Restbestände von Covid-Impfstoff verimpft: Extrawurst für „Bild“-Reporter

Impfen - immer besser und immer mehr bitte! (Symbolbild: shutterstock.com/Von Chris Bourloton)

Gestern berichtete „Bild“ über eine befremdliche „Resteverwertung“ des Corona-Impfstoffs, der sich aus nicht ganz aufgebrauchten Ampullen in Pflege- und Altenheimen sowie vor allem den Impfzentren ansammelt. Eigentlich sollten diese ans jeweilige Gesundheitsamt zurückgehen, das dann über eine etwaige Weiterverteilung entscheidet. Aufgrund der rechnerischen Knappheit ist die strikte Einhaltung der impfberechtigten Gruppen zu beachten. Doch für einen „Bild“-Redakteur wurde anscheinend eine Ausnahme gemacht.

„Embedded Journalism“ in Corona-Zeiten ist für regierungsloyale Medien und Portale das Natürlichste der Welt – exklusiv berichten sie über die Glanzleistungen der Bundesregierung, zitieren Lauterbach, setzen Söder, Hans und Günther als umsichtige, ums Wohl ihrer Bürger besorgte Volkstribunen in Szene und verschweigen brav die großen Sauereien in dieser Krise von Spahns instinktlosem Villen-Kauf bis zu Laschet- Millionendeal mit einem Geschäftspartner seines Sohnes. Die Corona-Selbstherrlichen kommen mit allem durch.

Eigentlich gehört Deutschlands größte Boulevardzeitung nicht mehr zu den wohlgelittenen Medien, seit sie in jüngster Zeit einen spürbar Merkel- und lockdownkritischen Kurs fährt und vor allem das Desaster bei der fahrlässig an die EU wegdelegierten Beschaffung des Impfstoffs anprangerte – dank dem Deutschland nun zu den Hinterbänklern beim weltweiten Impffortschritt zählt. Trotzdem gelang es „Bild“-Reporter Christoph Reichwein offenbar, für sich noch eine Extra-Ampulle abzugreifen – und das, obwohl er eigentlich der Bevölkerungsgruppe angehört, die erst in der „Gruppe 3“ an die Reihe kommt (die sich frühestens im 3. Quartal anstellen darf). Der Nimbus der mächtigen Springerpresse und die Selbstdarstellung als „Investigativjournalist“ machte es offenbar möglich, dass er in der Warteliste aufrückte und einen Impftermin erhielt.

Journalisten als Profiteure der Impfskepsis?

Hintergrund war ein Bericht der Zeitung über Münchner Universitätsklinikum – wo übriggebliebene restliche Dosen auch an Menschen verteilt werden, die nicht zur ersten Kategorie gehören; eine eigentlich nicht zulässige Vorgehensweise, die jedoch ebenfalls in einem Mülheimer Seniorenheim angewandt wurde: Weil dort – wie mehrere impfberechtigte Heimbewohner – von der Impfung doch Abstand nahmen, blieben laut „Bild“ 12 Impfdosen übrig – die kurzerhand an Feuerwehrleute verimpft wurden.

Reporter Reichwein machte bei seinen Recherchen in einem Altersheim in Duisburg dann eine ähnliche Erfahrung: „In vielen Ampullen blieb ein Rest, der an die übrigen Heim-Mitarbeiter verteilt wurde„. Da hab ihn der zuständige Arzt angesprochen: „Wenn Sie wollen… dann jetzt!“ Prompt erhielt der „Bild“-Mann eine Impf-Bescheinigung. Eine bemerkenswerte Form von Privilegierung allemal – vor allem da doch der Impfstoff so sehr Mangelware ist, dass die Bundesländer bis zum 11. Januar keinen Nachschub erhalten… (DM)