Lob für die Grünen: Auf links gezogener Merz steht für weitere Vermerkelung Deutschlands

Bald schon Partner? Merz mit Habeck (l.) (Foto: Imago)

Endgültig auf der grünen Schleimspur ausgerutscht und in den Schoß des linken Alt- und Einparteienkartells zurückgekehrt ist Friedrich Merz – noch bevor er sich überhaupt die Gelegenheit erstritt, als letzte bürgerliche Hoffnung einer Real- und Vernunftpolitik für Deutschland aufzuwarten: Mit einer peinlichen Charme-Offensive nähert sich der CDU-Vorsitzkandidat und mögliche Merkel-Nachfolger jetzt den Grünen an. Es ist das exakte Gegenteil dessen, was man vom künftigen Herausforderer im Wahljahres 2021 eigentlich erwarten müsste.

Sehr diszipliniert und sehr profund“ arbeiteten die Grünen als Partei, sagte der frühere Chef der Unionsfraktion am Dienstagabend bei einer Veranstaltung des CDU-Stadtverbands Murrhardt im Rems-Murr-Kreis laut „Redaktionsnetzwerk Deutschland„: „Diese Leute sind im Stoff. Die sind im Thema. Die verstehen, worüber sie sprechen.“ Es sollte keine Ironie sein. Denn anschließend lobte Merz wahnwitzigste ideologische Zugeständnisse der Merkel-Ära an den linksextremen Zeitgeist als gesellschaftspolitische Errungenschaften und zivilisatorischen Fortschritt.

Zum Beispiel die Frauenquote und den Jugendwahn – beides politische „Unique Selling Positions“ der Grünen: Deren hohen Frauenanteil begrüßte Merz außerordentlich und diagnostizierte seiner eigenen Partei diesbezüglich „ein Problem„. Die Union habe „zu wenig junge Mitglieder, die Partei ist zu alt„, erklärte er, und befand mit Blick auf den um 25 Prozent herum fluktuierenden Frauenanteil der Union: „Wir haben viel zu wenige Frauen!„. Deshalb werde er sich „nicht gegen eine Quote aussprechen„.

Welch ein Irrsinn, dass nun ein bisheriger Vertreter des Leistungsprinzips und der individuellen Chancengleichheit einer gesetzlichen Bevorzugung von sexuellen Merkmalsträgern das Wort redet. Auch bei Merz stellt sich bei dieser Einstellung die Frage, wozu man die Union noch wählen soll, wenn dort dieselben Überzeugungen wie in den drei linken R2G-Parteien heimisch geworden sind; wieso die Kopie wählen und nicht gleich das Original? Diese Union, unter Merkel zum bloßen Kanzlerinnen-Wahlverein degeneriert, braucht wahrlich kein Mensch mehr.

Elogen auf Jugend und Quote

Damit kann man nun auch Friedrich Merz getrost als Hoffnungsträger eines Kurswechsels der Union zurück zur politischen Mitte in die Tonne treten und als Impulsgeber einer „Wende“ vergessen – so wie zuvor schon Markus Söder, den unverbrüchliche Optimisten einst als konservativen Merkel-Nachfolger sahen. Letzterer hat sich dem Zeitgeist bereits bis zur völligen Verbiegung aller früheren Positionen angepasst und könnte morgen problemlos zu den Grünen wechseln, ohne in programmatische oder inhaltliche Erklärungsnöte zu geraten.

Dasselbe gilt auch für Merz, der sich den Grünen neuerdings schamlos als Regierungspartner andient, weil er mit ihnen die Große Koalition fortsetzen will; „Groko“ dann fortan freilich als Koalition aus CDU/CSU und Grünen – denn definitionsgemäß besteht jede „Große Koalition“ ja bekanntlich aus den beiden größten Volksparteien des Landes, zu denen die SPD verdientermaßen längst nicht mehr gehört. Statt wie bisher auf Fundamentalabkehr von Merkels Linksruck und ihren rückgratlosen Irrungen setzt Merz nun –  möglicherweise aus Opportunismus und aus Respekt vor den Corona-bedingten Umfragehöhenflügen der Union, vielleicht aber auch aus rein machttaktischen Erwägungen – nicht mehr auf einen Neubeginn, sondern auf ein „Weiter so“. Der Visionär hat ist zum Duckmäuser geworden.

Eigentlich ist die Union unter einem linksgespülten Merz, der mit seinem Balztanz für eine künftige schwarz-grüne Koalition im Bund seinen Mitbewerbern Norbert Röttgen und Armin Laschet auch perspektivisch in nichts mehr nachstehen dürfte, eine willkommene Steilvorlage für die AfD. Hier, in der nun endgültig preisgegebenen politischen Mitte, böte sich für sie ein beträchtliches Potenzial jenseits ihres angebräunten Schwerezentrums. Es ist die Chance zur Repositionierung in dem Lager, aus dem die Lucke-Renner-AfD einst entsprang: dem liberal-konservativen bürgerlichen Median. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die einzige Realopposition im Land Kapital aus dem Umstand zu schlagen vermag, dass sich nun auch Friedrich Merz als „Fortsetzung Merkels mit anderen Titeln“ geoutet hat. (DM)