Corona-Impfung für die Katz?

Foto: Corona-Impfzentrum (über dts Nachrichtenagentur)

Die Werbetrommel für die Corona-Impfung beschallt das Land, als ob es ums Überleben der Gesellschaft ginge. Aber es gibt auch immer wieder Stimmen, die Zweifel am Nutzen dieser Maßnahme säen:

Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notallmedizin (DIVI), hält es für gut möglich, dass Impflinge andere Personen mit dem Coronavirus infizieren können. Die Viren könnten dem Geimpften nicht mehr schaden, aber sich vermutlich dennoch vermehren und ausbreiten, sagte Janssens dem „RTL Nachtjournal“. „Das ist noch nicht letztendlich geklärt. Deshalb gilt für die nächsten Monate weiter: Abstand halten, Mund-Nasen-Bedeckung tragen, auch, wenn man geimpft ist.“ Zu der Forderung von FDP-Chef Christian Lindner und Anderen, dass der Impfstoff in Lizenz von anderen Pharmafirmen produziert werden solle, entgegnete Janssens, es handele sich um einen biotechnisch zu komplizierten Prozess. „Ich würde jetzt keine Schnellschüsse machen und einfach sagen, wir konstruieren jetzt den Impfstoff zackzack irgendwo anders“, sagte der Mediziner.

„Ich würde darauf vertrauen, dass das gründlich weiter gemacht wird. Denn sonst sind doch die ersten Impfgegner wieder am Start und sagen, das ist doch gar nicht mehr der richtige Impfstoff. Und dann haben wir eine Riesen-Diskussion.“

Dass es überhaupt schon einen Impfstoff auf dem Markt gebe sei „sensationell“, so der DIVI-Chef. „Lassen wir uns das jetzt doch nicht kaputtreden von der Politik, die meint, es müsste jetzt noch schneller gehen.“

Das verstehe, wer will. Denn das klingt so, als ob es sich hierbei um ein Medikament handeln würde, dass den Schaden nach einer Infektion gering hält und nicht immun gegen Covid-19 macht. Also entweder der Experte ist verwirrt, oder wir werden mal alle wieder mächtig verarscht.

Aber sowas trübt die Stimmung natürlich nicht wirklich:

Die Pharmaindustrie rechnet nämlich damit, dass in Deutschland schon bald eine größere Zahl an Dosen mit Corona-Impfstoff zur Verfügung steht. „Wir sehen in Deutschland sechs Tage nach der Zulassung erste Corona-Impfungen, und wir werden im Januar noch deutlich mehr Impfungen haben, weil immer mehr der vom Staat bestellten Mengen geliefert werden“, sagt Han Steutel, Präsident des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (VFA), der „Rheinischen Post“ (Dienstag). Nach seinen Worten funktioniere dies nur, weil die Hersteller vorproduziert hätten.

„Jeder weitere Hersteller, der eine Zulassung erhält, wird ebenfalls mit vorproduzierten Chargen schnell im Markt sein“, prophezeite Steutel. Er verwies darauf, dass gerade überall in Deutschland Produktionskapazitäten für den Corona-Impfstoff hochgefahren würden, etwa in Mainz, Idar-Oberstein, Marburg, Laubheim, Dessau, Brehna und Tübingen.

Doch zeigt sich der Start in die neue Impf-Ära ziemlich zäh:

Einen Tag nach dem Start der bundesweiten Corona-Impfkampagne melden die Landesgesundheitsministerien und Senatsverwaltungen erst 28.431 Impflinge. Das zeigen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI), ergänzt durch direkte Abfragen der dts Nachrichtenagentur am Montagabend. Bezogen auf die Bevölkerung scheint Bremen dabei am schnellsten voranzuschreiten, hier wurden bis Montagabend schon 550 Impfungen durchgeführt, entsprechend 81 pro 100.000 Einwohner.

Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg hinken dagegen mit nur vier gemeldeten Impfungen je 100.000 Einwohner deutlich hinterher – wobei unklar ist, ob hier womöglich einfach nur die Daten langsamer erhoben werden. Mit 68 je 100.000 Einwohner werden auch überdurchschnittlich viele Corona-Impfungen in Sachsen-Anhalt gemeldet, hier war schon einen Tag vor dem offiziellen Start mit dem Impfen begonnen worden. Bayern (46), Berlin (45), Hessen (50) und NRW (53) liegen ebenfalls über dem bundesweiten Durchschnitt von 34 Impfungen je 100.000 Einwohner, laut der bis Montagabend veröffentlichten Daten.

Im Saarland, das am Samstag pro Kopf der Bevölkerung die meisten Impfdosen geliefert bekommen hatte, lief es mit 22 Impfungen je 100.000 Einwohner eher durchwachsen an, nur 215 von 9.750 Impfdosen wurden am ersten Tag verabreicht. NRW als größtes Bundesland verimpfte dagegen praktisch alles was verfügbar war.

Das wird schon noch laufen. Da muss nur der Druck weiter erhöht werden. Für die staatlichen Erpresser gibt es ja noch genügend Spielraum.

Immerhin gibt es beim Thema „Impfpflicht“ ein wenig Bewegung:

Rechtspolitiker von SPD und Union prüfen ein gesetzliches Verbot von Sonderrechten für Menschen mit Corona-Impfung. „Die SPD-Fraktion prüft derzeit gesetzliche Maßnahmen, wie Ungleichbehandlungen von Nicht-Geimpften und Geimpften durch die Privatwirtschaft ausgeschlossen werden könnten“, sagte der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner, der „Welt“ (Dienstagausgabe). „Es ist nicht hinnehmbar, dass Fluggesellschaften nur Geimpfte mitnehmen oder Restaurants Nicht-Geimpften den Zutritt verwehren. Eine solche Sonderregelung würde zu Spaltungen in der Gesellschaft führen.“ Wenn die für Februar vom Impfstoffhersteller Biontech angekündigten Erkenntnisse zeigen, dass Geimpfte ansteckend sind, dann wäre eine Ungleichbehandlung epidemiologisch nicht zu rechtfertigen, sagte Fechner weiter. In Betracht käme dann eine Ergänzung im Bürgerlichen Gesetzbuch, die die Zulässigkeit von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) regelt.

„Hier könnte man festlegen, dass zum Beispiel AGBs unzulässig sind, die den Transport von Personen an den Impfstatus knüpfen.“ Auch „eine Klarstellung im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, dass niemand benachteiligt werden darf, der sich nicht impfen lässt“, sei denkbar. Volker Ullrich, rechtspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe, sagte der „Welt“: „Für den Staat gilt schon heute ein allgemeines Diskriminierungsverbot. Es verbietet sich deswegen von vornherein, zum Beispiel im ÖPNV nach Geimpften und Nicht-Geimpften zu unterscheiden. Im privaten Bereich gibt es hingegen eine Regelungslücke, die wir adressieren müssen.“ Kein Restaurant dürfe etwa Menschen wegen ihrer Herkunft abweisen.

„Ein Diskriminierungsverbot von Nicht-Geimpften ist allerdings bislang nicht gesetzlich geregelt.“ Sebastian Bickerich, Sprecher der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, sagte, rechtlich gesehen gebe es im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz bislang keine Handhabe für Nicht-Geimpfte, gegen mögliche Ungleichbehandlungen bei Alltagsgeschäften vorzugehen. „Das Gesetz formuliert sechs konkrete Diskriminierungsgründe, in denen Ungleichbehandlungen verboten sind – dazu zählen beispielsweise Behinderungen. Wenn der Gesetzgeber dafür Vorsorge treffen wollte, dass Nicht-Geimpften keine Nachteile entstehen, müsste er das konkret regeln“, sagte Bickerich der „Welt“. Der Geschäftsführer des Deutschen Tourismus-Verbandes, Norbert Kurz, sagte derselben Zeitung, der Deutschlandtourismus brauche für den Neustart „eine Strategie, die Öffnungsperspektiven nach differenzierten Inzidenzen formuliert und dabei Schnelltests, Impfungen und auch überprüfte Sicherheit durch ein bundesweites Hygienesiegel einbezieht“. So könne die Branche eine Perspektive für 2021 erhalten und Reisen und Urlaub könnten wieder möglich sein, so Kurz. „Wir diskutieren derzeit im Verband verschiedene Ansätze, die wir im Januar vorstellen wollen.“

Das Thema ist noch nicht durch und es werden Lücken bleiben, die zur Diskriminierung Nicht-Geimpfter förmlich aufrufen. Zum Beispiel der Immunitätsausweis.

Wer sich übrigens nicht impfen lassen will, hat noch eine andere Möglichkeit, sich an die Nadel zu hängen:

Die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Gerda Hasselfeldt, hat die Deutschen zum Blutspenden aufgerufen. „Blutspenden im Lockdown ist möglich und vor allem notwendig. Es besteht keine Gefahr einer Infektion. Wir brauchen ein kontinuierliches Engagement beim Blutspenden, denn die Spenden sind nicht unbegrenzt haltbar“, sagte Hasselfeldt der „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe). Auch über die weiterhin andauernde Krise hinaus seien Menschen an 365 Tagen rund um die Uhr auf überlebenswichtige Blutpräparate angewiesen. Bundesweit würden durchschnittlich 15.000 Blutkonserven am Tag benötigt, sagte Hasselfeldt weiter.

Die ehemalige CSU-Politikerin setzt sich auch dafür ein, den Mitarbeitern im Rettungs- und Pflegedienst mehr Aufmerksamkeit zu schenken. „In der Tat ist der Rettungsdienst gerade in diesen Zeiten stark gefordert. Zu der zusätzlichen physischen Belastung kommt die erhöhte Gefahr einer Infektion. Nicht zu unterschätzen ist zudem die psychische Mehrbelastung“, sagte sie. „Wir tun gut daran, den Mitarbeitern im Rettungs- und Pflegedienst auch nach der Pandemie größere Aufmerksamkeit zu widmen.“ (Mit Material von dts)