„Spiegel“-Heldenverehrung: Wo wären wir nur ohne Impfstoff und Migranten!

Biontech-CEO Ugur Sahin mit Vizekanzler Olaf Scholz und RLP-MP Malu Dreyer (Foto:Imago/photothek)

Wenn die zeitgeistliche Götzendienerei der Medien gleich zwei ihrer heiligsten Kultobjekte in einer Titelgeschichte vereinen kann, dann sind keine Superlative zu hoch gegriffen – und sogar gestalterische Anleihen an der Bildpropaganda versunkener Regimes erlaubt, sie in jedem anderen Zusammenhang zu Recht als geschmacklos und kitschig verfemt würden. So etwa im aktuellen „Spiegel“ mit seiner wohlwollenden Eloge und unkritischen Präsentation des Biontech-Gründerehepaars Ugur Sahin und Özlem Türeci in Interviewform.

Der herrliche Impfstoff und seine verherrlichten Schöpfer mit Migrationshintergrund – da sorgen die linken Triggerklischees für Dauererregung. „Gänsehaut„, twitterte Sawsan Chebli über Sahins wissenschaftlichen Beitrag, und schon Ende November waren mit „Monitor“-Restle die Gäule durchgegangen, der in Sahin/Türecis durchaus respektablen Leistungen eine Blaupause für das Potential aller nach Deutschland strömenden Migranten erkennen wollte (obwohl die heute ins Land kommenden prekärer islamischer Migranten mit der damaligen ersten Generation an fleißigen, säkularisierten und leistungswilligen Gastarbeiter, der Sahin entstammt, rein gar nichts zu tun haben).

Den „Spiegel“ inspirierte das Mainzer Erfolgs-Paar dann prompt zu einem Cover, das unfreiwillig komisch offenlegte, wie viele der Redakteure des Blattes geistig ticken und nach welcher Gesellschaft sie sich offenbar zurücksehnen: Eine Fotokomposition, die verdächtig nahe am sozialistischen Realismus entlangschrammt, soll hier die Entrückung und übermenschliche Überhöhung zweier Heilsbringer zum Ausdruck bringen. Im Netz wurde das Titelbild denn auch sogleich entsprechend eingeordnet:

(Screenshot:Netzfund)

Der göttliche Migrant als Sinnbild der grenzenlosen „Vielfalt“ – und die ohne sein Zutun nie erreichbare Erlösung durch den Impfstoff. Das ist so zwar durchgeknallt, dass es schon fast wieder einen künstlerischen Camp-Wert entfaltet, aber es verrät alles über die Schubladen, in denen postmoderne Linke denken. Es ist ein im Prinzip rassistischer Ansatz: So wie erfolgreiche schwarze Leistungsträger gehypt und damit auf ihre Hautfarbe reduziert werden, so wird auch bei den Biontech-Pionieren wieder der idealisierten Vorzeigetürke überbetont, ohne den die Kartoffeldeutschen aufgeschmissen wären. Hätte Dietmar Hopp mit CureVac das Rennen um den Impfstoff gemacht – ein solches Cover hätte ihm der Spiegel in tausend Jahren nicht gegönnt. (DM)