Irreparable Schäden, Millionen Tote – trotzdem Lockdown for ever?

Welche Ablenkungsmanöver und taktischen Beschwichtigungen die derzeitige Debatte über die Verlängerung des Lockdowns „möglicherweise bis Ende Januar“ darstellen und was in Wahrheit wohl wirklich auf uns zukommt, zeigen Äußerungen von systemloyalen Medizinern, die bereits den Lockdown bis April als Notwendigkeit postulieren. Dabei ist der Lockdown um Potenzen schädlicher und tödlicher als alles, was er verhindern soll – wie aktuelle Studien zeigen.

Der Amtsarzt im Berliner Bezirk Reinickendorf, Patrick Larscheid, nannte nun erstmals unverblümt als Zieldatum für das Lockdown-Ende April – und nach der absurden, weiterhin nicht einmal auf den Prüfstand gestellten  „Logik“ der Inzidenzwerte dürfte noch nicht einmal das genügen, um die kritische Schwelle von 50 „Neuinfektionen“ pro 100.000 Einwohnern und Woche zu drücken. Dass Fachidioten und Bürokraten ohne auch nur minimale Ahnung von den wirtschaftlichen Folgeschäden solcher Maßnahmen nonchalant mal eben so die Totalverbrennung des Landes für unverzichtbar erklären und dabei nicht nur bei Politikern, sondern auch Journalisten exklusives Gehör finden, während kritische Stimmen aus anderen Disziplinen ignoriert werden, passt wie die Faust aufs Auge zum verfahrenen deutschen Corona-Dilemma.

Wie schädlich dabei die den deutschen Bürgern, im dreisten Widerspruch zu früheren Verlautbarungen als alternativlos verkaufte Lockdown-Politik ist, die uns in wachsender Intensität und auch nur annähernde Aussicht auf ein baldiges Ende seit nunmehr zwei Monaten wieder heimsucht: Das wird derzeit interdisziplinär von zahlreichen Wissenschaftlern untersucht. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht dabei nicht die virologische-medizinische Sichtweise, sondern der verheerende Impact auf demokratische Gesellschaften.

In einem bemerkenswerten Gastbeitrag des Bloggers Julian T. Baranyan auf der „Achse des Guten“ werden mehrere zentrale Lockdown-Kollateralschäden dargestellt, die bereits vielfach von kritischen Kommentatoren, unabhängigen Experten und vor allem freien Medien – auch JouWatch – vorgebracht wurde, aber selten in solcher Dichte dargestellt wurden. Sie beziehen sich schwerpunktmäßig auf die von niemand Geringerem als dem stellvertretenden UN-Generalsekretär, Professor Ramesh Thakur, zusammengestellten „sechs Todsünden des Lockdowns„. Die Aufstellung erhebt zwar keinen Anspruch auf Vollzähligkeit. Sie sollte jedoch zur Pflichtlektüre für jeden Abgeordneten dieses Landes gemacht werden, der der Regierung bei ihrer Geisterfahrt den Rücken stärkt und – etwa durch Zustimmung zum „Bevölkerungsschutz“-Ermächtigungsgesetz – die scheinlegalen Voraussetzungen für diesen permanenten Grundrechtseingriff durch die Exekutive mittgeschaffen hat.

Anklage an die Regierenden

Das zentrale Problem, dass viele westliche Regierungen „…sich unwiderruflich auf dieses Modell der Pandemiebekämpfung versteift zu haben“ scheinen, wofür sie „bedenklich kritiklose Unterstützung von einer Mehrheit der Medien“ erfahren, verhindert zunehmend die klare Einsicht, dass ein Lockdown für demokratische Gesellschaften „einen rückständigen, autoritären, verheerend schädlichen, sechsfachen Sündenfall darstellt„, heißt es in dem Beitrag. Baranyan schickt seiner Zusammenfassung der Lockdown-Schadwirkungen eine gesellschaftspolitisch-historische Einordnung der französischen Expertin für Gesundheitspsychologie und Infektionskrankheiten, Dr. Jocelyn Raude von der Universität für öffentliche Gesundheit in Rennes voraus: „In Frankreich und in anderen europäischen Ländern sind wir in gewisser Weise dem autoritären, chinesischen Modell gefolgt, das auf Repression, Stigmatisierung von schlechten Bürgern und Angst vor der Polizei basiert. Wir haben die Relevanz dieses Modells, das im Wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert stammt, nicht infrage gestellt. Es ist ein Modell der Massenquarantäne, das zur Regulierung der großen Cholera-Epidemien im 19. Jahrhundert eingesetzt wurde.“

Und nachdem es seit Frühsommer so aussah, als würde die Politik – vor allem in Deutschland – nachhaltig von diesem autoritären Modell abrücken, das zudem als ineffektiver, unangemessener und aus der anfänglichen Unwissenheit über das Virus geborener Fehler erkannt wurde: Da erleben wir just sein Anfang November, nicht zufällig mit dem alljährlichen sonstigen Beginn der Grippesaison, einen Rückfall zu genau diesem Modell. Die „Achse“ zitiert den Vergleich des britischen Journalisten Peter Hitchens, der  wiederholte Lockdown-Politik seiner Regierung verglich „mit jemandem, der sein Haus zweimal niederbrennt, um ein Wespennest zu beseitigen, dann in den Trümmern steht und allen außer sich selbst die Schuld für diese sinnlose Katastrophe gibt“.

Medizin weitaus schädlicher als die Krankheit

Die erwähnten sechs Lockdown-Todsünden Thakurs – jede für sich gut belegt durch im Originalartikel auf der „Achse“ verlinkte Quellen und wissenschaftliche Studien – sind zusammengefasst die folgenden:

  1. Ein explosionsartiger Anstieg psychischer Erkrankungen und Selbstmordversuchen um bis zu 600 Prozent, der „bis zu 10-mal so viele Menschen töten könnte wie das Virus“.
  2. Massenweise abgesagte Operationen sowie Vorsorge- und Routineuntersuchungen, die Verschiebung der Behandlung von Millionen von Krebserkrankungen, Herz-, Nieren-, Leber- und Lungenkrankheiten, die „je nach Dauer des Lockdowns circa 750.000 zusätzliche Tote in den USA, 150.000 im Vereinigten Königreich und bis zu 50.000 vermeidbare Krebstote in Deutschland“ zur Folge haben könnten.
  3. Eine grassierende Krankenhaus-Angst, bedingt durch Verunsicherung über die Versorgungslage in Kliniken, die zur Nichtinanspruchnahme selbst notärztlicher Versorgung führt, weil „sich die Menschen dort per se nicht mehr hineintrauen, selbst in Situationen, in denen es ihr Leben retten würde“. Als Folge davon kommt es zu einem signifikanten Anstieg von Menschen, die etwa durch Herzstillstand zu Hause sterben.
  4. Die lockdownbedingte Vorenthaltung von Freizeitaktivitäten und Ausgleichssport vor allem für Menschen in dicht besiedelten Ballungsgebieten, denen trotz eines verschwindend geringen Infektionsrisikos die Möglichkeit genommen wird und die sich stattdessen „in überfüllten Wohnkomplexen, wo das allgemeine Infektionsrisiko deutlich höher ist“, aufhalten –  was zu einem massivem Anstieg von Nicht-Covid-Todesfällen führt.
  5. Die politische Abwehrhaltung gegenüber Alternativen zum Lockdown führte dazu, dass die Fokussierung auf spezielle Schutzkonzepte für Risikogruppen ausblieb – obwohl bereits im Mai diesen Jahres bekannt war, dass 50 bis 66 Prozent der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid Menschen in Alten- und Pflegeheimen betreffen (derzeit sind es fast 80 Prozent), in Einrichtungen also, „…deren strukturelle und personelle Ausstattung den Umgang mit infizierten Bewohnern nicht leisten konnte.“
  6. Katastrophale tödliche Langzeitfolgen in der Dritten Welt, für die „ärmste Milliarde Menschen auf der Welt im nächsten Jahrzehnt“, durch dramatisch steigende Säuglings-, Kinder- und Müttersterblichkeit sowie Hungersnöten in der sogenannten Dritten Welt, infolge lockdownbedingter Unterbrechungen der Ernteproduktion und der globalen Lebensmittelverteilungsketten – mit mindestens 1,2 Millionen, nach manchen Schätzungen bis zu 30 Millionen Hungertoten und 125 an akuter Unterernährung Leidenden.

29 Mal mehr Tote als vor Corona „Gerettete“

Eine von Thakur unter anderem zugrunde gelegte Studie aus Südafrika geht zusammenfassend davon aus, dass ein Lockdown „29-mal mehr Menschen töten könnte, als er rettet„. Solche Überlegungen spielten bei den politischen Beschlüssen der letzten Monate natürlich keinerlei Rolle. Weder Söder noch Merkel noch irgendein anderer der Super-Heuchler, die sich als unsere großen fürsorglichen Retter aufspielen, würdigen sie auch nur eines Wortes. Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel, nach der Wahl des kleineren Übels wird hierzulande weiterhin nicht offen diskutiert.

Alle Gesetzen und Verordnungen zeugen von einer kurzsichtigen, einseitigen Fokussierung auf kurzfristigen „Lebensschutz“ und körperliche Unversehrtheit im Zusammenhang mit Corona – und blenden die den mittel- und langfristige Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit aus allen anderen Ursachen völlig aus – obwohl dieser ebenso zu den staatlichen Kernaufgaben gehört. Mit jedem Tag Verlängerung des Lockdowns macht sich die Politik somit zur größeren Gefahr fürs Allgemeinwohl als das Virus selbst. (DM)