geschichtsschreiber Flavius Josephus habe dem Großen Herodes keinen Kindermord nachgesagt, so „Faktenprüfer“ Paganini.

War der Kindermord Herodes nicht zuzutrauen? Ich zitiere aus einer anderen Quelle: „Kurz vor seinem Tod, so der Bericht des Josephus, habe Herodes die angesehensten jüdischen Männer aus dem ganzen Land im Hippodrom von Jericho einschließen lassen. Er fuhr fort: „Ich weiß, daß mein Tod ein Freudenfest für die Juden sein wird. Ich habe aber die Macht … eine prächtige Totenfeier zu erhalten. … Soldaten sollen jene verhafteten Männer umstellen und im Augenblick meines Todes töten …“ (Flavius Josephus: Jüdischer Krieg 1,659f.).

Dieser Herodes ließ die eine und andere seiner zehn Frauen beseitigen, darunter sogar seine liebste Mariamme. Einige der Verwandten wurden hingerichtet, zwei Söhne erdrosselt. Dann ließ er 300 langgediente Soldaten töten und im Jahr der Geburt Jesu Christi 6.000 Pharisäer verhaften. Einige von ihnen prophezeiten die Ankunft des Messias und wurden deshalb hingerichtet. Und so jemand soll vor wehrlosen Kindern zurückschrecken? Vielleicht lag die Nichterwähnung des Kindermordes durch Flavius Josephus daran, dass Herodes und Kaiser Augustus dicke Freunde waren und der Geschichtsschreiber zuletzt als „Hofberichterstatter“ in Rom lebte.

Zwar käme für den Kindermord auch sein Sohn Herodes Antipas, infrage, der ihm in fast jeder Beziehung folgte. Herodes der Große verstarb eigentlich im Jahr 4 v.Chr., also vor Christi Geburt, kommt aber trotzdem nicht als der Kinderschlächter infrage. Denn bei der gregorianischen Kalenderumstellung hat man sich um 7 Jahre verhauen, Jesu Geburt fiel also tatsächlich in die letzten drei Jahre des Lebens des großen Herodes. Antipas war nicht weniger skrupellos wie sein Vater und ließ z.B. Johannes den Täufer hinrichten. Und war schließlich an der Kreuzung Jesu Christi beteiligt. Immerhin wird die Leidensgeschichte von den „Faktenprüfern“ der Badische Zeitung nicht in Frage gestellt? Aber warten wir mal die nächste Karwoche ab.

Welcher Teufel reitet eigentlich eine Zeitung, die Weihnachtsevangelien der Lächerlichkeit preiszugeben. Neulich wurde bestritten, dass es Germanen gab und Arminius zum einfachen römischen Legionär degradiert. Und dem Hl. Nikolaus und St. Martin wurde Unehrenhaftes angehängt. Was ist der Grund einer Regionalzeitung für ein solches literarisches „Cancel Culture“?

 Ein Vorschlag Herr Paganini, schreiben Sie auch ein Buch über die Entstehung von Muhammads Korangeschichte. Das Honorar könnte vielleicht reichen, um nach der Buchveröffentlichung Ihre Beerdigungskosten zu decken.