„Unvergessen“: Linkspartei gedenkt DDR-Mauerschützen

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Wie wenig die für die übrigen Altparteien in Merkeldeutschland uneingeschränkt als koalitionsfähig geltende Linkspartei ihre Vergangenheit aufbereitet hat, und wie berechtigt die Bezeichnung „Mauerschützenpartei“ nach wie vor ist, zeigte vorgestern eine von der Chemnitzer Linken mitunterzeichnete Gedenkanzeige für den DDR-Grenzsoldaten Peter Göring, der 1962 umkam, als er auf 14-jährigen „Grenzflüchtling“ Wilfried Tews schoss.

Dieser hatte damals versucht, über den Spandauer Schifffahrtskanal nach Westen zu flüchten, und wurde von acht DDR-Grenzsoldaten gezielt im Wasser beschossen. Allein Göring feuerte mit seiner Kalaschnikow 44 mal auf den Jungen. Wie durch ein Wunder blieb Tews nur schwerverletzt und trieb ans rettende BRD-Ufer, wo ihn Westberliner Polizisten aus dem Wasser zogen. Weil die DDR-Grenzer weiterschossen, erwiderten diese das Feuer – und trafen Göring tödlich.

Dieser wurde in der DDR-Propaganda anschließend zum Helden und Märtyrer erhoben – und blieb es im Andenken der Ewiggestrigen bis heute. Und so wie Altnazis auch noch nach 1945 Horst Wessel oder Wilhelm Gustloff gedachten, hielten auch sie am perversen Totenkult für einen der skrupellosesten Schergen eines menschenverachtenden Regimes fest – und tun es bis heute. Weil Göring jetzt seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte, inserierte eine schauderhafte Trauergemeinde aus Linksextremen und Betonsozialisten folgende Traueranzeige in der „Jungen Welt“:

(Screenshot:JW)

Dass die Linkspartei, die als Koalitionspartner von Rot und Grün bis heute als umhinterfragte, legitime politische Kraft gilt, für eine derartige Verhöhnung von Opfern des DDR-Faschismus mitverantwortlich zeichnet, während zugleich die AfD außerhalb des demokratischen Lagers gerückt wird, zeigt die bizarre Schieflage des politischen Koordinatensystems in Deutschland. Und was Wilfried Tews – der bis heute unter den Folgen seiner lebensgefährlichen Verletzungen leidet und seit 58 Jahren fürs Leben gezeichnet ist – wohl durch den Kopf geht, wenn er diese Gedenkannonce liest, mag man sich nicht ausdenken. (DM)