Lockdown bis zum nächsten Sommer

Und das nicht nur zur Weihnachtszeit: Harter Lockdown (Foto:Imago/Huebner)

Was viele befürchtet haben, wird nun wohl endgültig Realität. Deutschland darf wohl erst im Sommer wieder aus dem künstlichen Koma erwachen – und wird dann erstaunt feststellen, dass dieses Land gar nicht mehr existiert:

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notallmedizin (Divi), Uwe Janssens, geht erst für Mitte des neuen Jahres von einer Entspannung auf deutschen Intensivstationen aus. „Ich rechne damit, dass wir erst im Sommer von einer nachhaltigen Entspannung auf den Intensivstationen sprechen können“, sagte Janssens der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Im ersten Quartal wird die Anzahl der Patienten mit Covid-19 sicher noch über der Marke von 4.000 liegen“, sagte Janssens.

Er warnte jedoch vor Unklarheiten. „Wir werden erst Ende kommender Woche in den Krankenhäusern sehen, wie stark Weihnachten zur Verbreitung von Covid-19 beigetragen hat. Die Effekte von Silvester dann noch deutlich später“, sagte er.

Angesichts dessen rief er Bund und Länder dazu auf, bei der Ministerpräsidentenkonferenz am kommenden Dienstag eine Verlängerung des Lockdowns zu beschließen. „Wir Intensivmediziner raten dringend dazu, bis zu einem Inzidenzwert von unter 25 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche keine Lockerungen in Aussicht zu stellen“, sagte Janssens. In der Debatte um die Finanzlage der Krankenhäuser forderte Janssens mehr Klarheit.

„Bund und Länder täten gut daran, den Krankenhäusern bei der Ministerpräsidentenkonferenz endlich klare Vorgaben zu machen, ab welchem Inzidenzwert der operative Betrieb eingeschränkt werden muss und in welchem Umfang.“ Sie müssten für eine Finanzierung der Einnahmeausfälle sorgen. „Ansonsten wirtschaftet jedes Haus weiter für sich, um die schon bestehenden Verluste auszugleichen. So lassen sich die Intensivkapazitäten aber nur schlecht koordinieren“, sagte Janssens.

Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, geht davon aus, dass beim Coronagipfel zwischen Bund und Ländern am 5. Januar die Verlängerung des derzeitigen Lockdowns „sicherlich“ beschlossen wird. Der „Bild“ (Samstagausgabe) sagte Reinhardt: „Das wichtigste ist, dass man den Menschen klarmacht, dass wir jetzt noch vor zwei, drei, vier Monaten stehen, die Anstrengungen von allen erfordern.“ Schließlich stünden die Krankenhäuser derzeit am Rand der Überlastung.

„Ich weiß, dass sowohl ärztliches aber auch pflegerisches Personal definitiv am Rande der Leistungsfähigkeit tätig ist. Die rein numerischen Kapazitäten sind zu über 90 Prozent ausgelastet“, sagte Reinhardt der „Bild“. Für das Jahr wünsche er sich, „dass man den Beschäftigten in den Krankenhäusern sagt, ihr müsst euch um euren Arbeitsplatz und über die wirtschaftliche Situation eures Krankenhaus in den nächsten drei bis sechs Monaten überhaupt keine Gedanken machen“.

Überbrückungshilfen sollten zügig und unbürokratisch fließen. Zuletzt hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Gehältergarantie für Beschäftigte in Krankenhäusern ausgesprochen. Wegen der Corona-Pandemie befürchten viele Krankenhäuser finanzielle Engpässe in den kommenden Monaten.

Durch die Impfstoffe gebe es Hoffnung auf ein Ende der Pandemie in diesem Jahr, erklärte Reinhardt gegenüber „Bild“. „Mitte des Jahres“ könnte Deutschland „deutlich besser“ dastehen.

Auch Europas größter Tourismuskonzern Tui erwartet erst für den Sommer 2021, dass viele Jets in den Mittelmeerraum ausgebucht sein werden. Das sagt Vorstandschef Fritz Joussen der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Wir erwarten einen schon weitgehend normalen Sommer“, sagt er.

Man werde aber „nur rund 80 Prozent so viele Flugreisen anbieten wie in den Jahren vor der Coronakrise, um eine optimale Auslastung zu erreichen.“ Damit wolle das Unternehmen Überangebote verhindern. „In den Ferien im Juli und August ist es wahrscheinlich, dass die Jets auf manchen Strecken im Mittelmeerraum schnell ausgebucht sind“, sagte Joussen.

Das Angebot für Mai sei zu 50 Prozent ausgebucht, so der Tui-Chef weiter. Das Unternehmen biete die meisten Reisen zwar zu den gleichen Preisen wie 2020 und 2019 an, doch die Urlauber würden mehr für Reisen ausgeben. „Die Kunden buchen hochwertiger. Viele haben zusätzlichen Spielraum im Budget, wählen dann ein 5- statt das 4-Sterne-Hotel.“ Ein Grund sei, dass Gutscheine für 2020 stornierte Reisen eingelöst werden. Außerdem gebe es „einen hohen Nachholbedarf.“

Joussen: „Alle unsere Marktforschungen zeigen, dass es eine enorme Sehnsucht der Menschen gibt, nach dieser schwierigen Corona-Zeit wieder schöne Reisen machen zu können.“ Joussen rechnet damit, dass die aktuellen Impfungen alle Reiserestriktionen unnötig machen: „Wenn wir die besonders gefährdeten Gruppen vor einer Infektion geschützt haben, können die Einschränkungen insgesamt stark fallen.“ Er ergänzt: „Reiserestriktionen wären dann nicht mehr verhältnismäßig.“ Der Tui-Chef kündigte an, im Jahr 2021 würden alle 16 Kreuzfahrtschiffe des Konzerns wieder eingesetzt. Wichtigste Ziele würden im Sommer wohl Spanien, Griechenland, die Türkei, Zypern und Portugal sein.

Auch bei inländischen Destinationen mit Autoanreise rechnet er mit hoher Nachfrage. Erst 2022 sei allerdings damit zu rechnen, dass die Tourismusbranche sich wieder auf das Niveau des früheren Rekordjahres 2019 erhole, 2021 werde allein wegen eines zu erwartenden noch schwachen ersten Halbjahres noch „ein Jahr des Überganges“. Er sei aber sicher, dass sich das Urlaubsgeschäft deutlich schneller erhole als das allgemeine Reisegeschäft inklusive Geschäftsterminen: „Videokonferenzen ersetzen weiterhin so manches Gespräch, aber ein Urlaubserlebnis lässt sich nicht digital ersetzen.“

Künstler, Gastronomen, Hotelbetreiber, Veranstalter und all die anderen Branchen, die jetzt schon am Boden sind, werden dann wohl noch bei Altmaier und Scholz anklopfen müssen, sollten sie überhaupt noch die Kraft dazu haben.

Zumindest aber können die Corona-Medien dann alle mit folgender Schlagzeile auftumpfen:

„Danke Frau Merkel, dass Sie die Hälfte der über 100-Jährigen gerettet haben.“