Vermeidbare Tote, Lockdown-Verlängerung: Wann kommen die Corona-Versager der Regierung endlich vor Gericht?

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NICHTS kriegen die Berliner Dilettanten in dieser Krise mehr auf die Reihe – nicht einmal in den zentralen Elementarbereichen, die sie seit Monaten als einzigen rettenden Ausweg aus dem von ihnen autoritär verfügten Zwangsstillstand des Landes verkünden: Dass die Bundesländer erst in 14 Tagen wieder neuen Impfstoff erhalten, ist die alleinige Schuld Angela Merkels und ihres Gesundheitsministers Jens Spahn.

Wenn Letzterer seit Neuestem gar als „beliebtester Politiker Deutschlands“ – zumindest auf Grundlage dubioser Erhebungen – gefeiert wird, könnte dies der lange fehlende Beweis sein, dass Covid-19 offenbar tatsächlich geistige Ausfallerscheinungen hervorruft. Wie viele Todesfälle alleine durch dieses Desaster nun die Folge sind (wenn der Impfstoff hält, was er verspricht, und nach Überzeugung derer, die ihn seit März als einige Rettung vor der Pandemie preisen), das lässt sich nur grob schätzen, doch die Zahl dürfte in die Tausende gehen. Etliche Alten und Risikogruppen warten jetzt verzweifelt auf die ihnen versprochene Impfung.

Noch schwerwiegender allerdings ist der unleugbare Umstand, dass sich mit jedem weiteren Tag Impfstoffmangel – der derzeit nur deshalb nicht noch ins Gewicht fällt, weil sich die übergroße Zahl des jetzt vorgesehenen und impfberechtigten Pflegepersonals der Impfung verweigert – der Lockdown verlängern wird. Dass die Kanzlerin und die zuständige Ministerin hier nicht wirklich ALLES unternommen haben, um die eigene Bevölkerung bestmöglich zu versorgen, ist ein objektiver Tatbestand unterlassener Hilfeleistung und vorsätzlicher Verletzung von Amtspflichten. Der Skandal hat justiziable Tragweite.

Blamable Lieferdetails

Die in einem internen Papier aus Spahns eigenem Ministerium zusammengestellten Bestandszahlen, über die „Business Insider“ berichtet, weisen bis Stand gestern Mittwoch 275 Boxen mit jeweils 4.875 Dosen des Pfizer/Biontech-Vakzins aus, die an die Länder geliefert wurden: 31 Boxen am Samstag, 107 am Montag, 137 am Mittwoch. Deutschlandweit sind dies zurzeit also knapp 1,34 Millionen Dosen, entsprechend etwas über 650.000 Anwendungen (da jeder Geimpfte zwei Dosen benötigt). Die nächste Lieferung findet laut Bericht des Gesundheitsministeriums jedoch erst Mitte Januar statt – am 11. Januar sollen erneut 137 Boxen geliefert werden, mit insgesamt knapp 668.000 Impfstoffdosen. Anschließend sollen dann laut „dts Nachrichtenagentur“ wöchentlich jeweils weitere 137 Boxen ankommen – bis zum 16. Februar, dem letzten im Bericht notierten vorläufigen Liefertermin; dies entspräche bis dahin , wären dann insgesamt 1.097 Boxen beziehungsweise knapp 5,34 Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffs ausgeliefert, ausreichend für die Impfung von knapp 2,7 Millionen Menschen .

Eine unglaubliche Fehlplanung, für die das Gesundheitsministerium, aber auch Merkel mit ihrer Entscheidung zum zentralen EU-Einkauf des Impfstoffs die Verantwortung tragen. Vor allem, wenn man sich vergegenwärtigt, wo Deutschland mit seinen Impfkapazitäten im internationalen Vergleich steht:

(Quelle:OWiD)

Die durchschaubare Ausrede und Schutzbehauptung zur Rechtfertigung dieses für einen hochentwickelten Industriestaat schier blamablen Rankings lautet neuerdings so: Es sei unethisch, wenn sich Deutschland „vordrängle“, während ärmere Länder vom Impfstoff ausgeschlossen werden. Eine absurde und heuchlerische Begründung: Nach dieser dürften in Deutschland auch keine Lebensmittel mehr eingeführt werden, solange es irgendwo auf der Welt noch Hunger gibt. Orientiert sich Deutschland neuerdings also nicht mehr an der Weltspitze, sondern an Entwicklungsländern? Zumindest, wenn es nach CDU-Lemmingen wie Ruprecht Polenz geht:

Auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble betätigte sich eifrig an der Verbreitung dieses haarsträubenden Narrativs – das schon deshalb völlig unstimmig ist, weil Schwellen- und Drittweltstaaten gar nichts von den ersten Impfstoffchargen erhalten. Die Lieferungen gehen derzeit fast ausschließlich an die konkurrierenden großen Industriestaaten – die kein Problem mit „Impf-Nationalismus“ haben, von dem sich Deutschland angeblich so nobel „freiwillig“ fernhält (was jetzt die sozialistischen Mangelzustände rechtfertigen soll). So kann man auch versuchen, die eigene Scheiße, die man gebaut hat, als feinste Schokolade zu verkaufen.

Für die Solidarität mit den Ärmsten geht Deutschland doch gern noch ein paar Monate länger in den Lockdown, und bezahlen gerne noch zahllose Bürger hierzulande mit ihrem Leben… (DM)