Antisemitismus-Ranking: Platz 7 für die deutsche Kulturelite

Juden sind in Deutschland wieder gefährdet! (Foto: Pixabay)

Jährlich veröffentlicht das Simon-Wiesenthal-Center in Los Angeles ein beschämendes Ranking: Die „Top-Ten der schlimmsten antisemitischen Vorfälle weltweit“. Und auch dieses Jahr sind wieder einmal deutsche Antisemiten dabei. Platz 7 wird jedoch nicht von irgendeinem billigen Judenhasser belegt, sondern von den renommiertesten deutschen Kulturinstitutionen. Den Applaus – nicht nur hierfür – sparen wir uns. 

Das Simon Wiesenthal Center (SWC) hat unter dem Titel „2020 Top Ten Worst Global Anti‐Semitic Incidents“ auch dieses Jahr eine Auflistung der schlimmsten antisemitischen Vorfälle des Jahres weltweit veröffentlicht.

An erster Stelle wird das anonym agierende „Center for Desease Control and Prevention“ nominiert. Das „Zentrum für Krankheitsbekämpfung und Verhütung“, ruft Judenhasser, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, auf, „Juden zu umarmen“ und anzustecken: „If you have the bug, give a hug, spread the flu to every Jew.“ Die Aktion läuft unter dem Namen „Holocough“, frei übersetzt: „Holohusten“.

Der zweite Platz geht an den Social-Media-Dienst Telegram, der militant antisemitischen und rassistischen Organisationen wie „Atomwaffen-Division“, „National Socialist Order“ oder „Boogaloo Movement“ eine Plattform bietet.

„Nation of Islam“-Führer Louis Farrakhan, ebenso ausgemachter Judenhasser wie der iranische Außenminister Mohamed Dschawad Sarif, haben es unter die Top-Ten geschafft, wobei Farrakhan auf Platz 3 und der iranische Glückwunschadressat von Frank-Walter Steinmeier auf Platz 5 landet.

Platz sieben indes ist für eine ganz besonders illustere Runde reserviert. Denn dort wird die deutsche Kulturelite für ihren herausragenden Antisemitismus „geehrt“. Darunter befindet sich das Goethe-Institut, die Bundeskulturstiftung, die Berliner Festspiele, das Deutsche Theater, das Einstein Forum, das Humboldt Forum und ein Dutzend weitere staatlich finanzierte Kultureinrichtungen. Der Grund für diese „herausragende Platzierung“ sieht die Simon-Wiesenthal-Stiftung im Engagement der Benannten für die sogenannte BDS-Bewegung begründet. Die 2005 gegründete Bewegung, welche das Ziel verfolgt, durch Dämonisierung und Delegitimierung Israels letztlich dessen Vernichtung zu realisieren, belegt auf dem Negativ-Ranking der Simon-Wiesenthal-Stiftung seit Jahren die vorderen Plätze.

Liste der Unterzeichner der „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“

Die benannte deutsche Kulturelite verabredete sich in der sogenannten „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“ gegen eine anderthalb Jahre alte Entschließung des Bundestages zu protestieren. Darin solidarisierten sich die vereinigten Kulturträger – weil sie die Meinungsfreiheit bedroht sahen – mit der antisemitischen BDS-Bewegung.

Im April 2019 brachte die AfD-Fraktion einen Antrag in den Deutschen Bundestag ein. Unter Berufung auf eine Vielzahl von Politikwissenschaftler und auf ein Heer von internationalen Antisemitismusexperten, die allesamt die BDS-Kampagnen als antizionistisch, antisemitisch und als gegen den jüdischen Staat gerichtet bezeichnen, forderte die AfD von der Merkel-Regierung:

  1. zur Kenntnis zu nehmen, dass die BDS-Bewegung ihren Ursprung in antisemitischen und antizionistischen Initiativen arabischer Gruppen hat, die lange vor der Gründung des Staates Israel bereits aktiv waren und die zwischen 1933 und 1945 in engem und freundschaftlichem Kontakt mit der nationalsozialistischen Regierung Deutschlands standen;
    2. allen Gruppierungen, die sich zur BDS-Bewegung zählen, sofort jegliche Förderung aus Bundesmitteln zu streichen; dies gilt insbesondere auch für die finanzielle Unterstützung BDS-naher NGOs durch parteinahe Stiftungen;
    3. Die BDS-Bewegung bundesweit, zum Beispiel auf dem Wege des Vereinsrechtes, zu verbieten;
    4. mit der israelischen Regierung Konsultationen zur gemeinsamen Bekämpfung des Antisemitismus jedweder Ausprägung zu initiieren;
    5. sich zur Verantwortung für das Unrecht zu bekennen, dass jüdischen Siedlern in Palästina durch arabische Boykottaufrufe in Zusammenarbeit und im Zusammenhang mit der Herrschaft des Nationalsozialismus angetan wurde.

In einer namentlichen Abstimmung lehnte der Bundestag am 17. Mai 2019 den Antrag der AfD ab. Im Gegenzug wurde der nichtssagende gemeinsame „Wischi-waschi-Antrag“ von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“ (19/10191) angenommen.

https://www.wiesenthal.com/assets/pdf/top-ten-worst-global.pdf

Henry M. Broder ist sich in seinem Welt-Artikel sicher, dass – nachdem am Dienstag die Top-Ten-Liste 2020 vorgestellt wurde, in den sauberen Mainstreammedien breit darüber diskutiert werden wird, ob es angemessen ist, „renommierte Kulturschaffende, die den „SS-Staat“ von Eugen Kogon gelesen und Besinnungsaufsätze über Anne Franks Tagebuch geschrieben haben, unter Antisemitismus-Verdacht zu stellen“. Broder weißt vorsorglich darauf hin, dass man kein Antisemit alter Schule sein müsse, kein Auschwitz- und Holocaustleugner, um antisemitische Ideen glaubwürdig zu vertreten. Das wisse man spätestens seit die „Süddeutsche Zeitung“ ein Gedicht von Günter Grass („Was gesagt werden muss“) abdruckte, in dem der Nobelpreisträger darüber fantasierte, wie „die Atommacht Israel den ohnehin brüchigen Weltfrieden gefährdet“. Der Satz – von wem auch immer in die Welt gesetzt – dass der Antisemitismus „der Sozialismus der dummen Kerls“ sei müsse heute ein wenig aktualisiert werden, meint Broder und schlägt vor: „Der Antisemitismus ist der Populismus der gebildeten Stände.“ (SB)